VORWORT:
Klar, in erster Linie sollte es bei einem Livekonzert um die Musik gehen. Bei diversen Rockfestivals der 60er und 70er Jahre kam man schließlich auch ohne Leinwände und Pyrotechnik aus. Nun muß man jedoch sagen das sich die Zeiten geändert haben. Die heutigen Konzerte großer Popacts verlassen sich aber leider all zu sehr auf Effektgewitter das man sich fragt ob es nicht auch reichen würde einfach nur die Musik zu hören.
Fairerweise muß man es U2 jedoch zu Gute heißen das Sie Ihre Instrumente perfekt beherrschen und als Band eine wirkliche Einheit bilden. Nur so verhindern sie bei diesem Konzert in Mexico City reine Effekthascherei.
Darüberhinaus hat Bonos Stimme mit Sicherheit auch bessere Abende erlebt.
Dennoch, was die bis dato teuerste Liveshow in der Geschichte angeht so ist POPMART noch die "musikalischste" Gigantomanie.
ZUR DVD:
Am Anfang ertönt die billige Hymne "Pop Muzik" der längst vergessen Band M. Während diesem Intro werden die Bandmitglieder, Hollywoodreif, von Bodyguards durch die Menschenmenge (70.000 Zuschauer!) bis hin zur Bühne geleitet. Bono markiert den Boxer, The Edge macht einen auf Cowboy, Larry Mullen ist "Cool" wie immer und Adam Clayton sieht merkwürdig aus mit seinem Helm und Mundschutz.
Als erster Song ertönt "Mofo", einer der wohl ungewöhnlichsten U2-Tracks. Ziemlich krasse Nummer die einem ins Gedächnis ruft das U2s damaliges Album POP ein Album war das polarisierte.
Doch neben den (damals) ungewohnten Klängen spielt die Band an diesem 3.12.1997 auch eine Menge Klassiker wie "Where The Streets Have No Name", "Pride", "Bullet The Blue Sky" oder auch "Desire".
Besonders musikalisch wird es vorallem wenn nur The Edge mit seiner goldenen Les Paul "Sunday Blood Sunday" vorträgt, alle Lichter ausgehen und das Publikum mitsingt - eine Szene die Gänsehaut garantíert.
Dann, eine kurze Pause und zu einem "Lemon"-Instrumental entsteigen vier, neu eingekleidete Popdandys einer überdimensionalen Zitrone. Ja Ja, Kitsch über Kitsch, Pomp ohne Grenzen - das waren U2 anno 1997. Genauso gewaltig geht es dann auch weiter. Eine tolle Version ihres Songs "Please", Batman-Erinnerungen mit "Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me" und, im Gedenken an den großartigen, damals "frisch" verstorbenen Michael Hutchence, der Song "One". "Schnief"
FAZIT:
Als dieses Konzert Ende 1998 auf Video erschien kaufte ich es mir sofort und war begeistert. Später legte ich mir noch das Sydney-Konzert der "ZOO-TV" Tour zu. Im Abstand von Zehn Jahren muß ich jedoch sagen das ich (obwohl größerer Fan des Albums ACHTUNG BABY!) diesen POPMART-Mitschnitt um Längen besser finde als das Sydney-Konzert. Zwar ist alles noch aufgeblasener als es fünf Jahre zuvor eh schon war, doch trotzdem ist POPMART, bei all dem Kitsch und Pomp die Gradwanderung zwischen Musikkonzert und Show-Overkill geglückt. Ich freue mich sehr über diesen Release auf DVD denn bisher gab es außer dem Video keine offizielle Veröffentlichung dieses Gigs.
Im Jahre 1997 endete für mich die Geschichte von U2. Zwei Dekaden hinweg erfanden Sie sich immer wieder aufs neue, was sowohl Ihre Alben als auch die Liveshows betraf. Seit dem Jahr 2000 kommen Sie mir jedoch immer mehr wie die Rolling Stones der nächsten Generation vor. Die Songs klingen immer mehr nach Format-Radio, die Shows werden zu reinen "Best Of" Veranstaltungen und die innovative Seite rückt immer mehr in den Hintergrund.
Abschließend bildet dieses Livedokument für mich das Ende von U2. Größer als wie hier waren sie nie wieder.