Die Ukraine ist nach Russland das größte Flächenland Europas und ein Reiseführer muss naturgemäß umfangreich sein, um das Land ausreichend darzustellen. Der Ukraine-Reiseführer vom Trescherverlag hat inzwischen über 500 Seiten und bringt viel Masse auf die Waage, allerdings auch Kompetenz: Er ist, obwohl es inzwischen einiges an Ukraine-Literatur im deutschsprachigen Raum gibt, immer noch das einzige Buch, das die Informationen bereithält, die für eine Reise in dieses immer noch exotische Land nötig sind. Dabei beschönigt er nichts. Westliche Reisende haben es immer noch schwer, die Infrastruktur ist unterentwickelt, die Sprachbarriere hoch. Ein Ukraine-Reiseführer muss eine Gratwanderung unternehmen. Er muss auf der einen Seite Lust machen, dieses Land zu bereisen, und auf der anderen Seite all die Informationen mitgeben, die für so ein schwieriges Reiseland notwendig sind. Die Autoren sind ziemlich gut mit dem Land vertraut. Sie blicken nicht nur in die touristischen Zentren, nach Lemberg, Kiew und auf die Krim. Sie haben auch das platte Land im Blick, zeigen die Badeorte am Asowschen Meer und das Raketen-Museum bei Perwomajsk. Außerdem ist der Schreibstil flüssig und anschaulich. Es macht Spaß, im Buch zu stöbern und das kann man nicht von allen Reiseführern behaupten. Meine Favoriten sind die Essays über Kultur und Geschichte, zum Beispiel über einen Abend auf dem tatsächlich vorhandenen Weiler bei Dikanka. Was die Aktualität angeht, ist das Buch auf der Höhe. Zwar gibt es nach wie vor einige Lücken, das Nachtleben kommt zu kurz und die Preise bei vielen Hotels, wiewohl in Euro umgerechnet, sind weiter nach oben gewandert. Einen Pluspunkt gibt es für die Infos zur Fußball-EM 2012. Mit dem Buch ist man in der Summe sehr gut bedient, daher fünf Sterne.