Es ist bisweilen traurig, dass Menschen so sehr in subjektiven Erwartungen und beschränkten Horizonten verhaftet sind, dass Sie mit dem Wort "Kunst" leider nur einen schmalen Streifen ihrer eigenen kleinen Welt verbinden.
Also bitte nicht abschrecken lassen von teilweise sehr unqualifizierten Äußerungen hier. Jeder, der eine Ahnung davon hat, welch fesselnde Wirkung von unkommentierten Bildern und Einstellungen auszugehen vermag, der möge sich diesen Film anschaffen. Dieser Film stellt in dieser Hinsicht einmal mehr einen ästhetischen Hochgenuss dar!!
Allen anderen wird er vielleicht gefallen, anderen nicht. Ist Kunst zu dem banalen Zwecke da, uns zu gefallen? Wie auch immer, was dieser Film zu bieten hat, ist Ästhetik, und zwar in den wildesten Spielarten.
Stanley Kubrick war einer der größten Regisseure aller Zeiten. Und von seinen Filmen ist "A Clockwork Organge" womöglich der am meisten explizite.
Zunächst einmal der Appell an diejenigen, die des Englischen mächtig sind, sich das Ganze in der originalen Tonspur anzusehen. Das ist zwar eine echte Herausforderung, denn es handelt sich dabei um einen nicht leicht zu verstehenden Slang, der aber sehr bildhaft und ungemein komisch ist und einen wichtigen Teil des ästhetischen Konzepts darstellt. Kubrick hat den Dialogen der Gang um Alex eine proletarische Sprache verliehen, die immer wieder auch sehr sanft und poetisch wirkt; Anleihen an Shakespeares Sprachgebrauch verdeutlichen die Synthese von Kunst bzw. Ästhetik und Grausamkeit. Zudem ist hier ist vor allem interessant, dass die in England bestehende soziale Abgrenzung, die in den jeweiligen Akzenten steckt, leicht parodiert wird. Es ist keinem zu trauen, egal welcher Stellung, ergo welcher Sprache er angehört.
Die deutsche Synchro gibt sich Mühe, aber es bleibt leider vieles auf der Strecke. Also vielleicht auf Englisch mit englischen Untertiteln schauen.
Natürlich gibt es eine ganze Menge mehr in diesem Film zu entdecken. Von der rein visuellen bzw. audio-visuellen Brillanz des Meisters mal abgesehen, fällt auch Malcolm McDowells Schauspiel auf. Schön wie Dorian Gray, charakterlich verdorben, wird er schließlich in einem visuellen Höllentripp gebrochen.
All das stellt McDowell wunderbar überzeugend und präsent dar; eine bestechende, eine preiswürdige Leistung.
Dazu wirft der Film einige Fragen über das Menschsein auf. Kubrick zeigt, dass jeder jeden zu seinem eigenen Vorteil missbraucht. Wer überflüssig ist, der wird fallen gelassen. Interessant ist auch die Synthese von Trieben und Ästhetik. Als Alex beides verliert - die Triebwelt und die Liebe zur 9. Sinfonie Beethovens - scheint er nicht mehr lebensfähig. Erst die psychologische Rückführung zum wahren Charakter des Menschen, eben triebhaft zu sein, lässt ihn die Musik auch wieder genießen.
Fazit: Eine faszinierende Reise in die menschliche Psyche. Traumhafte Bildsprache, triebhaft und wüst, aber eben doch hoch ästhetisch. Dazu ein Schauspieler, welcher der manischen Akribik seines Meisters folgen und alles aus sich herausholen musste. Und zu guter Letzt Musik, deren Einsatz in diesem Film verdeutlicht, worum es geht: Um Schönheit und um Grausamkeit.