Der französische Videospieleheld Rayman blickt nun praktisch auf eine 17 Jahre lange Karriere zurück und wie man an "Rayman Origins" sehen kann ist sie noch lange nicht am Abebben.
Europas Antwort auf Klempner Mario und Sonic dem Igel feierte sein Debüt 1995 auf dem gefloppten Atari Jaguar und überraschte nicht nur mit seinem ungewöhnlichen Helden, sondern unter anderem mit seinen Levels, die doch weitaus herausfordernder waren als die kindliche Grafik sie erscheinen lassen mag.
In den letzten Jahren wurde Rayman leider mehr und mehr von den irrsinnigen und witzigen, doch mittlerweile etwas abgenutzten Rabbids verdrängt.
Nun, seit Ende 2011, gibt es endlich ein "normales" Hüpf- und Rennspiel mit Rayman im Zentrum. Lohnte sich das Warten?
Die Frage kann getrost mit Ja beantwortet.
Ich komme sofort zu den nennenswerten Einzelheiten des Spiels:
GAMEPLAY: es überzeugt. So einfach ist das :)
Ich konnte es auf der Playstation 3 zumindest anspielen und spielte es dann vollständig auf der Wii. Bei beiden dieser Versionen war die Steuerung einfach und schnell erlernbar, auch in hitzigeren Gefechten und rasanten Sequenzen lässt einen zumindest die gute Steuerung nicht im Stich. Denn in den schwierigeren, stressigeren Phasen kommt es oft auf die Sekunde oder die Hälfte einer Sekunde an. Gut, dass die Handhabung der Steuerung sich dabei nicht überfordernd auswirkt.
Zur Wii-Version lässt sich sagen, dass man hauptsächlich die Fernbedienung wie ein normales Gamepad (= senkrecht & knöpfedrückend) hält. Wii-übliches Gehampel und Posen entfällt hierbei.
Zum Spielprinzip lässt sich sagen: man läuft, wie es sich für 2D gehört, von links nach rechts und umgekehrt. Nur in wenigen Abschnitten verwandelt sich das Spiel kurzzeitig in einen Shooter bzw. Shoot-em-up in der Luft (mit Mosquitos).
Aufgabe ist es, sämtliche unterschiedliche Levelwelten zu durchstreifen, größere Bossgegner dabei zu schlagen, möglichst viel Einsammelbares einzusammeln (dazu komm ich noch) und dazu noch rasante Extra-Levels zu bestehen, die ein Höchstmaß an Konzentration erfordern. Im Laufe der ersten Welten erlernen die Spielfiguren ihre Fähigkeiten wie Fliegen, Schläge austeilen und Tauchen.
Apropos: man kann keinen Schwierigkeitsgrad auswählen, doch im Spiel findet sich alles wieder: von kinderleicht über fair-schwer bis hin zu erbarmungslos. Gerade letzteres dürften den Frustpegel gelegentlich steigern und das vor allem bei jüngeren Spielern, weswegen ich "Rayman Origins" eher älteren Spielern empfehlen möchte. Hier gilt das Prinzip: Zähne zusammenbeissen, nicht aufgeben, weiterversuchen. Ist auch nicht so schwer, denn man hat immerhin unbegrenzt Leben.
Wo ich schon von Leben spreche: Es gibt keinen Energiemeter, an dem man die Restenergie ablesen kann. Normalerweise stirbt die Spielfigur bei einem Sturz oder beim Treffer eines Feindes, allerdings können Herzen eingesammelt werden, die einen sofortigen Tod verhindern.
Bis zu vier Spieler können "Rayman Origins" spielen (allerdings nur lokal, über Internet verbundene Mitspieler sind leider nicht möglich). Ich habe das Spiel fast ausschließlich mit meinem Partner gespielt und dadurch sind nicht nur unsere Überlebenschancen gestiegen (stirbt ein Mitspieler, kann der andere ihn quasi zurückholen), sondern auch der Spielspaß :)
Aber keine Sorge: zwischendurch oder bei jedem Spielgang kann man nach Bedarf Spieler hinzufügen oder auslassen.
STORY: Rayman und seine Kumpels genießen ihr faules Dasein dermaßen lautstark, dass einer unoten Omi im unterirdischen Land der Toten eine Ader platzt. Sie initiiert einen Aufstand, der die friedliche Welt Raymans mit Chaos und allerlei schrecklichen Kreaturen verpestet. Letztere nehmen auch die Nymphen (so ne Art Schutzpatroninen mit wenig an) dieser Welt gefangen, die es zu retten gilt.
Dies wird vor allem im lustigen Film zu sehen sein, der am Anfang eines neuen Spiels zu sehen ist.
Während des Spiels wird dann eher nebenbei und dünn auf den Fortgang der Geschichte eingegangen, also z.B. wenn man eine Nymphe befreit hat, wenn der Zugang zu gewissen Bereichen endlich gewährleistet ist und wenn dann doch mal wieder eine Filmsequenz zu sehen ist (dies aber eher selten).
Somit kommt "Rayman Origins" ohne große Textblöcke, Filmszenen und Dialoge aus, was auch durchaus einen Vorteil birgt: der Spielspaß wird damit kaum gebremst.
Man kann von dieser Handlung halten, was man will, ich persönlich finde sie irrekomisch und immer noch besser als das ausgelutschte "Held (Name einfügen), oh rette uns, nur du kannst uns und diese Welt vom Elend befreien". Gut, letztendlich ist es das, das aber weitmehr verrückter und unterhaltsamer dargestellt.
GRAFIK: Die Grafik ist ein Traum, nicht nur im Hinblick auf den State of the Art der Videospiele, in denen eine 3D-Grafik realistischer aussieht als die andere. Diese wunderschöne, cartoonhafte und flüssige Grafik verdient ein dickes Lob. Gerne verliert man sich in diesen bis ins Details schönen Welten, die auch mal düsterer sein können. Inhaltlich reichen sie von mit saftigen Wiesen überzogenen Urwäldern über australisch angehauchte Wüstenlandschaften (mit monströsen Musikinstrumenten), Unterwasserhöhlen und höllisch heissen Großküchen bis hin zu Roboterfabriken.
Doch noch schöner anzusehen als die Leveldesigns sind sicher die Figuren. Ob gut oder böse: sie bringen mit ihrer comicartigen Mimik einen immer wieder zum Lachen, sodass man auf die Bösen nicht immer so lang böse bleiben kann, auch wenn sie einen zum zehnten Mal in Folge getötet haben. Bossgegner wie der "Angry Bird" (ja, er heisst so) sind so ein gutes Beispiel. So ist "Rayman Origins" voller Leben und Spaßpotenzial, schon mal durch die Grafik an sich.
Einziges Problem: die Kamera scheint - ab zwei Spielern - sehr gerne mal weit zurückzugehen, sodass Figuren und Gegenstände nur noch miniaturhaft erscheinen. Dies soll Überblick verschaffen, kann aber gerade hinsichtlich einiger Aktionen wie auf schwer erreichbare Plattformen springen einen Nachteil darstellen. Daran muss man sich wohl oder übel gewöhnen.
MUSIK UND SYNCHRONISATION: Auch der Soundtrack ist traumhaft gut, denn auch hier ist die Reichweite groß.
So abwechslungsreich die Levelwelten sind, so sehr ist das - logischerweise - auch der Soundtrack.
Großteils erinnert er an Weltmusik (Südamerika, Australien...), geht dann über ins Jazzige, mal glaubt man sich in einem mexikanischen Tanzfest wiederzufinden und gerne ertönen auch rythmische Gitarrenklänge oder Banjomusik...um EINIGE Beispiele zu nennen. Ja, sie merken, man darf "traditionellere" Töne eher erwarten als rein elektronische. Öfter geht es fröhlich zu, aber in bedeutungsschwangeren Levels wie Bosslevels schraubt sich die musikalische Begleitung deutlich selber eins weiter hoch. So entstanden dafür teilweise wirklich coole, mitreissende Titel.
Sprache gibt es nicht wirklich in "Rayman Origins", dafür sprechen die Figuren allesamt "traumäisch", eine in Raymans Welt gesprochene Kunstsprache, die immerhin untertitelt wird. Die Stimmen gehen auch immerhin von ulkig bis äußerst ulkig. :)
Ach ja: am meisten zu hören dürften die "Lums" sein, die kleinen gelb-leuchtenden Wesen, die man möglichst massenhaft einsammeln muss. Gerne singen sie hier und da in traumäisch, was gelegentlich auch Erinnerungen an die Raving Rabbids weckt.
MENÜS UND OPTIONEN: Das Menü beschränkt sich ausschließlich auf die Wahl des Speicherplatzes. Man kann also von einigen Speicherplätzen einen auswählen, um diesen zu bespielen und später nochmal auszuwählen. Abzulesen ist dabei auch die Erfolgsbilanz (eingesammelte Items). Doch sonst gibt es nichts. Keine Auswahl eines Schwierigkeitsgrades, keine Konfiguration von Bild oder Ton, nichts. Irgendwo auch verschenkte Optionen.
EXTRAS: Als Extras kann man wohl die optionalen, freispielbaren Levels nennen, die sich im Spiel befinden.
Ich will möglichst nicht viel verraten, nur soviel: es gibt ein "Hauptspiel" und es gibt ein richtiges "Bonuslevel", das man freispielen KANN. Dieses Bonuslevel - das oben erwähnte Land der Toten - ist nicht so schnell zu erreichen und bedarf einiger anstrengender Vorarbeit (wobei sich dieses Bonuslevel dann auch als, äh, ausgesprochen herausfordernd darstellt). Auch hier könnte es hilfreich sein, mindestens einen Mitspieler zu bemühen.
Ausserdem können Spielfiguren entsperrt werden.
Anstatt dass man bei jedem Spielgang als Rayman oder sonstwelche gleiche Figur wählen muss kann man nämlich gern auch zwischendurch wechseln, etwa von Rayman zum (original blauen) Globox oder zum roten Globox oder zu einem der Kleinlinge oder oder oder...diese gilt es nach und nach mittels "Electoons" (einzusammelnde Grinsegesichter) zu erkaufen.
Wer in diesem Rayman-Titel Minispiele erwartet, wird überrascht werden: es gibt keine.
Leider kann man auch die kleinen Filmsequenzen zwischendurch nicht separat anschauen. Eigentlich schade.
FAZIT: definitiv eines der besten Spiele, die ich in letzter Zeit zocken konnte, schon mal auf der Wii, aber auch im Bereich der Jump'n'Runs ein Volltreffer.
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