Aus der Amazon.de-Redaktion
PJ Harvey ist mit
Uh Huh Her auf dem absoluten Solo-Selbstfindungstrip. Wäre es musikalisch nicht so weit voneinander entfernt, so würde man gerne eine Parallele zu Lenny Kravitz ziehen: die Songs sind allesamt selbst eingespielt (bis auf das Schlagzeug), das Booklet besteht ausschließlich aus Selbstporträts, die Texte sind, wie immer bei Polly, über Polly. Aber da hören die Gemeinsamkeiten dann auch auf.
Uh Huh Her ist eine Achterbahnfahrt unter der Erde. Mit großer Opulenz, wie beim Vorgänger Stories from The City... hat dieses Album nichts zu tun. Was hier durch knarzige Sounds und minimale Arrangements hindurchscheint, ist aber ihre Mitarbeit bei der letzten Desert-Session. Ein Song wie "Cat On The Wall" hätte auch auf den Alben von Alain Johannes' und Natasha Schneiders Band Eleven sein können. Aber da Frau Harvey durchaus mit ihren eigenen Stilmitteln hervorsticht, bekommt der Hörer so verschiedene Stücke wie die einerseits ganz ruhigen Songs "Slow Drug","The Darker Days Of Me & Him" oder das eine Minute kurze "No Child Of Mine", dann aber auch ein paar Noise-Keulen wie "Who The Fuck?" oder das QOTSA-mäßige "The Letter".
Kurz und gut: Die Stilmittel mögen sich ändern, aber sie sind stets Vehikel für PJ Harveys dunkle Visionen und nur diesen verpflichtet. Da ist die Soloarbeit natürlich enorm vorteilhaft, denn niemand spuckt ihr in die Klangsuppe, um der entstehenden introvertierten Atmosphäre einen fremden Aspekt beizumischen. Uh Huh Her ist am Ende ein Album, das man sich besser interessiert und ohne Störung auf dem heimischen Hörplatz einführt, und hinterher ist man wieder um einiges verwirrter, aber das ist besser als gelangweilt. --Deborah Denzer
PJ Harvey hat eine neue Platte gemacht, und die drängende Frage ist nicht "Wie ist die CD?", sondern "Wie geht es Harvey?" Schon immer waren ihre Veröffentlichungen weniger Kommentar zur Außenwelt als öffentliches Aufarbeiten seelischer Probleme; nach "Uh Huh Her" muss man wohl sagen: Es geht ihr schlecht. Düster die Akustikgitarre, tonlos Harveys Stimme, immer wieder durchbrochen von wilden Schlagzeug-Gitarre-Eruptionen, dann schwingt sie sich zum Heulen auf, markerschütternd, hilflos. Bis auf die Drums macht Harvey mittlerweile alles selbst, das verleiht ihrer musikalisch eher konventionellen Blues-Folk-Indie-Melange den Charme des Unfertigen, Sperrigen. Gleichzeitig hat das Album dadurch auch einen leicht autistischen Charakter: Der Vorgänger "Stories from the City, Stories from the Sea" war ein Band-Album, das bei aller Düsternis geschlossen wirkte. Heute hat man dagegen den Eindruck, dass Harvey sich abkapselt, sich einspinnt in einen persönlichen Alptraum. Dass das auf der inhaltlichen Ebene einen ziemlich reaktionären Unterton hat, dass Harvey für die Frau nur das role model der Leidenden anbietet, dass sie Sex nur in Verbindung mit Schuld und Schmerz denken kann - geschenkt. Wie ist die CD? Großartig. (fis)
Produktbeschreibungen
UH HUH HER 7ME ALBUM-FRANCE