Ich schreibe selten Rezensionen, meist wenn etwas nicht funktioniert, oder die Qualität nicht so ist wie von einer Firma, oder Marke, erwartet. Auch diesmal habe ich das spannende Buch zu Ende gelesen, um im letzten Kapitel festzustellen wie schlecht es ist.
Ich hatte dieses (Un)Fair Trade zusammen mit fast allen anderen Büchern über Fairen Handel hier auf amazon bestellt. Viele sind aus der "Kirchen"-Ecke und mit Liedern, Gedichten und Texten über Aktionstage voll. Dieses hier ist mehr ein Wirtschaftspolitik-Thriller. Ein sehr spannendes Buch. Ich habe jede Seite gern gelesen. Doch die Spannung rührte auch daher, das ich immer erwartet habe etwas über Fairen Handel zu lesen. Nichts. Erst im letzten der vielen Kapitel geht es in einem Atemzug über die verschwindend geringe Bedeutung des Fairen Handels und die Machtlosigkeit angesichts der weiterhin übermächtigen Großkonzerne "Nestle, Unilever, etc.".
Da aber eine so stammtischniveauvolle Kritik am Fairen Handel nicht für sich stehen kann, gab es auch den Rat sich besser auf tragfähige Weltwirtschaftabkommen zu einigen, sollte man etwas ändern wollen an der Situation.
Aber wie realistisch ist denn das? Klar ist der Faire Handel aus einer unbedeutenden "Prozent"-Nische gekommen und ihr zum großen Teil noch nicht entwachsen. Aber die Bedeutung ist weder zu vernachlässigen, noch irrelevant. Siehe alle anderen Bücher und die "Fair-Handels"-Bestrebungen der Großkonzerne (Jacobs, Chiquita, McDonalds) mit ihren eigenen Pseudo-Siegeln "Rainforest Alliance, etc." Es bewegt sich was und auch diese Pseudo-Siegel bringen die Aufmerksamkeit auf die Missstände wenn auch so nicht beabsichtigt. Selbst "die EU" sagt dem Fairen Handel die größte Effizienz an der Änderung der Situation in den Drittweltländern zu. Effektivste Entwicklungspolitik. Fair handeln statt versprechen. Was die Weltbank und Andere nicht erreichen, hat der Faire Handel schon erreicht. Und gerade das schwache Fazit des Buchs soll sein, den "Weltbanken" zuzutrauen eine wirksame Entwicklungspolitik zu entwickeln? Als gäbe es nicht schon die traumhaften Millennium Development Goals oder die Paris Declaration oder andere Chartas, Agendas und Manifeste. Und was ist bewegt worden? Was hat sich in den letzten 15 Jahren dadurch geändert? Sollten wir wirklich auf eine bessere, handlungsfähige UN oder faire Weltbank warten die Verantwortung ablegen?
Also Alles in Allem ein journalistisch gut investigatives Buch es deckt die ganzen Verstrickungen des Handels auf aber über "greenwash", oder "whitewash", also Imagepolitur der Konzerne, oder auch den Fairen Handel, steht dort eigentlich kein Wort. Insofern nett zu lesen, aber der Titel, die Kurzbeschreibung und der Klappentext sollten sich vielleicht auch auf andere Kapitel als nur einige Sätze aus dem letzten, sehr schwachen Kapitel beziehen.