Der Polizeichef von La Caleta, einem kleinen Ort an der amerikanischen Westküste, ist tot. Ben Orton war zu Lebzeiten ein aufrechter Amerikaner, ein strenger Ordnungshüter und ein mächtiger Mann, den viele Bewohner der Stadt fürchteten. Einer von ihnen hat sich gewehrt und Ben Orton den Schädel eingeschlagen. Ein unnatürlicher Tod, bei dem einmal mehr Versicherungsdetektiv Dave Brandstetter die Umstände aufklären soll. Schließlich hatte der Tote eine Lebensversicherung über 25.000 Dollar abgeschlossen.
Zunächst scheint alles klar: Orton wurde von dem stadtbekannten Schwulen-Aktivisten Cliff Kerlee ermordet. Kerlee hatte bei einer Demonstration und vor laufenden Fernsehkameras gedroht, den verhassten Polizeichef umzubringen, weil dieser keine Schwulen zur Polizei zulassen wollte. Doch Brandstetter kommen Zweifel: Bei seinen Ermittlungen trifft er auf eine ganze Reihe von Verdächtigen, denen der tyrannische Polizeichef das Leben schwer gemacht hat.
Zum Beispiel seiner eigenen Tochter Anita, die heimlich eine Ehe mit dem schwarzen Jurastudenten Lester Green eingegangen ist. Ihrem rassistischen Vater war der junge Mann ein Dorn im Auge, weshalb er ihn mit illegalen Tricks ins Gefängnis gebracht hat.
Auch Ortons Ehefrau gerät ins Visier von Brandstetter. Regelmäßig hat der Polizeichef seine Gattin mit jüngeren Frauen betrogen. Somit wäre Eifersucht als Motiv denkbar - doch ist Mrs. Orton auch kräftig genug ihrem Mann den Schädel einzuschlagen? Ein weiterer Tatverdächdiger ist Richard T. Nowell, besonnener Gegenspieler des verhafteten Kerlee. Nowell betreut in La Caleta ein Beratungszentrum für junge Schwule und ihre Eltern. Im sauberen Weltbild des toten Polizisten hatten Schwule genauso wenig Platz wie Linke, ehemalige Hippies oder heruntergekommene Maler.
In schwierigen Verhören versucht Brandstetter, die Wahrheit herauszufinden, trifft dabei auf so manches kleines und großes Geheimnis und - zu seiner eigenen Überraschung - auf die Liebe. Dass es dabei für den melancholischen Versicherungsdetektiv kein Happy End gibt, ist genauso klar wie am Ende die Überführung des wahren Täters.
In seinem vierten Brandstetter-Krimi schildert Joseph Hansen eindrucksvoll das vergiftete Klima in einer bigotten und miefigen amerikanischen Kleinstadt in den 70er Jahren. Auf Schritt und Tritt trifft sein eleganter Held Brandstetter auf Vorbehalte, Vorurteile und Rassismus. Obwohl desillusioniert, folgt Brandstetter seiner Aufgabe, den wahren Mörder zu finden.
Dies stellt Hansen auch klar in den Vordergrund seiner Geschichte. Zwar hat Brandstetter auch private Probleme zu bewältigen, wie etwa seinen todkranken Vater oder die brüchige Beziehung zu seinem Freund Doug - doch Hansen bleibt dabei dezent. Bei einigen modernen Krimiautoren ist es Mode geworden, das Privatleben ihrer Detektive oder Polizisten lang und breit auszuwalzen und dabei oft die Schmerzgrenze der Langeweile zu überschreiten. Nicht so bei Hansen: Ihm reichen kurze, treffsichere Andeutungen.
Überhaupt schreibt Hansen in seinem vierten Krimi noch prägnanter, noch knapper. Sein Stil gleicht oft einem Stakkato, abwechselnd mit einer traurigen Grundmelodie. Für seine komplexe und spannende Geschichte benötigt er gerade mal 185 Seiten - heutige Autoren würden das vielleicht auf 400 oder 500 Seiten breittreten. Auch in seinem vierten Brandstetter-Krimi zeigt sich Hansen als ein Meister der erzählerischen Dichte und Sparsamkeit.