Das Folgende solte als eine Art Tagebuch aufgefasst werden, in dem ich versuchen werde, meine Erfahrungen mit Redshift zu schildern.
Als angehender Amateurastronom dachte ich mir, vor der Anschaffung des passenden Teleskopes erst einmal mit Hilfe einer geeigneten Software zu prüfen, was auf mich wartet am Sternenhimmel meines Standortes.
Auf einschlägigen Astronomieseiten im Internet auf Redshift 7 Premium aufmerksam und durch vollmundige Versprechen auf der Herstellerseite neugierig geworden, nenne ich das Produkt nun seit 04. September 2009 mein Eigen.
Verpackung und Inhalt:
Die Verpackung ist stabil und optisch ansprechend. Zum Inhalt zählen der eigentliche Datenträger im Jewelcase, ein kleiner Produktkatalog von United Soft Media, eine Karte zur Kundenregistrierung und ein Handbuch mit beachtlichen 360 Seiten Umfang. Ein Handbuch ist ja heutzutage in den seltensten Fällen vorzufinden. Gerade deshalb ist man erstaunt über einen solchen "Wälzer".
Ausgepackt und losgelegt:
Die Vorfreude wuchs. Die Installation (ich wählte die umfangreichste von 3 möglichen Varianten) verlief problemlos. Ebenso die automatische Registrierung bei bestehender Internetverbindung. Die Alternative hierzu wäre manuell (telefonisch) gewesen.
Reichlich 5 GB wurden auf die Festplatte geschaufelt. Das dauert je nach Rechner natürlich seine Zeit.
In meinem Fall war es ein System mit Core2Duo 6600, 2GB RAM, SATA HDD und Windows XP SP3, um nur die wichtigsten Eckdaten zu nennen.
Nach dem ersten Start habe ich mir brav die multimediale Einführung angesehen. Man will ja nichts wichtiges verpassen.
Der Film gibt jedoch genau das wieder, was man auch auf der Herstellerseite geboten bekommt. Also nichts Neues. Erste Enttäuschung.
Die zweite lies nicht lange auf sich warten. Um eine realitätsnahe Darstellung des Himmels am Monitor zu erreichen, sollte man natürlich seinen genauen Standort und die aktuelle Zeit eingeben.
Den Standort kann man entweder über die Redshift Weltkarte oder über eine Google Maps Schnittstelle verifizieren.
Die Redshift Karte ist hierbei völlig unzureichend, da nur Großstädte abgebildet werden. Wohnt man in einer eher ländlichen Gegend, kann man nur ratend das Fadenkreuz auf einen freien Fleck der Karte schieben.
Und die Google Maps Schnittstelle in Redschift 7 liefert bei Eingabe des Heimatortes andere Koordinaten als bei einer direkten Suche auf der Page von Google Maps. Was ist nun richtig? In meinem Fall betrug die Abweichung stolze 100 Km in Nord-Süd Richtung. Da bleibt einem dann nur der Griff zum Navi um damit hoffentlich die korrekten Koordinaten des Standortes festzustellen um sie dann manuell in Redshift einzugeben, was letztendlich gut funktioniert.
Ähnlich verhält es sich mit dem Abgleich der aktuellen Zeit. Wählt man das Kontrollkästchen "Systemzeit folgen" an, erwartet man als User, dass Redshift die aktuell angezeigte Zeit des benutzten PCs übernimmt. Unabhängig davon, ob gerade Sommer- oder Winterzeit herrscht. Der PC - sofern richtig eingestellt - zeigt ja die korrekte Zeit an. Hier irrt der Anwender jedoch. Erst durch manuelle Korrektur der Zeitzone und Änderung von Weltzeit auf Ortszeit brachte ich Redshift dazu "up to date" zu sein.
Die Assistenten zu Zeit und Standort sind zwar gut gemacht, behandeln aber zum einen eine "Zeitreise" ausgehend vom 21.05.2004 in London und zum anderen eine "Weltreise" in verschiedene Himmelsrichtungen, wiederum ausgehend von London. Für die fortgeschrittene Nutzung von Redshift bieten die beiden Assistenten u.U. einiges an Wissenswertem. Bei der Erstkonfiguration lassen sie den User aber im Stich.
Fortsetzung:
Ist man an unterschiedlichen Standorten "am Himmel unterwegs" ist die Erstellung unterschiedlicher Arbeitsbereiche eine nützliche Sache, um bei Bedarf "seinen Himmel" am nächsten Standort auf dem Monitor zu haben... gäbe es nicht immer wieder die Missverständnisse bei der Systemzeit und des Standortes...
Denn jeder Arbeitsbereich sollte ja mindestens einmal korrekt konfiguriert werden.
Hat man dies jedoch einmal geschafft und abgespeichert, wird man bei jedem Wechsel des Arbeitsbereiches mit einer Speicherabfrage überrascht; um nicht zu sagen: genervt. Warum sollte man etwas abspeichern, was nicht verändert wurde?
Raumsonden:
Es liegt in der Natur der Sache, dass die Bahndaten der ISS nur für einen begrenzten Zeitraum in die Zukunft vorliegen. Interessiert man sich für dieses Objekt, muß man natürlich von Zeit zu Zeit Updates der Bahndaten durchführen. Hierzu bietet Redshift eine Online Schnittstelle an. Schade allerdings, dass sich die Software bei der Durchführung eines Updates bzw. bei der anschließenden Aktualisierung der integrierten Datenbank kommentarlos "verabschiedet". Erst das Herunterladen und Installieren des Service Pack 1 für Redshift 7 schaffte hier Abhilfe.
Auf diesen Dreh muß man aber selbst kommen. Vom Hersteller wird man hier allein gelassen.
Der Softwareriese Microsoft macht es doch vor, dass es mit den Windows Updates auch anders geht.
Eine ähnliche Umsetzung der Updatfunktion wäre auch für Redshift wünschenswert, da so mancher User beim Auftreten dieses Problems (Absturz des Programms) unter Umständen die Flinte ins Korn wirft und sich nach einem anderen Produkt umsieht.
Fazit:
Redshift 7 ist durchaus ein nennenswertes Produkt auf diesem Gebiet. An vielen Stellen aber zu umständlich, ja sogar widersprüchlich zu konfigurieren. Den Kaufpreis halte ich nicht für gerechtfertigt.
Die integrierte Teleskopsteuerung konnte ich (noch) nicht testen, da ich immer noch kein Teleskop angeschafft habe.
Zu behaupten, dies läge einzig an den Erfahrungen mit Redshift 7, wäre allerdings unfair. :)