Schon der Untertitel "Über Ticks und Tugenden der Teutonen" macht neugierig und zeugt vom Wortwitz der Autorin. In 26 Interviews schildern in Bremen lebende Ausländer, wie sie uns Deutsche sehen, was sie an uns mögen und was sie irritiert.
Als Leser bekommen wir einen Spiegel vorgehalten, der mal schmeichlerisch, mal kritisch, aber nie verletzend und fast immer amüsant ist. "Typisch deutsch" ist kein Knigge und kein Buch über "Manieren", das uns in irgendeiner Weise gängelt. Gleichwohl hält es uns an, über Alltäglichkeiten, Dinge, die wir so und nicht anders machen, nachzudenken. Auch wird uns klar, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt. Was die US-Amerikanerin stört, empfindet die Japanerin als völlig angemessen.
Für jeden, der Freude daran hat, Dinge mit anderen Augen zu sehen oder anders zu machen, ist das Büchlein eine kleine Schatzkammer. Dabei spielt es m.E. keine Rolle, dass Molkewehrum ihre Interviews ausschließlich in Bremen geführt hat. Als Wahl-Franke habe ich den Eindruck, dass die meisten Schilderungen nicht nur auf Norddeutsche zutreffen, sondern eben "typisch deutsch" sind. So wird sich der Rheinländer, der gewiss mit einer überdurchschnittlichen Portion guter Laune gesegnet ist, bei der Beschreibung so mancher Alltagssituation genauso ertappt fühlen wie der Schwabe.
Und last but not least erfahren wir Interessantes über Verhaltensweisen und Bräuche anderer Länder. Wer gerne reist und Wert darauf legt, sich anderswo nicht mit einer Hoppla-hier-komme-ich"-Mentalität breit zu machen, findet hier viel Anregendes. In jedem Fall ist Molkewehrum ein Buch gelungen, dass mehr ist als nur vergnügliche Urlaubslektüre.