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Obwohl die Serie von Anfang an von Kritikern gefeiert wurde und praktisch sofort auf eine eingefleischte Fangemeinde zurückgreifen konnte (die beinahe hysterisch jede neue Folge herbeisehnte), blieb der Serie der große kommerzielle Erfolg versagt. Sowohl in den USA als auch in Deutschland tat man sich bei den ausstrahlenden Sendern schwer Twin Peaks einzuordnen und entsprechend zu programmieren. Dieser Umstand und die für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Struktur der Serie, führten schließlich zum vorzeitigen Aus nach nur 2 Staffeln. Im Rückblick kann man Twin Peaks zweifelsohne zu den einflussreichsten Fernsehserien aller Zeiten zählen und nach vielen langen Jahren des Wartens ist nun endlich auch die zweite Staffel auf DVD erhältlich.
Hauptdarsteller der Geschichte ist eine kleine, verschlafene Stadt im äußersten amerikanischen Nordwesten. Als eines Tages die Leiche von Laura Palmer (Sheryl Lee) am Flußufer gefunden wird, dringt von außen der Protagonist der Serie in Erscheinung. FBI-Agent Cooper (Kyle MacLachlan) wird uns, den Zuschauer, bei der Hand nehmen und durch die nächsten 14 Tage führen. Er ist mit der Aufklärung des Mordes befasst und durch seine Augen lernen wir die Stadt und ihre Einwohner kennen. Diese zunächst skurrile, schon bald jedoch zunehmend beunruhigende Reise, führt uns tief in einen undurchschaubaren Sumpf aus Intrigen und Geheimnissen, bis wir auf dem Boden menschlicher Abgründe angelangen.
Die Faszination, die von Twin Peaks ausgeht, lässt sich schwer beschreiben. Es beginnt bei der Struktur. Jede Episode beschreibt einen Tag in der chronologischen Schilderung der Aufklärung des Mordes an Laura Palmer. Dabei fungiert der Mord, und damit auch der gesamte Krimiplot, jedoch als klassischer McGuffin, dient also nur einem höher geordneten Ziel. Es geht um die Zustandsbeschreibung einer Stadt, einem organischen Gebilde also, und dem was sich unter der Oberfläche, hinter dem sichtbaren Netzwerk, der Infrastruktur, verbirgt. Wir dringen systematisch in die zwischenmenschlichen Beziehungen der Bewohner ein, begreifen erst allmählich versteckte Zusammenhänge und landen beinahe notgedrungen schließlich im Wald, in der Dunkelheit, dort wo Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen.
Die Serie verbindet und benutzt ausgesprochen kunstvoll unterschiedliche Genreelemente. Das Figurenarsenal wird in bester Soap Opera Tradition ausgebreitet, der zentrale Erzählstrang ist ein Krimiplot und die Auflösung zerfasert zusehends in ein übernatürliches Drama. Das aussergewöhnlichste ist vielleicht die schlafwandlerische Balance zwischen der irritierenden Atmosphäre, unterstützt vom großartigen Soundtrack Angelo Badalamentis, und dem leichtfüßigen Humor, zwischem der zitatenhaften Hommage an unterschiedlichste Erscheinungsformen der Popkultur und dann wieder vollkommen originären Handlungselementen. David Lynch und Mark Frost ist dieses eine singuläre Ereignis gelungen von dem jeder engagierte Fernsehmacher träumt. Ein zeitloses Meisterwerk. Thomas Reuthebuch
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Was Bild und Ton betrifft, so kann man hier schon sagen, dass die Werte in etwa den vorherigen Veröffentlichungen entsprechen. Da die Serie mittlerweile auch mehr als 15 Jahre alt ist, muss man natürlich gewisse Abstriche machen. So fällt durchgehend auf, dass die Farben sehr stark gesättigt sind, was sich in einem stets vorhandenen Rotstich äußert, der auch Gesichter in Mitleidenschaft zieht (Letzte Folge: 00:11:48). Die Vorlage ist abgesehen von einer Handvoll Dropouts ziemlich gut erhalten. Ein Flimmern, etwa beim Bodenmuster des roten Raums, ist nicht zu übersehen. Rauschen findet sich auch und fällt auch konstant auf, muss aber dem Alter zugerechnet werden. Die Kompression müht sich redlich, gewinnt abernicht immer. Ach ja: lästig sind die eingebrannten englischen Untertitel, die zu sehen sind, wenn der Zwerg im roten Raum spricht. Der Ton liegt in der Synchronisation nach wie vor nur in Mono vor. Die Dialoge bleiben platt und wenig spektakulär. Der O-Ton ist differenzierter, stößt aber bei der Räumlichkeit auch an seine Grenzen. Immerhin gibt es diesmal einiges an Bonus. Neben den Einführungen der Log Lady, die man auch wahlweise direkt vor den einzelnen Episoden sehen kann, gibt es einige Interviews mit den Schauspielern wie Kyle MacLachlan, der sich über die Arbeit mit David Lynch unterhält, oder den Machern wie dem Regisseur Tim Hunter. Auch Jennifer Lynch, die das Tagebuch von Laura Palmer geschrieben hat, kommt hier zu Wort. Insgesamt werden mehr als zehn Leute in mehr als einer Stunde interviewt. Das sorgt für einigen Einblick. Schade nur, dass es keine Audiokommentare von David Lynch gibt. --movieman.de
MovieGod.de
Die DVD: Wie bereits die erste kommt auch die zweite Hälfte der zweiten Staffel in einem Schuber daher, der eine hübsche Pappverpackung umfasst. Ein Booklet gibt es nicht, lediglich einen Werbeflyer für Paramounts TV-Stars-Programm.
Nach Einlegen der Disc und Auswählen der Sprache geht es ins schlichte, nicht animierte Menü.
Das Bild: Erneut fallen vor allem die lebendigen Farben auf, die leuchtstark und stabil bleiben. Die Schärfe ist ebenfalls gut, lediglich der Kontrast ist gewohnt steil. Das überwiegend detailreiche Bild birgt nur wenige Aussetzer - eine Handvoll Dropouts, gelegentlich auffälliges Rauschen, angesichts des Alters der Vorlage wenig verwerflich. Problematisch wird es lediglich in einigen Szenen in Folge 25, bei denen die Bildqualität merklich absackt, doch hier liegt die Schuld offensichtlich beim Ausgangsmaterial.
Der Ton: Der Ton ist nach wie vor wenig spektakulär und überwiegend frontlastig. Die Musik dringt regelmäßig in den Raum vor, Surroundeffekte waren jedoch nur in einer Szene in Episode 28 aufzumachen (Pistolenschüsse).
Der monoaurale deutsche Ton tut sich vor allem durch die gesteigerte Lautstärke hervor.
Die Extras: Neben den teils philosophischen, teils selbstreferenziellen, immer aber herrlich seltsamen Intros durch die Log-Lady bieten die drei Discs eine Menge kurze Interviews.
- Kameralegende und Regisseur Caleb Deschanel spricht über die Arbeit mit David Lynch, die Andersartigkeit der Produktion sowie die Figuren und gibt eine äußerst interessante Anekdote zum besten, die ich hier sicher nicht vorweg nehmen werde.
- Der gewohnt geekige und engagierte Todd Holland, der zwei Episoden inszenierte, erzählt ein wenig über die Arbeit mit Lynch und Frost und spannt einen Bogen zu den TV-Serien von heute, die langsam wieder zu der Ruhe und Gelassenheit von damals zurückkehren.
- Duwayne Dunham, Editor und Regisseur zweier Folgen, spricht über einige der Hintergründe der Serie und klopft sich ein wenig selbst auf die Schulter.
- David Lynchs Tochter Jennifer Lynch spricht über ihre Arbeit an Laura Palmers Tagebuch.
- Stephen Gyllenhaal erzählt vom Standpunkt eines Filmemachers aus, wie es war, mit David Lynch und den Darstellern zusammen zu arbeiten.
- Tim Hunter spricht ein wenig über seine Regiearbeit und das Vermächtnis der Serie.
Hinter den "Grid Interviews" verbergen sich 39 Minuten an Interviewausschnitten mit Kyle MacLachlan, Mädchen Amick, Sherilyn Fenn, Dana Ashbrook, Gary Hershberger, James Marshall, David Duchovny, Kimmy Robertson, Don Davis, Mary Jo Deschanel, Lenny von Dohlen und Charlotte Stewart, die jeweils über Ursprung, Produktion und Vermächtnis der Serie reden. Die Anekdoten sind charmant und witzig, nichtsdestotrotz ist das interessanteste definitiv, die liebgewonnenen Gestalten in fortgeschrittenem Alter zu sehen.
Unbedingt ansehen.
Fazit: Kaufen, was sonst?
Felix Flex Dencker