Technopop mit 80er-Einschlag: Nach acht Jahren legen Miss Kittin & The Hacker mit "TWO" einen würdigen Nachfolger ihres Debüts vor.
Viel Aufmerksamkeit erhaschten Miss Kittin & The Hacker 2001 mit ihrem ersten Album „First Album“, die Single „Frank Sinatra“ wurde sogar ein veritabler Chartshit. Ungewöhnlich für zwei Techno-DJ’s, doch die Mischung stimmte einfach: 80ies-lastiger Techno mit süßer Französinnenstimme und reichlich Bezügen zu bekannten Synthiepop-Bands wie New Order und Depeche Mode.
Auch auf ihrem nun erscheinenden zweiten Streich verfolgen sie dieses Konzept weiter, allerdings mit ein paar Veränderungen im Detail. „Ich denke das neue Album ist ein bisschen erwachsener als das erste. Wir sind ja auch älter geworden in diesen acht Jahren. Es geht mehr um persönliche Themen. Unser erstes Album war noch sehr ironisch, dieses ist ein bisschen ernster. Was aber auf keinen Fall bedeutet, dass es langweilig wäre!!“, erklärt Michel Amato, a. k. a. The Hacker.
Mit „The Womb“ beginnt das Album in ordentlichem Synthesizer-Blubbern und dazugehörigen Sinuswellen-Schwingungen, um gleich darauf in einen harten Techno-Beat zu wechseln. Immer wieder tauchen kleine Sound-Frickeleien aus den Beats hervor, generell wirken die Tracks auf „TWO“ ein wenig verspielter als noch auf dem Debüt, was der Platte sehr gut tut, sie facettenreicher macht.
Miss Kittin hatte in der Vergangenheit schon mit anderen DJ’s wie Felix Da Housecat oder T.Raumschmiere kollaboriert, dennoch ist es nirgends so stimmig wie mit The Hacker. Woran das liegt? „Die Chemie zwischen uns ist einfach einzigartig, das kann man nicht mit jemand anderem erstetzen. Ich bin sehr froh, dass ich ihn gefunden habe und mich an seiner Seite weiterentwickeln durfte.“, erläutert Caroline Hervé, a. k. a. Miss Kittin, ihre weit zurückreichende Beziehung.
Die beiden trafen sich in den frühen 90ern bei einem Rave in Grenoble. „Wir lernten uns in einem Club dort kennen, wir kommen beide aus der selben Stadt. Caroline und ich waren die einzigen aus unserem Freundeskreis, die sich damals für Techno interessierten.“, sagt Amato. Beide fassten daraufhin den Entschluss, DJ's zu werden. Bald arbeiteten sie auch gemeinsam an Tracks. Ein jüngstes erfolgreiches Beispiel die Single „Suspicious Minds“. Eine Elvis-Coverversion, die sicher bald auf vielen Indie-Disko-Plattentellern rotieren wird.
Viele Innovationen findet man dahingehend auf dem neuen Album nicht, doch hatte man solche von diesem Duo auch nicht erwartet. Das liegt wohl auch an den Bands, die The Hacker schon als Jugendlichen beeinflussten: „Ich begann mich für elektronische Musik zu interessieren, als ich mit 13 oder 14 Jahren Bands wie Depeche Mode, New Order und Kraftwerk entdeckte. Ich hab mich sofort mit ihrem Sound identifiziert. Das war 1985, sozusagen der Startpunkt meiner Musik-Karriere.“, erklärt Amato weiter.
Und so ist es kein Wunder, das auch „TWO“ diese Einflüsse verarbeitet. 90er Techno wird mit Wavepop-Einschlag aufgepeppt, die Tracks sind gut verdaulich und tanzbar. Eine Elektroplatte für Technojünger und Fans der ersten Scheibe. Auch Elektro-Neulinge könnten aufgrund der etwas organischeren Produktion an der Mischung Gefallen finden.
Arne Hirsemann
Miss Kittin (Caroline Hervé) & The Hacker (Michel Amato) - für sich betrachtet sind sie schon beeindruckend als Autoren, Musiker, DJs und Produzenten. Unschlagbar sind sie zusammen, als Duo. Mit „Two“ gehen sie erstmals seit ihrem herausragenden Klassiker „First Album“ (35.000 verkaufter Einheiten weltweit) wieder gemeinsame Wege. Im Jahr 2001 erschien das erste Album der beiden auf International Deejay Gigolos und avancierte zum Meilenstein jener Post-Rave-Generation, die unter dem Stichwort Electro Clash die Titelseiten der Musik- und Fashion-Magazine weltweit eroberte. Miss Kittin & The Hacker haben mit ihrem zweiten Album „Two“ nicht nur neue Wege eingeschlagen, sondern durch Neugestaltung ihrer vielfältigen musikalischen Einflüsse einen eigenen cluborientierten Cyberpop geformt.