Seit 20 Jahren sind Boyz II Men nun schon im eigentlich so schnelllebigen Musikgeschäft präsent und haben in dieser Zeit wohl schon so Einiges an Höhen und Tiefen durchlebt. Seit der Trennung von Bass-Sänger Michael McCary vor einigen Jahren sind die "Jungs" zwar nur noch zu dritt unterwegs, dafür aber - so der Eindruck, den ihre letzten Alben hinterlassen haben - doch ein ganzes Stück gereifter und zufriedener mit sich selbst und ihren musikalischen Ergebnissen. Schon mit "Throwback", "The Remedy" und zuletzt den "Motown"/"Love"-Coveralben haben Boyz II Men gezeigt, dass sie nicht nur gut klingen, sondern vor allem auch authentisch sind und sich weitgehend unabhängig von Verkaufszahlen mit ihrer Musik ehrlich identifizieren.
Mit "Twenty" feiert das Trio nun sich selbst und sein (vorläufiges) musikalisches Lebenswerk. Abgeliefert wird ein Doppelalbum mit 12 neuen Titeln (+1 Bonustrack auf Disc 2) und 8 Neuauflagen alter Hits. Und das geht von Anfang an richtig ab. Der Auftaktsong "Believe" rüttelt mit satten Bässen und schmissigem Rhythmus das Trommelfell wach, das Tempo wird mit "So Amazing" dann zunächst weiter hochgehalten, bevor mit "Put Some Music On" ein Titel mit klassischen Anklängen ruhigere Töne anschlägt. Mit "Slowly" schließt sich ein gefälliger Slow Jam an, gefolgt vom ersten Höhepunkt des Albums, "More Than You'll Ever Know" von und mit R&B-Legende "Uncle" Charlie Wilson.
Die zweite Hälfte der ersten CD wird maßgeblich durch zwei wirklich herausragende Babyface-Kompositionen geprägt: "I Shoulda Lied" als gefühlvoller Einstieg und wenig später "One More Dance" - DER Ohrwurm schlechthin. Der Titel fängt ganz unscheinbar an, entfaltet zum Ende hin jedoch eine unglaubliche Dynamik - einfach fantastisch! Die Kombination Babyface + Boyz II Men ist also auch knapp zwei Jahrzehnte nach "End Of The Road" noch unschlagbar. Da wundert es nicht, dass die anderen Titel drum herum ein wenig verblassen (insbesondere Teddy Riley's "Flow"). "One Up For Love" bildet als eine Art Ode an die Liebe zur Musik den Abschluss der ersten CD.
Zur zweiten CD von "Twenty" muss man wohl nicht viele Worte verlieren: Titel wie "I'll Make Love To You", "End Of The Road" und "On Bended Knee" hat wohl jeder eingefleischte Fan bereits in seiner Sammlung. Hier hat man sie dann praktischerweise nochmal alle zusammen auf einem Album, und zwar als nett arrangierte Neuauflagen. Interessant ist hier besonders, wie die ursprünglichen Soloeinlagen von Michael McCary "umschifft" (= gestrichen) werden, quasi als versteckte Botschaft: "Hey siehst Du, es geht auch ohne Dich!"
Neben der Musik überzeugt im Übrigen auch das CD-Booklet, das mit einem ausführlichen "Zeitstrahl" zu den wichtigsten Stationen aus 20 Jahren Boyz II Men kurz und knackig und z.T. auch mit sehr persönlichen Informationen (unter anderem zur offenbar alles andere als "sauberen" Trennung von Michael McCary) aufwartet.
Fazit: "Twenty" ist ein würdevolles, ausgereiftes und uneingeschränkt empfehlenswertes Album - für eingefleischte Fans sowieso. Für alle, die es noch werden wollen, DIE Möglichkeit für den längst überfälligen Einstieg. Im Januar 2012 sind Boyz II Men übrigens auf Deutschland-Tour!!!