So sehr ich alle negativen Kritiken zu Mr. Vedders Neuling nachvollziehen und teilweise auch bestätigen kann, so sehr revidiert sich dieser fahle Beigeschmack in der Tatsache, dass sich EV mit UKULELE SONGS nicht kommerziell ausschlachten und verzehren lässt.
Wer wunderhübsche Akustik-Balladen abseits vom totgespielten Jack Johnson oder Milow haben möchte, der soll doch bitte zu einem der vielen Pearl-Jam-Alben greifen. Auf dem letzten namens "Backspacer" beispielsweise wären da mit "Just Breathe" und dem genialen "Unthought Known" gleich zwei überzeugende Vertreter dieser Art vorzufinden!
Aber - und eben darin sehe ich das Wunderbare an vorliegendem Werk - Herr Vedder schwimmt halt nicht geradlinig den Weg des (kommerziellen) Erfolgs, schnappt sich eine Ukulele und spielt und singt, wonach ihm gerade der Sinn steht. Und da der PJ-Frontman eine begnadete Stimme besitzt, ist es - für meinen Geschmack - am Ende egal, ob er als Begleitinstrument dies oder jenes benützt.
Natürlich wäre es vermutlich einfacher die hierauf enthaltenen Songs wie gewohnt konsumieren zu dürfen. Aber warum muss 1+1 immer gleich 2 sein!? Lassen wir der Kunst und ihren Vertretern doch ihre Freiheit und freuen wir uns doch darüber, dass es jemand nicht jedem anderen gleich tut! Genau das ist die unverwüstliche Klasse, die dieses Album ausmacht!
UKULELE SONGS sind das, was der Name verspricht - nicht mehr und nicht weniger. Und auch der Name des Interpreten - immerhin kein Geringerer als Eddie Vedder - bürgt für jene Qualität, die - wie ich meine - am Album auch tatsächlich vorzufinden ist.
Eigentlich ja ein zutiefst genialer Schachzug, muss man sagen. INTO THE WILD (der tolle Soundtrack zum gleichnamigen Film) - Vedders vielgerühmtes erstes Solo-Werk - konnte er (obwohl sehr erfolgreich und kommerziell) sozusagen als "Nebenprojekt" zu einem Film verkaufen und jetzt - mit UKULELE SONGS - schlägt er überhaupt einen unvorhergesehenen Weg ein, der - wie schon gesagt - aus meiner Sicht mutig, frisch und frech (wieder einmal) die erwarteten Konventionen hinter sich lässt und die Bandbreite der Musiknachwelt nachhaltig vergrößert.
Freilich: Weder eine großartige Stimme, noch der Gebrauch einer Ukulele sind neu. Wenn sich allerdings das (Anti)-Pop-Idol EV hinsetzt, um eben diese beiden Elemente miteinander zu verbinden, dann ist das durchaus etwas Neues, auf seine Art noch nie Dagewesenes!
Und wer sich - so sehr ich das gewissermaßen auch verstehen kann - nicht und nicht mit diesem gewagten Zweitversuch anfreunden kann, der soll entweder
a. aufs nächste PJ-Album warten (da wird wohl wieder Gewohntes zu hören sein)
b. oder sich wieder dem Mainstream hingeben und weiterhin Jack Johnson und Milow hören!
Bemerkung zu Punkt b: Ich bitte Fans eben dieser Musik um Verzeihung. Das ist weder böse noch radikal abwertend gemeint (Jack Johnsons "In Between Dreams" z.B. halte ich für hervorragend). Dennoch sind das derzeit wohl nicht die am meisten inspirierenden Quellen, die sich in der gegenwärtigen Musiklandschaft herumtummeln. Da ist mir UKULELE SONGS halt ganz einfach trotzdem ein gutes Stück näher!
Fazit: Vedder vs. Johnson/Milow. Gut umgesetztes Alternativalbum mit einigen Perlen an Bord. Schade nur, dass nicht noch die eine oder andere PJ-Coverversion Platz darauf gefunden hat!
P.S. Gab's so ähnliche Diskussionen (Pro & Contra) nicht auch beim Erscheinen des PJ-Drittwerkes "Vitalogy"? Auch hier trennten sich einst Mainstream-Anhänger (des damaligen Grunge-Hypes) von den wahren PJ-Freunden, was der Musik im Nachhinein gesehen mit Sicherheit nicht geschadet hat!!
Übrigens: Den Video-Ausschnitt von WATER ON THE ROAD als Kaufanreiz beizufügen halte ich für irreführend. So sehr ich die Bluray auch mag - mit UKULELE SONGS direkt hat sie eher wenig zu tun (Anm.: Die Aufzeichnungen des Films stammen aus dem Jahr 2008, also noch vor dem Veröffentlichungstermin von "Backspacer". An UKULELE SONGS hatte da selbst Mr. Vedder wohl kaum noch konkret gedacht, wage ich jetzt mal so zu behaupten...)
Gesamtresümee: Für mich das richtige Signal zur richtigen Zeit! Manchmal ist es auch die Art und Weise, die eine Platte auszeichnet, unabhängig davon wie hitverdächtig sie klingt...
ABER, und da stimme ich vollkommen zu, EINMAL UKULELE SONGS wird wohl genügen! (Ganz ehrlich: Glaubt da wirklich jemand ernsthaft an ein UKULELE SONGS II?)
Mir gefällt's. Und ich gebe auch 5 STERNE dafür her! Punkt.