Deutschland im Herbst: Auch im Jahre 2011 denken selbst okay geschulte Spieleverticker und Bescheidwisser der Republik bestenfalls an "American Football", wenn Spieler sie nach dem "Football Manager" fragen. Und immer noch kennen die meisten deutschen Managerfans genau wie viele Spielejournalisten dieses Programm hier bestenfalls vom Hörensagen. Zeit, mit ein paar Gerüchten aufzuräumen. Zeit, dass sich was dreht. Zeit für "Football Manager 2012".
Gerücht: In diesem blöden Spiel gibt's ja nicht mal Originaldaten.
Wahrheit: Außer Wappen, Vereins- und Wettbewergslogos enthält das Spiel die wohl umfangreichste Datenbank,
die es in Fußballspielen gibt. Spieler, Vereinsmitarbeiter, Vereinslegenden und Funktionäre sind inklusive ihrer kompletten Lebensläufe und Verletzungshistorien, Persönlichkeitswerte und Verletzungsanfälligkeiten abgebildet. Wettbewerbe halten sich an reale Rahmenterminkalender: Freundschaftsspiele von Nationalteams finden im Spiel an dem Tag statt, an dem sie auch kurz vor Waldi's WM-Club als Highlightshow über die Mattscheibe flimmern. In Russland startet die Saison mit dem Kalenderjahr. In Holland sind die komplizierten Abstiegsregelungen mit implementiert.
Gerücht: Trotzdem, in Deutschland kann ich nur mit Fantasieclubs wie in "Abstoss 4" spielen.
Wahrheit: Alles, was dort oben steht, gilt für die deutschen Ligen ebenfalls. In Liga 3 müssen sich Manager
am Spieltag an die real existierenden U23-Kaderregeln halten, und den SV Hering Bremen gibt's vielleicht in
in Ehren ergrauten Spaßmanagern made in Germany; hier jedenfalls nicht.
Gerücht: In diesem Spiel gibt es nicht mal eine 3D-Simulation
Wahrheit: Es gibt nicht nur eine 3D-Simulation, sondern auch eine der ganz wenigen Fußballsimulationen,
die tatsächlich etwas taugen. Unabhängig von der gewählten Darstellungsform (Kommentar, 2D, 3D) simuliert
die Spielengine Fußball annähernd so, wie er ist: über 90 Minuten. Für alle Spiele und Wettbewerbe gleich. Und damit rund um die Welt jederzeit ansehbar, ob in der Afrika-Qualifikation zur WM 2014 oder das Spiel des Konkurrenten um den Aufstiegsplatz. All inclusive: Alle Möglichkeiten für Zeitspiel, Brechstangentaktik, Tempowechsel, Konterspiel, und Gegneranalyse, die in Papas Fußballmanager-Spielen noch nie drin waren. Und da bist heute nicht drin sind.
Gerücht: Ja, aber die Spieler kann ich doch in dieser Pixelgrafik nicht wirklich erkennen!
Wahrheit: Ja, es stimmt: Die Narbe von Ribery ist nicht im Lieferpaket enthalten. Aber noch wichtiger als Kosmetik ist halt "auf'm Platz": Sorgsam eingepflegte Attribute setzt die Spielengine momentan um, wie momentan kaum eine andere. Tempodribbler machen Per Mertesacker im Eins zu Eins nass, Arjen Robben verhält sich wegen eingepflegter "player preferred moves" so, wie man es von ihm kennt: Er dribbelt erst die Außenbahn schwindelig, zieht dann nach innen und schließt ab.
Gerücht: Toll, aber ich bin doch nur der Trainer, das ist doch langweilig!
Wahrheit: Football Manager simuliert den Teammanager nach englischem Vorbild, bei uns vergleichbar mit Felix Magath. Teammanager zoffen sich mit den Fans, die einem den Verkauf der Identifikationsfigur übelnehmen; sie argumentieren gegenüber dem Vorstand, wieso er das Stadion endlich der Stadt abkaufen soll ("Die Kosten, Freunde! Die Mietkosten!"); sie führen Psychokriege gegen gegnerische Manager und Spieler, die sich über Transfergerüchte verunsichern oder anstacheln lassen; sie spüren den Druck, wenn sich Vereinslegenden in der Presse fragen, ob sie der richtige Mann für ihren Job sind; sie ärgern sich über den Spielerberater ihres Starspielers, der zum Ausgleich für den geblockten Vereinswechsel einen deftigen Zuschlag auf den Vertrag des Starlets fordert; sie stellen Mitarbeiter ein und ihre Spieler am Spieltag auf, und hoffen, dass ihre Sechserabwehrkette in der Münchner Allianz Arena wenigstens solange hält, bis Arjen Robben sich zum ersten Mal ans Knie greift.
Langweilig? Das ist nicht langweilig. Das sind nur Gerüchte.