Professor Gelfert, einschlägig Interessierten längst durch seine Bücher über die Briten, ihre Geschichte, Literatur und ihren Humor bekannt, nimmt sich in diesem Band der amerikanischen 'Seele' an. In einem wunderbar klar und vorurteilsfrei argumentierten Buch kommt er zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen und beantwortet zahlreiche Fragen zur amerikanischen Gesellschaft. Warum etwa gibt es in Amerika nicht die für Europa so typische Idee des Sozialstaats? Wie passen die Freizügigkeit amerikanischer Medien und Subkulturen mit der allgemeinen Prüderie zusammen? Warum wird in amerikanischen Gruselfilmen -- ebenso wie in der Politik -- das Böse so gerne personifiziert? Gelfert schafft es, mit einem Minimum an akademischem Jargon diese und viele andere Fragen aus der amerikanischen Geschichte heraus zu beantworten. Dazu nimmt er sich im ersten Teil des Buches zentrale 'Amerikanische Mythen' vor ("Pursuit of happiness", "Frontier", "Innocence", "Land of Plenty", "Success" etc.), verknüpft diese mit Charakteristika der amerikanischen Populärkultur (zweiter Teil des Buches) und erklärt dann, in einem eigenen großen Abschnitt, die für Europäer oft so bizarr anmutenden amerikanischen Paradoxien: "Freiheitsliebe und moralischer Rigorismus", "Gleichheit der Ungleichen", "Individualisten mit Gemeinsinn", "Weltpolizei mit Neigung zum Isolationismus" und so weiter. Doch Gelfert beläßt es nicht bei der Auflistung solcher Paradoxien, sondern geht tiefer und verknüpft diese zu einem Gesamtbild der amerikanischen Seele, wie es so überzeugend selten zuvor geleistet wurde! Keine Frage, das Buch verdient fünf (oder mehr) Sterne und sollte bei jedem auch nur entfernt an Amerika Interessierten auf dem Bücherbrett stehen.