Die originale "Twilight Zone"-Serie (1959 - 64), geschaffen von Rod Serling, gehört zu den einflussreichsten und sicherlich einprägsamsten Fernsehserien aller Zeiten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Reihe 1983 aufgegriffen wurde, um einen Kinofilm draus zu machen, der aus vier Episoden (oder besser: Segmenten) und einem Prolog besteht.
Der nur ein paar Minuten dauernde Prolog um zwei Männer, die nachts im Auto unterwegs sind, ist vom Gefühl her zwar weniger "Twilight Zone" als eher "Creepshow", doch funktioniert diese kleine Geschichte durchaus als Einleitung, zumal die beiden Männer sich während der Fahrt über die alte Fernsehserie unterhalten - und immerhin endet der Prolog auch mit einem ziemlichen Schockmoment, was einen gut einstimmt auf die Dinge, die da kommen mögen...
Das erste Segment um einen üblen Rassisten ist von den vieren das einzige, das keine Neuverfilmung einer alten Fernseh-Episode darstellt. Jedoch scheint mir dieses Segment möglicherweise beeinflusst von der alten Folge "Deaths-Head Revisited" (1961), in welcher ein ehemaliger Konzentrationslager-Aufseher nach dem Krieg zurück kehrt in das jetzige Museum, um in alten Zeiten zu schwelgen, und dort auf die Geister der Vergangenheit trifft, die über ihn richten. Das Filmsegment allerdings schickt seinen Rassisten wie auf einer Achterbahn quer durch das Nazi-Reich, Vietnam und die vom Ku Klux Klan heimgesuchten Südstaaten und verpasst anschließend auch ihm ein angemessenes Schicksal.
Vic Morrow, der Hauptdarsteller dieser Geschichte, ist bei den Dreharbeiten tragischerweise zu Tode gekommen (er wurde von einem Hubschrauber getötet, ebenso zwei Kinder), weshalb sich der Regisseur dieses Segments, John Landis, anschließend wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten musste. Er wurde aber freigesprochen.
Das zweite Segment ist eine Neuauflage der Episode "Kick the Can" (1962), die ich persönlich schon in der Fernsehserie für absolut langweilig hielt, und hier ist es nicht besser. Aber dies ist ja durchaus Geschmackssache. Man kann aber wohl auf jeden Fall sagen, dass das Segment dadurch, dass es eine sehr ruhige und langsam erzählte Geschichte ist, das Tempo des Kinofilms auf nahezu null herunter bremst, was schade ist. Wenn überhaupt, hätte man dieses Segment als erstes einreihen sollen, nicht in der Mitte.
Es folgt ein Segment, das die Episode "It's a Good Life" (1961) wieder aufleben lässt, und zwar sehr wirkungsvoll. Sicherlich ist dies die bizarrste Geschichte des Kinofilms, und die Kreaturen, die der Junge erscheinen lässt, sind zugleich erschreckend und komisch, so dass man nicht weiß, ob man lachen oder schreien soll. Aber wenn der Hase auftaucht, bleibt einem dann doch das Lachen im Halse stecken...
Kathleen Quinlan, die die junge Lehrerin spielt, ist neben einem optischen Blickfang zugleich auch sehr gut besetzt in dieser Rolle. Die Figur muss sowohl Angst als auch Beherrschtheit zeigen, und Quinlan meistert dies in wunderbarer Balance. Ein schönes Beispiel dafür, wie man Angst überwinden kann, solange man es schafft, die Kontrolle nicht zu verlieren. Gut gespielt!!
Der Film endet mit einer Neuverfilmung der bekanntesten aller "Twilight Zone"-Episoden: "Nightmare At 20 000 Feet" (1963), die übrigens auch schon (wie zahlreiche Episoden) in "Die Simpsons" Verwendung fand. Und diese Geschichte, liebe Leute, ist definitiv nichts für Menschen mit Flugangst! John Lithgow verkörpert hier den panischen Fluggast. 1963 hatte William "Kirk" Shatner diesen Part inne. Lithgows Figur ist leider schon zu Anfang der Panik derart nahe, dass eine Steigerung im Verlaufe der Geschichte nicht ganz so wirkungsvoll zu bewerkstelligen ist wie Shatner dies damals vermochte. Shatner war seinerzeit zu Beginn des Fluges zunächst nur unruhig und nervös, nicht aber bereits hier dem Zusammenbruch nahe. Lithgows Darstellung ist zwar auch gut gelungen, aber eben ein wenig übersteigert und daher nicht so glaubwürdig wie Shatners damals. Allerdings ist der Gremlin auf der Tragfläche im Kinofilm sehr viel gruseliger. Der 1963er-Gremlin wirkte ein wenig zu kuschelig, wenn auch das Gesicht durchaus ausreichend abstoßend war. (Kleine Anmerkung zum Begriff "Gremlin": Das Wort wurde im Zweiten Weltkrieg von Piloten geprägt, die in ihren Flugzeugen koboldartige Wesen gesehen haben wollen, die dann manchmal für das Ausfallen oder die Schadhaftigkeit von Maschinen verantwortlich gemacht wurden. Auch in Fabriken wollen Leute schon welche gesehen haben. Ein Gremlin ist also eine Art Kobold, der im Zusammenhang mit Technik steht.)
Das "Nightmare"-Segment endet mit einer Szene, die zugleich als Epilog zum einleitenden Prolog gelten kann, denn diese Geschichte wird hier kurz wieder aufgegriffen und hinterlässt den Zuschauer dadurch nicht nur mit einem Schrecken, sondern auch mit einem Grinsen.
Insgesamt ist der Kinofilm eine würdige Neuauflage und zugleich Hommage an eine der einflussreichsten Fernsehserien, die es jemals gab. Zugleich wird einem hier ein guter Querschnitt von allem präsentiert, was die "Twilight Zone" zu bieten hat und was einen dort erwarten kann. Ein wenig verwunderlich mutet es an, dass trotz des Erfolges des Kinofilms kein zweiter produziert wurde, obschon es ja grade hier ausreichend Material gäbe.
Leider ist die "Twilight Zone" hierzulande vielen nur durch die zweite Serie aus den Achtzigern bekannt. Jedem, der jedoch Interesse an der Original-Serie hat und einigermaßen des Englischen mächtig ist, seien die ausländischen DVDs empfohlen, die alle Episoden beinhalten. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn es gibt unglaubliche Dinge zu entdecken im Reich zwischen Licht und Schatten, im Bereich der... Twilight Zone.