Star Trek - Tactical Assault ist das erste und einzige Star Trek Spiel für die PSP bisher und stammt aus der Softwareschmiede Bethesda Softworks, welche sich hier auf ein neues Gebiet wagen, sind sie doch eher für Rollenspielhits wie The Elderscrolls bekannt.
Bethesda hat im Grunde hier nichts anderes getan, als Starfleet Command Elemente in einem taktisch auf dem Niveau von Star Trek Starfleet Academy / Klingon Academy Weltraumsimulationsspiel zusammenzufügen, unter Verlust der enormen Spieltiefe von Starfleet Command für eine einfache Handhabung auf dem Handheld.
Der Hauptbildschirm erinnert zunächst an Starfleet Command. Schutzschilde werden in Form von 6 Bögen um das Schiff herum dargestellt, wobei die Farbe der Bögen für die relative Schildstärke steht. Das Schiff wird dabei wie gewohnt nach links oder rechts bewegt, der Blickwinkel ist dabei die dritte Person. Bewegungen im dreidimensionalen Raum sind nicht möglich, die Schiffe werden automatisch in der Höhe so verlegt, das keine Kollisionen oder "unrealistische" Bilder von Schiffen, die durch einander durch fliegen, entstehen. Dummerweise gibt es im Gegensatz zu den früheren Starfleet Command Spielen aber durchaus Objekte mit denen Kollisionen möglich und gefährlich sind. Es gibt dabei allerdings keinerlei Warnanzeigen, nur ein Ausscheren der Kamera kündigt Kollisionen an. Von daher: Augen auf beim Eierkauf im Weltraum!
Abgesehen vom eigenen Schiff sind die Anzeigen sehr mager, viele bekannte Dinge aus Starfleet Command 1 und 2 gibt es nicht, unter anderem Shuttles und Shuttlerampen, Raketensysteme, Enter- oder Sabotagetrupps, Minen und Transporterbomben, EGGM und EGM, Schildverstärkung ... es fällt eben vieles raus und das spart Platz auf dem Bildschirm. Die wichtigen Dinge werden aber oft und hinreichend von Crewmitgliedern - Text und nicht etwa Stimmen was ich etwas enttäuschend finde, wo auch auf UMDs genug Platz vorhanden sein sollte - kommentiert, das Energiemanagement wurde komplett neu umgestellt. Während man bei Starfleet Command sehr genau die Energieverteilung vornehmen konnte (ich rede NICHT von SFC 3!) um einzelne Waffen, Schilde, Sensoren etc. zu verstärken oder zu überladen, hat man hier wie bei Star Trek Bridge Commander neben der Hauptenergie, um die man sich garnicht kümmern kann noch Batterien mit Notstrom. Diese erlauben die Ausführung besonderer Manöver.
Hierbei liegt die eigentliche Spieltiefe von Tactical Assault. Neben den normalen Waffensystemen (Phaser und Photonentorpedos, Schilde etc.) kann man mit Notstrom verschiedene besondere Manöver und Aktionen ausführen, wie zum Beispiel Notwendemanöver, Antriebsverrstärkung, Schildregeneration, Waffenüberlastung. Ein Großteil dieser Manöver erfordert allerdings, das die jeweiligen Besatzungsmitglieder dafür ausgebildet sind. Fortbildungen kann man mit Hilfe von Ausbildungspunkten vergeben, die man für besonders gut beendete Missionen erhält. Leider wird man in diese Manöver nicht ingame eingeführt, man muss dazu das Handbuch wälzen. Da die Spezialaktionen und -manöver auch von Rasse zu Rasse verschieden sind, bleiben Überraschungen nicht aus.
Neben Geschwindigkeitsanzeige und Notstromanzeige befinden sich noch eine einfache Schadens- und Waffenanzeige auf dem Bildschirm sowie kleine Anzeigen für Kommunikation (Hail) und Scan (Scan ^^) die sich bemerkbar machen, wenn verschiedene Aktionen möglich sind. Scans verschaffen einem einen Überblick über Sektoren, Objekte in der Umgebung sowie die aktuell anvisierten Ziele. Auch für das diplomatische Lösen von Konflikten können Zusatzinformationen wichtig sein. Über das Menü Hail kann man verschiedene Objekte in der Umgebung rufen und mit diesen - je nach Neigung des jeweiligen Rufziels - kommunizieren. Hail blinkt, wenn Rufe von Außen ausstehen und auf Antwort warten. Bei der Kommunikation hat man im Gespräch manchmal mehrere Möglichkeiten, zu handeln. Englischkenntnisse sind hier leider Pflicht, da das Spiel komplett in Englisch gehalten ist, das Handbuch ist aber auf Deutsch. Das nutzt einem nur bei den Ingame Texten nichts.
Alle Menüs lassen sich sehr leicht bedienen.
Die Kampagnen selbst sind in ihrem Verlauf stark an Starfleet Academy / Klingon Academy angelehnt. Man kauft seine Schiffe nicht und rüstet diese auch nicht selbst aus oder nach, auch kommandiert man stets nur ein Schiff, nicht etwa einen Flottenverbund. Die Schiffe werden einem im Verlauf der Story zugewiesen. Auch sucht man sich seine Aufträge logischerweise nicht aus, die Kampagnen sind linear. Eine taktische Karte auf der man sich bewegt gibt es folglich auch nicht.
Wenn eine Mission beginnt, dann meistens in der Nähe einer befreundeten Raumstation. Von dort springt man dann per Warp in verschiedene Sektoren, erfüllt Missionsziele, kann manchmal zwischen verschiedenen Handlungssträngen einer Mission wählen, während die Story insgesamt dabei aber linear bleibt. Die Missionen sind unerwartet anspruchsvoll und werden sehr schnell schwerer. Selbst ich als SFC Veteran und großer Star Trek Fan habe trotz problemloser Steuerung manchmal meine liebe Mühe, die Missionen zu bestehen. Hartnäckige, intelligente Gegner (greifen z.b. soweit wie es geht die Schwachstellen eines Schiffes an und setzen rassenspezifische Spezialfertigkeiten ein) und nicht nur faire sondern oft fordernde Freund-Feind-Verhältnisse erfordern ein schnelles, taktisches Geschick und das Kalkül eines erfahrenen Strategen und Diplomaten auf dem Chefsessel. Die Diplomatie kommt dabei nicht zu kurz, doch oft sehr überraschend. Man sollte also - zumindest wenn man bei der Föderation spielt - erst scannen, dann reden und dann schießen, so offenbaren sich oft ganz neue Situationen - auch zugunsten des Spielers. Alles ausprobieren. Zeit für Fehler hat man aber auch nicht en masse, das Spiel ist also wirklich sehr fordernd und wird nicht langweilig.
Sound und Grafik sind sehr gut gelungen, wenn auch sicher nicht so üppig wie bei Bethesda Softworks' PS2 Spiel Star Trek Encounters. Detailreicher Weltraum, sehr detailreiche Raumschiffe und Texturen. Auf der Packung wirkte das Spiel sehr pixelig und billig, im Spiel wurde ich dann aber schnell und Gott sei Dank eines Besseren belehrt. Nur die fehlende Stimmenunterlegung nervt ein wenig und manchmal erscheint die Musik etwas monoton.
Insgesamt denke ich, dass das Spiel für Star Trek Neulinge wie auch Fans gleichermaßen spannend ist. Leicht haben es diejenigen, die insbesondere Starfleet Command durch die Bank weg schonmal gespielt haben, auch wenn diese zunächst vielleicht eine gewisse taktische Spieltiefe vermissen, da anfangs so wenig Spezialaktionen zur Verfügung stehen. Die Kampagnen sind aber dank guter KI und einer garnicht schlechten Story sehr spielenswert.
Der Multiplayer und der Skirmish Mode (Geplänkelmodus) sind selbsterklärend gehalten. Hier kämpfen bis zu 2 Spieler per WLAN gegeneinander mit und ohne KIs. Dabei stehen Schiffe von 5 Rassen - die man teils erst per Kampagnenmodus freischalten muss - zur Verfügung sowie deren Spezialfertigkeiten. Das Crew-Fortbildungsniveau kann festgelegt werden, um den Ausbildunsgrad zu begrenzen. Das Ausbildungsniveau einzelner Offiziere kann aber nicht angepasst werden, wie das in der Kampagne möglich ist. Die Gefechte stehen in wählbaren Umgebungen statt.
Es sei noch angemerkt, das die Schiffe, die in ST - Tactical Assault teils aus den Serien und Filmen stammen, ein Großteil aber leider Fantasiegebilde von Bethsoft sind. Angesichts dieser hässlichen und teils lieblos gestalteten Schiffe hätte ich mir lieber die frei erfundenen Schiffe aus Starfleet Command oder Star Trek Klingon Academy gewünscht, die passten eher in die Generation herein und sahen nicht ganz so übel aus. Hier mag sich der eine oder andere daran stoßen, letztlich gewöhnt man sich dran.
Insgesamt ein gelungenes, spaßiges und auf der PSP gut spielbares ST Spiel. 4 von 5 Sternen.