Das Debut war nett, das zweite Album schon großartig. Auf "Tyranny" vermögen "Shadow Gallery" tatsächlich sich nochmals zu steigern und liefern ein echtes Meisterwerk mit streckenweise genialen Anwandlungen ab. Daß Allman, Cadden-James & Co. offenbar auf die Bezeichnung "Konzeptalbum" nicht verzichten wollten, sei meinetwegen zugestanden, auch wenn meines Erachtens ein bloßer textlicher Zusammenhang, wie er hier vorliegt, dafür nicht ausreicht. Die Musik ist jedenfalls vom Feinsten. Während der relativ einfach gestrickte Opener "War For Sale" sich als einziger Track bereits nach einigen Durchläufen abnutzt, d.h. an Reiz verliert, legen die folgenden zwölf Nummern allesamt Zeugnis äußerst kreativer Songwriting-Sessions ab. Zwar zählen Shadow Gallery auch in technischer Hinsicht zu den Meistern ihres Fachs, die größte Stärke der Band sind aber eindeutig die grandios ausgearbeiteten Gesangsmelodien. "Out Of Nowhere", "Hope For Us?" oder das traumhaft schöne "Ghost Of A Chance" bieten keyboardlastigen Progrock der Güteklasse A. Die beiden absoluten Highlights liegen aber im epischen Bereich: Zum einen ist das "New World Order", das dank seines Spannungsverhältnisses zwischen Harmonie und furchteinflößender Stimmung eine unheimliche Intensität erreicht und durchaus als "1984"-Soundtrack vorstellbar wäre. Das symphonisch arrangierte "I Believe" mit Dream Theaters James LaBrie als Gastsänger ist dagegen ein wahres Feuerwerk verschiedenster, aufwendig zusammengeführter und ineinander gefügter Melodien. Aber auch dann, wenn Shadow Gallery weniger komplex zu Werke gehen und direkter zum Punkt kommen, büßen die Songs nicht an Charme ein ("Roads Of Thunder"). Nur den Instrumentals bzw. wenigen ausgedehnten Instrumentalparts fehlt es etwas an Ausdrucksstärke. Fazit: Ein fast durchgängig hochklassiges Album, das nicht nur in der Lage war, die Wartezeit zwischen zwei Dream-Theater-Alben zu verkürzen, sondern Shadow Gallery auch in der ersten Liga des Progrocks etabliert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)