Seit Maryanne Becker und Anke Höhl-Kayer muss ich zugeben, dass sich Lyrik manchmal ganz angenehm lesen lässt. Gelegentlich lese ich Gedichte inzwischen sehr gerne. Aus diesem Grund überlegte ich nicht lange, als von BoD eine Email kam, in der dieses Werk vorgestellt und zur Rezension angeboten wurde.
Das Buch umfasst Gedichte aus dem zweiten Twitter Lyrik Wettbewerb. Jedes Gedicht ist nicht länger als 140 Zeichen. In meinen Ohren klang dies sehr vielversprechend.
Der Einstieg in die Welt der Twitter Lyrik beginnt mit einer ausführlichen Vorstellung der Gewinner, der Entscheidung der Jury und Interview mit den Gewinnern. Danach wird erklärt, wie sich das Buch aufbaut. Ein Inhaltsverzeichnis über die verschiedenen Bereiche befindet sich am Ende des Buches.
Manche Gedichte werden auf einer einzelnen Seite und in fetter Schrift hervorgehoben. Andere Gedichte teilen sich eine Seite mit vielen weiteren Gedichte. Der Hintergrund für diese räumliche Teilung ist, dass die besonders guten Gedichte dadurch deutlich aus der Masse hervorstechen. Im Buch wurden alle 210 eingereichten Gedichte, welche die Teilnahmebedinungen erfüllt haben, veröffentlicht.
Dadurch ist es zwar sehr übersichtlich, aber ich persönlich hätte es anders geregelt. Die hervorgehobenen Gedichte, welche die Jury als interessant und gelungen eingestuft hat, sind im meinen Augen wirklich löblich. Die anderen Gedichte sind teilweise wirklich 'Müll'. Die Idee alle zu veröffentlichen gibt allen Teilnehmern die Möglichkeit, sich einmal in einem Buch zu befinden. Von diesem Aspekt her ist es gut überlegt. Auf der anderen Seite, was nützt es, wenn Gedichte verwendet werden, die total unverständlich sind. Lyrik soll für mich etwas zum Ausdruck bringen, was bei den guten Gedichten der Fall ist. Aber gerade bei den kleinen Gedichten habe ich viele Leute gefragt, ob sie mir das erklären könnten. Niemand hat den teilweise unverständlichen Text bei manchen Gedichten verstanden. Es muss ja nicht immer auf den ersten Blick schlüssig sein, aber wenn man zwei oder drei Mal liest und es noch immer keinen Sinn ergibt und nicht mal schön klingt, habe ich davon nicht viel. Hier kann man einen Vergleich zu der Sendung DSDS ziehen. Wie bei DSDS zeigt sich: Nicht jeder hat Talent. Die Wenigen, die aber Talent haben, sollten jedoch gefördert werden. Daher hätte ich es besser gefunden, wenn auch nur diese Talente einen Platz im Buch gefunden hätten. Zwar hätte das Werk anschließen statt 157 Seiten nur noch 100 Seiten, aber dafür erstklassige Lyrik. Nur so werden auch viele ermutigt, die keinerlei Talent haben und reden sich ein, dass sie gut sind, da sie sich in einem Buch befinden.
Gelesen habe ich dieses Lyrik-Werk an fünf Tagen. Ich habe mir extra Zeit gelassen, um auch die schweren und unverständlichen Ergüsse nachvollziehen zu können.
Empfehlen kann ich das Buch, wer kurze, teilweise klasse Gedichte lesen möchte. Im Buch sind viele Highlights versteckt.
===Bewertung===
Von mir bekommt das Buch drei Sterne. Die guten Gedichte an sich verdienen fünf Sterne. Da ich aber das gesamte Werk bewerten muss, gibt es für die nicht notwendigen schlechten Gedichte nur drei Sterne.