Die Story:
Nachdem wir Zeuge eines unschönen "Vorfalls" wurden, landen wir etwas unsanft auf der "Wandering Wrath", dem Schiff des für seine Grausamkeit berüchtigten Käpt'n Teal. Von ihm werden wir mit der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz beauftragt, vom dem die alten Schriften sagen, dass "derjenige, der ihn findet, das erlangt, was er am meisten begehrt." Der zweite Auftrag, der mit dem ersten in Verbindung zu stehen scheint, besteht aus einem Gespräch mit einer zwielichtigen Frau. Leichter gesagt als getan, denn Maren, die schöne Schamanin, scheint nicht nur ein Geheimnis zu hüten. Und da wäre immer noch die "Flying Fortress", das fliegende Schiff am Horizont, vor dessen Fluch der Großteil der Piratenmannschaft geflohen ist. Das Abenteuer kann beginnen!
Die Quests:
Ganz ohne Pathos kann man wohl sagen, dass sich die Entwickler selbst übertroffen haben: Während es im Hauptspiel von Two Worlds II zwar weitestgehend überaus gelungene Quests gab, fehlte doch das ein oder andere Mal die nötige Spannung und Fantasie. Im AddOn erleben wir in den Hauptquests einige unvorhersehbare Wendungen: Wir helfen bei einer Seelenvereinigung, suchen nach einer dreiteiligen gläsernen Karte und tauchen sogar ein in das Unterbewusstsein eines verschollenen Kartographen.
Die Nebenquests reichen von schräg, über gruselig bis hin zu fesselnd. So dürfen wir die Aufgaben eines antaloorianischen Weihnachtsmanns, inklusive Outfit und - nun ja - "Rentieren" erledigen, eine Urne zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort transportieren, auf einer Organtauschbörse für Untote teilnehmen, einen Basilisken, dessen Blick jedes Lebewesen versteinert, besiegen oder einen Varn trainieren, um nur wenige der vielen abwechslungsreichen Nebenquests zu nennen.
Die Charaktere:
Hier herrscht ein hoher Wiedererkennungswert. Die Charaktere sind prägnant und - im positiven Sinne - eigen. Die Synchronsprecher überzeugen bis in die Nebenrollen und verschmelzen mit den markanten Gesichtern, die in "Pirates of the Flying Fortress" - dank einer neuen Kameraführung sowie deutlich verbesserten Grafik - sehr gut zur Geltung kommen.
Neben den Antagonisten gibt es einige interessante Nebenrollen, wie z.B. den kannibalistischen Baum oder die - ähm - Kiste. Ganz besonders sollten Sie sich auf Weaver, "ein Freund, ein Albtraum, ein Silberstreif am Horizont", freuen, der Ihnen im letzten Abschnitt zur Seite steht. Chapeau für diesen genialen, überaus amüsanten Einfall! (Ich wüsste zu gerne, wer hier als Synchronsprecher gedient hat...)
Überhaupt sollte erwähnt werden, dass der Humor nicht zu kurz kommt: Situationskomik und pointierte Sprüche werden immer wieder eingestreut. ("Verschaff dir den Reschpekt von der Mannschaft!" "Und wie verschafft man sich den 'Reschpekt'?" "Hascht du'n Sprachfehler?" oder "Hat hier jemand eine Identitätskrise? Solltest du nicht eigentlich ein Drache sein?"
Die Landschaft:
Tatsächlich gibt es vier Inseln, die sich - zugegeben - in ihrer Flora und Fauna ähneln. Dennoch sind es malerische Wälder, urige verlassene (oder auch bewohnte) Häuser, ausladende Dungeons sowie ein, genauer gesagt: zwei detailverliebte Schiffe, die für Atmosphäre sorgen. Auch hier greift die neue Grafik: Die Umgebung wirkt weniger "kantig", die Lichtreflexe kommen wunderbar zur Geltung, die Szenerie wirkt klar und "in sich stimmig".
Das Spiel allgemein:
Auch ich war nostalgisch und habe meinen bereits geskillten und "altbewährten" Helden gewählt - nur um bald darauf mit einem neuen "Reisenden" zu starten. Mittlerweile kann ich diese Wahl nur weiterempfehlen.
Viele Skills, insbesondere die Assassinen-Skills (vom Schlösserknacken einmal abgesehen), sind für das AddOn vollkommen überflüssig: So werden Sie beispielsweise im gesamten Spiel keinen Taschendiebstahl oder gar einen Meuchelmord begehen können. Dafür sollten sogar die Krieger unter Ihnen ein wenig Erfahrung mit dem Bogen haben, da es auf den Inseln von wirklich gemeinen, giftigen Pflanzen nur so wimmelt.
Was die Optik betrifft, so gibt es nicht nur bei dem "Erbauen" des Helden einige neue Möglichkeiten, wie etwa zusätzliche Optionen in Bartwuchs oder Frisur, auch die neue Rüstung, mit der man (als Krieger) startet, macht - finde ich jedenfalls - einen schönen optischen Eindruck, ganz im Gegensatz zu den oftmals kitschig bunten, mit Glanz überzogenen Rüstungen aus dem Hauptspiel. Wer allerdings darauf hofft, besagte Rüstung im AddOn kaufen zu können, der hofft vergeblich. Jene (bereits aufgewertete und mit Kristallen versehene) Rüstung findet nur noch einen Nachfolger im Spiel, welchen man sich wiederum hart erkämpfen muss.
Zudem ist der "neue" Held gut versorgt: die richtige Menge an Auras, Ausrüstung sowie Rohmaterialien ist bereits vorhanden. Wer umskillen möchte, findet gleich zu Beginn einen relativ günstigen Seelenmeister - auch hier zeigt sich, wie durchdacht das AddOn ausgefallen ist. Hinzu kommt, dass der Levelaufstieg weder zu schnell noch zu langsam verläuft, was bei der Dauer des Spiels (bei mir waren es 16 Stunden) von großem Vorteil ist.
An Waffen findet man erwartungsgemäß nicht allzu viele neue Sorten, dafür sind sie überaus "Piraten-like". Leider stehen wir hier vor demselben Problem, wie schon bei den Rüstungen: Den "Olurumschlächter", das stärkste Einhandschwert, kann man beispielsweise bereits mit Level 51 spielen - finden wird man es aber erst einige Level später, da es, ebenso wie die Äxte, Bögen oder Stäbe mit der größten Schadenswirkung, nicht käuflich und nur als Kampfesbeute zu erhalten ist. Doch das Warten lohnt sich, also verarbeiten Sie die wertvollen Rohmaterialien nicht zu früh!
Die neuen Gegner sind teilweise wirklich garstig. Um zwei Beispiele zu nennen: Da gibt es die Olurum-Hexenmeister, die nicht nur mit Kisten und Fässern, sondern sogar mit bereits getöteten Gegnern oder Felsbrocken um sich schleudern können, oder Elementargeister, die scheinbar aus dem Nichts feuern und, nicht immer sofort erkennbar, in der Luft schweben. Die Kämpfe sind ausgefeilt: So ziehen sich die hominiden Gegner zurück, sobald sie zu schwer verwundet wurden, um aus der Ferne zu attackieren. Andere Boss-Gegner haben eine Schutzaura oder bedienen sich an Altären, um ihre Lebensenergie wieder aufzufrischen.
Die Aussage, dass sich manche Gegner immer noch stupide in den Rücken hämmern ließen, kann ich nicht bestätigen.
Das Segeln ist dank der Automatikversion wesentlich angenehmer, auch wenn man des Öfteren glaubt, der Wind würde mit böswilliger Absicht aus der Richtung kommen, die man gerade ansteuern will. Hierbei werden sicherlich viele auf entsprechende "Über-das-Wasser-Gehen-Tränke" oder das schlichte Schwimmen zurückgreifen, was übrigens bei jeder Inselentfernung möglich ist. Nichtsdestotrotz ist es ebenso ein unterhaltsamer Zeitvertreib wie das Reiten (s.u.).
Und wo wir gerade beim Thema Segeln sind: Hier zeigt sich auch der scheinbar einzige Bug im Spiel, denn das Boot hat die nette Angewohnheit nach längerer Abwesenheit des Helden einfach zu verschwinden. Möglicherweise herrscht manchmal ein extrem hoher Wellengang, denn auch das "Parken" auf dem Festland verschafft keine Abhilfe. Wer dennoch nicht auf sein Boot verzichten möchte, sollte sich den Cheat eq_boat_01 merken.
Kritikpunkte:
Über die Rüstungen für Pferde (gesprochen wurde stets im Plural) sowie über den Wetterwechsel wurde im Vorfeld viel gesprochen. Tatsache ist, dass man nur ein Pferd auf einer (!) Insel mit nur einer Rüstung reiten kann. Schlimm ist das eigentlich nicht, denn das Reiten ist keine lohnenswerte Sache, obwohl es mit dem neu kreierten, sehr realitätsnahen Pferd sicherlich nicht nur Spielern, die auch außerhalb der virtuellen Welt reiten, Spaß machen wird. Dennoch tummeln sich nicht nur in den Wäldern zu viele Feinde, es gibt auch genügend Teleports und einige Strecken sind zu Fuß einfach leichter zu bewältigen. Für mich gehört das Reiten zwar definitiv zu Two Worlds II dazu - wirklich von Nutzen ist es jedoch nicht.
Das Problem mit dem Sound wurde bereits angesprochen: Leider sind die Dialoge via Kopfhörer/Headset nur sehr schwer zu verstehen. Erhöht man den Pegel und schaltet nicht rechtzeitig um, zuckt man dank der nun völlig übersteuerten Nebengeräusche zusammen. Die optimale Lösung hat mein Vor-Rezensent Stefan Scholz "Stefan71242" bereits treffend beschrieben.
Wäre da noch der hoch angepriesene Wetterwechsel. Nun - es regnet zwischendurch. Ach ja, und donnern tut es gleichzeitig auch. Habe ich etwas vergessen? Nein. Sicherlich geht es hierbei um eine Frage des Geschmacks, von daher kann ich nur für mich sprechen: Mich hat dieser plötzlich eintretende Wetterumschwung, der ebenso abrupt und (glücklicherweise) schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist, nur genervt. Gerade noch strahlender Sonnenschein und dann eine zweite Sintflut? Das muss nicht unbedingt sein.
Diese wenigen, eher kleinen Kritikpunkte fallen allerdings nicht ins Gewicht.
Fazit: Eine fesselnde Story, spannende, teils skurrile Quests, interessante Charaktere mit einer tollen Vertonung (großes Kompliment an die Synchronsprecher), äußerst detailverliebte Locations und gute Kampfszenarios.
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