Assassin's Creed 3 steht ab heute in den Läden, die Presse überschlägt sich in Reviews mit Lob, in den Kaufhäusern wird bereits vor Ladeneröffnung vor den Eingängen campiert. Es ist der Hype des Herbst 2012. Und ein großer Hype hat meistens kleinere Ableger, um alle Kundenkreise anzusprechen. Deswegen machten sich Ubisoft Montreal und Sofia daran, solch einen Ableger für das PS Vita-System zu programmieren und auch uns Handhelden mit zufriedener Miene in Bäumen rumturnen zu sehen.
Ob sie dies geschafft haben und warum ich AC:Liberation für ein Spiel mit zwei Seelen in seiner Brust halte, möchte ich mit dieser Rezension etwas eingehender beleuchten...
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*UPDATE - 01.11.2012*
Aufgrund der doch recht unangenehm auffallenden Menge an Bugs, Clipping- und Performanceproblemen habe ich mich dazu entschieden, dem Spiel in der Gesamtwertung einen Stern abzuziehen. Ubisoft muss hier dringend nachbessern, teilweise sind die Aussetzer einfach nur peinlich (siehe Abschnitt "Offene Welt und offene Arbeit"). Der Test basiert auf Version 1.01 (gepatcht).
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Hurra, ein frisches Setting!
Assassin's Creed III: Liberation spielt im Jahre 1765 in New Orleans: Es geht es um die junge franko-afrikanische Aveline, eine Assassine, Angehörige der damaligen Mittelschicht und darüber hinaus die erste weibliche Hauptdarstellerin der gesamten Serie. Damit hat die Vita-Portierung bereits ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem großen Bruder. Aveline wird in ihrer Kindheit eines Tages beim Einkauf von ihrer Mutter getrennt, weil sie es vorzieht, einem gackernden Huhn nachzulaufen.
Diese Szene durchspielt man als eine Art Anfängertutorial, lernt Bewegungsabläufe und die etwas simplen Taktiken (gehe in den zwei Meter von den Wachen entfernten Seitengang und dann durch den Hinterhof, um am Feind unbemerkt vorbeizugelangen) die Einführung des Spielers in die Spielelemente ist gut eingebettet und recht atmosphärisch. Jedoch verläuft und überschlägt sich die anfänglich interessante Story (Was ist mit der Mutter passiert? Was passiert mit Aveline, nachdem ein netter Onkel sie so liebevoll ins Kreuz tritt? Wieso explodiert ein Segelschiff, wenn man den Anker kappt?!) danach etwas und wird eher dünner als tiefer. Und dies, obwohl die Charaktere durch Mimik, Wort und Handeln (allen vorran Aveline) Sympathie und Empathie hervorrufen und relativ echt wirken. Desweiteren gibt es da noch einige krasse Logikfehler, einer davon: Die Stiefmutter und der Vater von Aveline kriegen anscheinend nicht mit, dass ihr Kind über Jahre von einem Indigenen zu einer Top-Assassine ausgebildet wird (vor allem lebt sie dabei weiter in New Orleans). Andererseits hat man zwischendurch das Gefühl, dass sie wissen, was ihre Tochter tut (wobei sie in keinster Weise darauf eingehen).
Die ersten (Haupt-)Missionen laufen insgesamt sehr linear ab, besonders was die Wahl des Outfits, einem der großen Features von AC:Liberation, angeht. So haben wir drei Kleidungsstile zur Auswahl: Assassinenklamotte, feine Kleider oder Sklavenkluft. Diese unterscheiden sich in Schadensresistenz, Auffälligkeit, der Nutzbarkeit von Waffen und dem Freerun-Feature (das Rumgeklettere). So muss man in ein paar Missionen mit der ewig-lahmen, unakrobatischen feinen Dame vorlieb nehmen, da die anderen Outfits automatisch deaktiviert werden. Später hat man in Haupt- als auch Nebenquests definitiv mehr Freiheit bei der Vorgehensweise und Planung.
Ich sehe dich...
Jedes Outfit hat seine eigene "Aufmerksamkeit/Berüchtigtheit"-Anzeige, welche angibt, wie schnell Wachen eure Verkleidung durchblicken. Die Wachen haben jeder einen eigenen Sichtradius, welcher sich bei Misstrauen schnell von gelb zu rot verfärbt und dann in einem Angriff von allen Seiten (Alarm) endet. Dies lässt sich AC-typisch durch Aktionen wie "Boden fegen in Gruppenarbeit", "Rumlungern" auf Bänken oder das Tragen von Kisten verhindern. Oder man haut auf die Dächer/in die Bäume/ins Wasser ab. Selbst hier können noch Gegner lauern, wenigstens dann aber ohne Verstärkung. Komischerweise muss das "Lady"-Outfit dabei als eine Art "Schwarzes Herz" dienen, denn man kann hier nur "Aufmerksamkeit" loswerden, indem man Zeugen in Hinterhöfen gleich mit abmurkst. Bei den anderen Beiden reicht es, in der Stadt aufgehängte Fahndungsbilder abzureißen. In anderen Situationen wird die "Lady" dann ihrem üppigen Kleidungsschnitt gerecht und darf Wachposten in einer ziemlich Nintendo-artig anmutenden Aktion "bezirzen", was durch ein lächerliches Herz über dem Soldatenschädel dargestellt und mit schosshundhaftem Nachgelaufe belohnt wird. Dabei reagiert die bezirzte KI nicht mehr auf Sperrzonen, Meuchelmorde oder sonstige Aktionen seitens des Spielers.
(Kleines, feines Detail am Rande: Bezirzt mal zwei Wachen und dann lasst euch an den Docks von einem Freibeuter-Triumvirat überfallen.)
... du siehst mich nicht!
Sollte es doch zu einem Kampf kommen, verweilt AC:Liberation wieder auf seinem Lieblingsplatz: Zwischen den Stühlen. Die Kämpfe sind spektakulär und herausfordernder als im "großen" AC, die Animationen geschmeidig und schon anfangs kommt ihr euch derbe cool vor, wenn ihr aus Glück oder Versehen dann doch mal sechs Soldaten in Reihe plättet. Dennoch ruckelt es häufig dabei, besonders wenn mehr als 3 Gegener angreifen und die Kamera manuell nachjustiert werden muss. Teilweise springt Aveline gar wie im Film "Jumper" zwischen den Gegenern hin und her, da das Spiel anscheinend nicht gleichzeitig Speichermanagment und Animationen bedienen kann (ergo: Clippingfehler!). Darüber hinaus weiß man manchmal gar nicht, wie man den Feind jetzt doch noch töten konnte, obwohl Aveline trotz hektischem Tastengewitter gerne mal eher nichts macht als sich wenigstens zu wehren. Zwischendurch verschwinden Feinde in Wänden, während sie Aveline umkreisen und es sich um eine größere Gruppe handelt.
Trotzdem bleiben die Auseinandersetzungen und auch die restliche Präsentation auf dem qualitativen Level der großen Vorbilder, sie sind schön in Szene gesetzt und Aveline, wie auch ihre Gegenspieler, sind die schönsten Charaktermodelle, die man derzeit auf der Vita findet (ja, sogar besser als in Uncharted:GA).
Weiterhin ist das Spiel ansonsten unglaublich detailreich für ein Handheld: Der Bayou sieht wirklich nach Subtropensumpf aus, mit üppigen Sträuchern neben toten Bäumen und dem (meiner Meinung nach) bisher schönsten Wasser-Dreck-Gemisch in einem PS Vita-Spiel. New Orleans ist für Vita-Verhältnisse wirklich groß, es laufen eine Menge NSC (Nicht-Spieler-Charaktere, darunter auch Tiere) herum und hauchen dem Spiel massenweise Atmosphäre und Leben ein. Die Texturen reichen von "akzeptabel" bis "wunderschön", positiv sind dabei vor allem die Fauna und Kleidung/Uniformen zu erwähnen.
Leider gilt auch hier wie bei einigen anderen Portierungen die Faustregel: Wenn's auf der PS3 flüssig läuft, muss es hier noch lange nicht laufen. Das merkt man an häufigen Nachlade-Rucklern und einem allgemeinen Stottern im Spielfluss, gerade in rechen-intensiven Szenen mit komplexeren Physikeffekten und KI-Berechnungen. Diese Ruckler stören aber meist dann erst wirklich, wenn man einen Kampf deswegen ordentlich versemmelt.
Der Sound geht in AC:Liberation weiterhin den Weg des zweischneidigen Schwertes: Umgebungs- und Kampfgeräusche sind klar und klingen realistisch. Manche Stimmen, Dialoge und vor allem die Musik dagegen klingen so, als seien sie unter Zeitdruck erstellt/aufgenommen worden, da hier die Qualität deutlich abnimmt und manchmal sogar unter die alte 128 kbit-MP3-Marke fällt. Die gesamte Abmischung widerrum erzeugt dann insgesamt ein sehr positives, weil stimmiges Bild.
Bei der Bedienung geht's ebenso weiter, denn die Umsetzung ist teils wirklich missraten. So müssen an einigen Stellen die Touchpads der Vita genutzt werden. Da beide aber in der Hitze des Gefechtes recht schwerfällig zu bedienen sind, ist gerade das oft ein Grund für den Besuch des letzten Kontrollpunktes. Ausserdem wird das Display schnell schmierig, denn wer reinigt sich vor jeder Touchpad-Berührung bitte die Finger?
Ausserdem versagt die Steuerung gerne dann, wenn es brenzlig wird, sowohl für den Spieler, als auch für die Performance. Soll heissen: Wenn's ruckelt, dann weiß AC:Liberation auch mit noch so präzisen Richtungs- und Tastenangaben nur sehr wenig anzufangen, bzw. setzt diese nur teilweise um.
Offene Welten und offene Arbeit.
Zum Umfang: Der ist für ein Handheld-Spiel sehr groß. Alleine die beiden Anfangsgebiete New Orleans und der Bayou sind nicht innerhalb von ein paar Minuten zu erkunden. Natürlich addiert sich wie bei jedem AC noch die Vertikale, d.h. es gibt nicht nur am Boden Dinge zu entdecken. Man kann Gegenstände wie Alligatoreneier, Voodoo-Puppen oder wertvolle Steine finden. Die Singleplayer-Kampagne umfasst dabei 10 sogenannte "Erinnerungen", welche die Hauptquests bilden. Es gibt sogar einen etwas anderen Multiplayer-Modus, welcher (ähnlich wie beim Brettspiel "Risiko") einen Globa-Domination-Modus bietet, auf dem Mann Heere aushebt und gegen die menschliche Konkurrenz schickt, um Gebiete für die jeweilige Gruppierung (Templer oder Assassinen) zu gewinnen. Die Handlung mag zwar tendenziell eher bescheiden und Mittel zum Zwecke sein (schade!
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