Pressestimmen
Das 1988 erschienene Buch »typographie« von Otl Aicher war lange ausverkauft, gehört in seinem Bereich aber sicher zu einem der am stärksten diskutierten Werke. [...] In einem dem Reprint vorangestellten Text wird ein teilweise sehr gespanntes Verhältnis zwischen Auftraggeber und Aicher deutlich. So soll er zum Beispiel den Chef des berühmten Herstellers von Design-Türbeschlägen fsb nach Hause geschikt haben, damit dieser erstmal über sein Tun nachdenkt. Auch Gerd Bulthaup, Chef des berühmten Küchenherstellers musste erst selbst kochen lernen, mit Aicher durch halb Europa reisen um bekannte Köche zu besuchen und ein Buch »die kücche zum kochen« schreiben, bevor Aicher schließlich den Auftritt der Firma neu gestaltete. Sicher hat nicht jeder Auftraggeber einen solchen Aufwand mit sich treiben lassen. Aber sowohl für fsb als für bulthaup hat es sich gelohnt, da sich durch die Zusammenarbeit mit Aicher nicht nur ihr Werbeauftritt, sondern auch die ganze Firmenphilosophie geändert hat, was sie für lange Jahre zu den führenden Designmarken in ihrem Bereich machte. Otl Aicher starb 1991 an den Folgen eines Verkehrsunfalls. --
Publishing Praxis, März/April 2006Otl Aicher gehört zweifelsfrei zu den ganz großen Gestaltern. Spätestens seit den Olympischen Spielen 1972, deren Erscheinungsbild er kreierte, hat seine Arbeit ein Höchstmaß an Popularität gewonnen. Als Mitbegründer und späterer Rektor der Ulmer Schule schrieb er Designgeschichte. Sein Wirken für Marken wie Braun, Erco und die Lufthansa setzte Maßstäbe, die bis heute Gültigkeit haben. Es war lange Zeit schwer, sich nicht an Vorbildern wie Aicher zu orientieren. Das hatte sich dann drastisch geändert. Andere Protagonisten moderner Typographie gerieten in den Focus angesagter Gestaltung. Nur unverbesserlich Puristen hielten an denn klassischen" Vorgaben fest. Freistil war fortan angesagt. Da schein es wie ein wichtiger Impuls zu wirken wenn jetzt ein Reprint von Otl Aichers Grundlagenwerk typographie" vorgelegt wird. Das Sehen und Verstehen verschmelzen darin didaktisch zu besonderer Wirkungsweise. Die radikal durchgezogene Kleinschreibung der deutschen Texte ist - aus heutiger Sicht - extrem gewöhnungsbedürftig. Eins zu eins ist die in diesem Buch dokumentierte Typo-Philosophie von Otl Aicher heutzutage wohl kaum noch anwendbar. Die Substanz der hintergründigen Gedanken macht den Wert dieses Buches aus. Falsch wäre es, daraus Patentrezepte abzuleiten. Vorbildlich bleiben die handwerkliche Klarheit und der logische intellektuelle Ansatz der Aicher'schen Lehre. Das muss Inspiration und den Mut zur Andersartigkeit nicht bremsen, vermag aber aus dem gefährlichen Chaos mangelnder gestalterischer Bodenhaftung heraushelfen. Aicher bietet immer noch eine inspirierende Basis für gestalterische Höhenflüge. --
Designer Digest, 069/2006