Was war denn das? Das war mein erster Gedanke, als ich den Film neulich sah. Ich war angewidert und fasziniert zugleich. Ich war abgestoßen und gefesselt. Nach dem Ende saß ich minutenlang noch da, war deprimiert und grübelte nach.
Zu komplex war der Film, um seinen Sinn beim ersten Ansehen zu erfassen. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich sagen, daß dies die gelungeste Literaturumsetzung der Filmgeschichte sein dürfte. Alex, ein Typ mit wahrhaft verotteten Manieren und Moralvorstellungen zieht raubend und vergewaltigend (ReinRausSpiel) durch die Stadt. Als ihm dann das "Mißgeschick" passiert einen Mord oder "Ultrabrutale", wie er es nennt, zu begehen und geschnappt zu werden, beginnt eine neue Ebene des Films. Der Vollzug mit seinem Experiment zur Umerziehung. Danach wird Alex als geheilt in die Gesellschaft regelrecht ausgesetzt, unfähig sich zu wehren. Von seinen alten Freunden gequält findet er sich vor der Haustüre wieder, wo er damals die Ultrabrutale begangen hatte. Der Kreis schlließt sich... denn dort wird er quasi wieder rückerzogen und der Film endet deprimierend mit dem Satz "Und ich war geheilt, oh meine Brüder".
Über den Sinn wird so viel gesprochen, aber ich finde das passt alles nicht wirklich. Ich glaube, daß dieser Film einer der wenigen ist, der dem Zuschauer eine absolut individuelle Sichtweise ermöglicht. Jeder findet seine persönliche Botschaft oder Warnung darin.
Ich kann diesen Film nur jedem ans Herz legen. Auch wenn ich zum Teil wirklich gegen den Brechreiz kämpfen mußte, angesichts unverblühmter und roher Gewalt. Malcolm McDowell verleiht dem Film eine Intensität, der man sich nicht entziehen kann. Kalt lächelnd und singend tollschockt er einen starrigen Fecken (Schlägt er einen alten Mann) und obwahl man versucht ist abzuschalten, KANN man es einfach nicht.
Das Interessanteste an diesem Film ist sicherlich die Kunstsprache in der sich Alex und seine Freunde unterhalten, die ganz im Gegensatz zu der rohen Brutalität, bizarr grazil und filigran anmutet. Irgendwie ist es schockierend zu sehen, daß so extreme Gewalt von so lyrisch sprechenden, sauber gekleideten Jungs verübt wird. Das ist auch einer der Reize des Film... Brutal sind nicht nur die Heruntergekommenen - es steckt vielmehr in jedem Menschen!
Alles in allem ist das ein Film der seinesgleichen auch nach zwanzig Jahren immer noch sucht. Und das Ansehen lohnt sich. Aber vorsicht! Ich würde die FSK wirklich ernst nehmen und das nicht mit meiner vierzehnjährigen Nichte ansehen!!!
Mein persönliches Fazit: der grausamste, abstoßendste, fesselndste und lyrischste Film den ich je gesehen habe!