Warum Kritiker die Gotthelf-Filme von Franz Schnyder als schönfärberisch und kitschig bezeichnen, ist nach diesem Film kaum nachvollziehbar. Zwar watet niemand in Blut und Drogen und auch der moderne Lebensekel wird nicht zelebriert. Sehr wohl werden aber z.B. die Folgen von Alkoholmissbrauch wie auch die prekären Arbeitsverhältnisse des Gesindes thematisiert: Ueli muss die Meistersleute fragen, ob er am Sonntag in der hellen Stube lesen dürfe, da es in seiner dunklen Kammer kein Licht hat. Dass zwar Fehlverhalten ("Sünde") gezeigt und gegeisselt wird, nicht aber die Hoffnungslosigkeit triumphiert (à la Bernhard oder Skandinavier heute), ist Ausdruck der christlich-protestantischen Weltanschauunng. Sie ist zwar nicht mehr modern (die Kirche beschäftigt sich lieber mit Politik als mit Seelen und deren Ängsten und Hoffnungen). In der Buchvorlage des in Murten geborenenen, im Emmental wirkenden Pfarrers und Schriftstellers Albert Bitzius (alias Jeremias Gotthelf) ist aber genau diese Weltanschauung enthalten und im Film getreu umgesetzt.
Dieser erste Teil ist gut, der zweite (Ueli der Pächter) noch dichter.