Kansas' erstes Livealbum "Two For The Show" ist 1977 und 1978 mitgeschnitten worden und vereint die gesamte Bühnenmagie der US-Progrock-Veteranen, die über Jahrzehnte ein enormes Live-Pensum absolviert haben und auch immer eine "Live-Band" waren. Es ist die einzige offizielle Live-Aufnahme, bei der auch Hauptsongschreiber und Gitarrist Kerry Livgren und Original-Bassist Dave Hope noch mit dabei waren. Alle großen "Hits" hatte die Band zu jener Zeit bereits geschrieben. Und da auch die revolutionärsten Prog-Epen schon existierten und in die Songauswahl einflossen, gilt "Two For The Show" für viele "Wheatheads" bis heute als DAS einzig wahre und nicht zu übertreffende Kansas-Livedokument. Und tatsächlich ist das Gitarren-Zusammenspiel von Livgren und Rich Williams in dieser ursprünglichen Form nie 100-prozentig zu ersetzen gewesen. Und auch Steve Walsh, einer der besten Rocksänger, vielleicht DER beste aller Zeiten, zaubert in seinen jungen Jahren mit einer derart intensiv emotionalen, kraftvollen Stimme, dass einem bei Stücken wie dem Pracht-Epos THE WALL vor Glück die Tränen kommen könnten. Auch die langen Duett-Passagen zusammen mit Robby Steinhardt bei PORTRAIT (HE KNEW) sind bestechend präzise und gehen richtig unter die Haut. Auf der Speisekarte stehen die sehr bekannten, immer wieder bestens bekömmlichen Häppchen POINT OF KNOW RETURN, CARRY ON WAYWARD SON und die legendäre Ballade DUST IN THE WIND, die unter Fans sehr beliebten Hymnen PARADOX und ICARUS - BORNE ON THE WINGS OF STEEL, aber auch allerhand mehrgängige Festtagsmenüs aus der ganz großen Prog-Küche. So wird MAGNUM OPUS vom "Leftoverture"-Album mitsamt aller Instrumentalpassagen komplett am Stück gereicht - später gab es hiervon meist nur noch den Hauptgang "Howling At The Moon". Allein das ist schon den Kauf Wert. Dann wären da natürlich noch der Klassiker-Longtrack SONG FOR AMERICA und JOURNEY FROM MARIABRONN, das mit seinen vertrackten Instrumentalpassagen und anspruchsvollen Rhythmus- und Tempowechseln auch heute noch bei Prog-Fans jüngerer Generationen, die Dream Theater, Spock's Beard & Co. lieben, für offen stehende Münder sorgen sollte. Dass die Live-Aufnahme wie viele ältere Gig-Mitschnitte daran krankt, dass das Publikum nur mal zwischen den Songs beigemischt wird, verzeiht man dank der technisch hochklassigen Gesamtdarbietung und des auch für heutige Verhältnisse noch sehr anständigen Sounds. Diese knapp 80 Minuten bieten sich auch hervorragend als Best of an. Dass keine Phase der Band die Musik von Kansas mehr geprägt hat als jene, die "Two For The Show" zusammenfasst, zeigte sich wieder auf der Welttournee zum 30-jährigen Jubiläum, als Kansas auch in Deutschland Station machten. Die Setlist unterschied sich kaum von der Auswahl auf diesem Livealbum - und so gut wie nie spielten sie überhaupt einen Song, der jüngeren Datums als das "Two For The Show"-Material war. Wer schon die LP hatte, wird "Closet Chronicles" vermissen, das nicht mehr auf die CD gepasst hat. Trotzdem eine unentbehrliche Anschaffung!