Das von Kritikern und Fans zu Unrecht ausgepfiffene Kino-Prequel zu David Lynchs Kultserie Twin Peaks wird geadelt von einem nicht minder seltsamen Soundtrack von Daves Leib- und Magenkomponisten Angelo Badalamenti.
Er steigt ein mit mitternächtlichem Detektivkrimi-Jazz, wunderbar instrumentiert mit viel Saxo- und Vibraphon sowie schmissiger Besen-Perkussion ("Theme", "The Pine Float"). Im weiteren Verlauf führt uns der Italoamerikaner, teilweise unterstützt von Lynch höchstselbst, in die morbid-mysteriöse Welt des Handlungsortes ein: Das unheimlich vibrierend "Sycamore Trees", veredelt von Jimmy Scotts Stimme, sucht die Gehörgänge und Nackenhaare ebenso heim wie Badalamentis bizarre Spoken-Word-Performances "A Real Indication" und "The Black Dog Runs At Night" und Davids rauh rockendes "Pink Room". Zwischendurch wird das Ganze unterbrochen von der gespenstisch schönen Julee-Cruise-Nummer "Questions In A World Of Blue", die dem Serien-Hit "Falling" in nichts nachsteht, sowie federleichten Keyboard-Arrangements wie "Best Friends" und "The Voice of Love".
Gegen Ende der Scheibe feiern das altbekannte "Laura Palmer Theme" und "Falling" kurze, aber bittersüße Reminiszenzen; da kommt dann fast so etwas wie umgekehrte Nostalgie auf: Wenn die auf den Film folgenden Ereignisse, die wir aus der Serie kennen, doch noch vor uns lägen! Da hilft dann nichts als der Griff ins Videoregal.
Der "Fire Walk With Me"-Soundtrack bekam 1992 nicht umsonst einen Brit Award: Er gehört zu Badalamentis besten Arbeiten und darf im Hausbestand keines Badalamenti-/Lynch-Fans fehlen.