Aus der Amazon.de-Redaktion
Das Trio des Bassisten heisst Azul. Carlos Bica ist Portugiese, Frank Möbus ist Gitarrist. Gemeinsam haben sie die Azul-CD
Twist produziert, die bereits im Sommer '98 im heißen Lissabon aufgenommen wurde. Der Titelsong ist eine leicht hysterische Garagensoundnummer, die nach einer schnellen Entscheidung verlangt -- mag ich, mag ich nicht. Vielleicht haben diese Musiker vor zehn Jahren viel Tom Waits gehört, vielleicht verstehen sie sich auch nur ganz gut auf Täuschung und Ausnahmen. Denn im Epizentrum dieser Bass-Gitarren-Schlagzeug-Band klingen Melodien, die nach Weltschmerz duften.
Bicas oft gestrichene Melodieführung wird von den anderen beiden -- der dritte ist der New Yorker Schlagzeuger Jim Black -- regelmäßig gebrochen, ein einfaches Konzept aber wirkungsvoll. Die Bilder, die so entstehen, mischen sich zu einer Art Soundtrack, nur das die zu Grunde liegende Geschichte einen sehr ungewissen Ausgang hat. Nicht dass die Industrieblende für Bica neu erfunden werden müsste, allein es fehlt der klare Schluss. Bica beabsichtigt so, das ungesagt Gebliebene bewusst zu machen. Musikalisch lässt er sich von den Liedern seiner Kindheit inspirieren, er wühlt sich durchs Repertoire der portugiesischen Folklore, kehrt Liedmaterial aus dem 16. Jahrhundert hervor, "Ay! Linda amiga", und verramscht "Tea For Two" als wär's ein letzter Promo-Song für einen verarmten Vorstadtzoo. Schon auf der 1997 beim Berliner traumton-Label erschienenen Bica CD Azul hatte es eine Version dieses Evergreens gegeben, auf Twist wird "Tea For Two" jetzt an der GEMA vorbeigemogelt und nach diversen Pausennummern als Track 20 am Ende der CD versteckt -- im Booklet sind aber nur elf Titel gelistet. --Christian Broecking