Ich kann verstehen, wenn jemand vom Film enttäuscht ist, aber ebenso kann ich nachvollziehen, dass ihm jemand 5 Sternen gibt.
Der Film hat seine starken Momente, aber er hat auch seine Schwächen.
Ich selbst gehöre wohl nicht zur Hauptzielgruppe, da ich a) männlich und b) kein Teenager bin. Dennoch hab ich mich in die Bücher verliebt. Vielmehr in die Story, denn rein rational fand ich die Bücher eher mittelmäßig geschrieben, voller schriftstellerischer Mängel. Dennoch bin ich in die Geschichte eingetaucht, wie in kein anderes Buch der letzten Zeit. Das nur zur Erläuterung unter welchen Vorraussetzung ich den Film gesehen hab: als Fan der Bücher.
Und deshalb werde ich bei der Beurteilung auch immer wieder auf die Umsetzung zu sprechen kommen, weil ich den Film nicht als Film als solches sehen kann. Auch wenn ich ansonsten der Meinung bin, dass man seperat beurteilen soll. Film ist ein anderes Medium als Literatur.
Zum Film:
Nein, einen Action- oder Horrorfilm wollte die Regisseurin wohl nicht drehen, scheinbar widerwillig hakt sie diese Szenen ab. Sie konzentriert sich lieber auf die Magie des ersten Verliebens.
Nebelig und trist ist der Ort Forks, so wie das Teenagerleben Bella Swans, bis ihre große Liebe auftaucht: der Vampir Edward.
Nicht wie sonst in der Literatur tritt hier der Vampir als Verführer, als Symbol ungezügelter Erotik und sexueller Leidenschaft auf. Eher als Verfechter reiner, unschuldiger Liebe.
"Komm rauf auf den Hügel, wo die Sonne scheint, raus aus dem Nebel." Ein treffender Satz um das Erwachen der ersten Liebe eines Teenagers zu beschreiben.
"Das ist doch nicht möglich", staunt Bella in höchste Höhen versetzt auf einem Baumwipfel. "Doch, in meiner Welt" entgegnet Edward.
Treffend gesagt. Dazu ist Liebe bzw. verliebt sein in der Lage.
Diese Szenen sind es, die den Film für mich zu etwas besonderem machen und mich wieder träumen lassen.
Die Zeit im Leben in der Bella bemerkt, dass es etwas gibt auf dieser Welt, dass bisher ihren Horizont überstieg. Die Zeit in der die heile Welt verloren geht. Am Ende erkennt die Protagonistin: "Ich sterbe. Mit jeder Sekunde komme ich dem Tod näher." Und bewegt sich mit dieser Erkenntnis wieder ein Stück weit in richtung Erwachsenwerden.
Ein schöner Film für alle, die noch nicht vergessen haben, wie diese Gefühle waren, oder für die, die diese Zeit gerade durchleben. Ein schöner Film für alle, die sich nicht zu schade sind für einen Film, der einfach nur unschuldig romantisch sein will.
Sicherlich hat der Film auch einige Schwächen.
Das größte Manko für mich ist, dass der Handlungsfluss inhomogen ist. Für manche Aspekte lässt sich die Regisseurin sehr viel Zeit, bei anderen hetzt sie durch die Handlung. Der Film wirkt auf mich nicht ausgeglichen.
2 Beispiele:
- Die ganze Actionsequenzen, die Story der Verfolgung nahm nur so wenig Zeit in Anspruch (insgesamt wohl nur 15-20 min bei 2 Stunden Laufzeit), dass ich mich gefragt habe, warum man einen Konflikt beginnt, wenn er so rasch, so leicht gelöst wird.
- Ab dem Punkt des "Coming Outs" wird zuviel Information in die Dialoge gelegt bzw mehr in den Monolog Edwards. Die ganze Vampirwelt wird erklärt und Edward erläutert seine Gefühle. Das wirkt auf mich überfrachtet. Gerade Gefühle will ich nicht erzählt bekommen, ich will sie sehen, will sie spüren. Dafür hätte man sich Zeit nehmen müssen, das subtiler rüberzubringen.
Überhaupt ist mir der Film ZU dialoglastig, manchmal tut man besser dran etwas ohne Worte zu sagen. Leider haben sich auch einige der grausigen Dialogzeilen aus den Büchern hier eingeschlichen.
Das Gehetzte, das sich nicht Entwickeln lassen hat für mich als Zuschauer zur Folge, dass der romantische Funke nicht gänzlich überspringen will, so ganz überträgt sich das intensive ineinander verlieben von der Leinwand nicht auf mich, so wie es im Buch der Fall war.
Die Regisseurin findet immer wieder stimmungsvolle Bilder um der Romantik oder Spannung gerecht zu werden. So setzt sie gerne Zeitlupen, epische "round abouts", Kameraschwenks und schnelle Perspektivwechsel ein. Teilweise wirken einzelne Szene wie aus einem Music Video, oder einem MTV Movie. Das hat durchaus seinen Reiz.
Was auf- und gefällt ist, dass der Film deutlich mehr Witz hat, als das Buch. Die Selbstironie, die den Büchern fehlt. Der Film wartet mit wirklich witzigen Szenen auf, vielleicht zu vielen, da die Regisseurin nicht um Ausgleich bemüht ist. Tiefgründige oder wirklich emotional tiefgehende Szenen sind Mangelware.
An dieser Stelle sei gesagt, dass ein bessere Soundtrack dem Film sicherlich gut getan hätte und für mehr Tiefe hätte sorgen können. Burwells Score ist etwas "dünn".
Die Schauspieler sind im großen und ganzen gut gewählt, besonders die Hauptdarstellerin macht ihren Job gut. Sie entspricht meiner Fantasie, zumindest optisch.
Mit Edward konnte man es gar nicht jedem recht machen. Das ist eine der Rollen, die nur hinter den Erwartungen besetzt werden konnte. Ich finde Pattinson macht eine gute Figur, er bringt den Model- Filmstar- Verführertyp gut rüber und auch die Unsicherheit des Charakters betreffs Annährungsversuch zeigt er gut. Humoristisch hat seine Figur einiges zu bieten, das einzige was seinem Spiel fehlt ist die emotionale Tiefe, die ich von einem 100 Jährigen erwarte (allerdings auch Drehbuchverschuldet). Und wirklich gefährlich (wie er immer beteuert) wirkt er auch nicht.
Besonders positiv fällt die Besetzung von Charlie auf, der sehr authentisch wirkt und die des Badguys James.
Die Cullens hab ich mir alle anders vorgestellt, aber mit der Besetzung kann ich auch leben. Abgesehen von Emmet und Rosalie, die ich für eine Fehlbesetzung halte, Emmet wegen seines Gangsterstyles- und gehabe und Rosalie sieht einfach zu durschnittlich aus (ich bin kein Purist der auf 1:1 Übertragung Buch/Film steht, aber das hat mich schon gestört, Zuschauer die das Buch nich kennen, werden sich nicht dran stören).
Über die Figur des Jacob Black leg ich mal den Mantel des Schweigens. Meines Erachtens verkommt diese Figur zu einer Karrikatur, zu einer Groteske.
Sowie dieser dämliche Akt integrativer political correctnes jede wichtige Nebenrolle empirisch abgesichert an Pseudorandgruppen zu verteilen.
M.E. wird nichts wichtiges weggelassen oder grundlegend verändert, dass es mich gestört hätte.
Zusammenfassend kann ich sagen, viele Einzelszenen sind sehr gelungen (Bsp: Auftritt James und Co., Auseinandersetzung mit Charlie), aber der Film als ganzes wirkt, wie lieblos aneinandergereihte Szenen. Er wirkt nich wie aus einem Guss.
Der Beziehung zwischen Edward und Bella wird zuwenig Zeit gegeben sich zu entwickeln. Gefühle werden erzählt und nicht gezeigt, was mich als Zuschauer emotional nicht berührt. Der Spannungsbogen um James und die Vefolgung steigt zu rapide und fällt zu schnell, als das das den Film vor dem Ruf einer seichten handlungsarmen Teenieromanze retten könnte.
Dennoch vergebe ich 4 Sterne, weil man an die Zielgruppenausrichtung denken muss, weil mich der Film gut unterhalten hat und ich das "Twilight- Universum" liebe.