Zuerst war ich etwas enttäuscht. Von der großen Songwriterin Patti Smith ein Album nur mit Coverversionen? Nun ja, auch andere Große des Musikgeschäfts haben sich eine creative Pause gegönnt, indem sie fremde Songs in den Dienst der eigenen Musikalität stellten ... oder umgekehrt die eigene Musikalität in den Dienst des fremden Liedes. Bei den 12 Liedern, die Patti Smith für ihr Album aufgenommen hat, gleicht sich das aus. Mir persönlich gefällt "Gimme Shelter" von Mick Jagger hingerotzt besser als die Smithsche Version, auch "The Boy in the bubble" aus dem Album Graceland gefällt mir im Orginal von Paul Simon besser. Bei "Changing of the guards" von Bob Dylan ist es dagegen wie meist bei diesem Künstler, daß seine Songs duch das Covern gewinnen.
Das große Verdienst Patti Smiths ist es, daß alle Songs der CD einfach nach Patti Smith klingen, und wenn sie nicht so bekannt wären könnte sie die Urheberschaft für sich reklamieren. Mag sein, daß andere kritisieren, daß Smiths Streifzug durch die Rockgeschichte im Jahr 1991 bei Nirvana endet (sie beginnt 1967 mit Hendrix, den Doors, den Beatles und Jefferson Airplane), aber ein anbiedern an den Zeitgeist wäre ihr bestimmt nicht gut bekommen.
Und ganz nebenbei: der CD liegt ein schön gemachtes Booklet mit Anmerkungen Patti Smiths zu ihrer Songauswahl bei - leider auch keine Selbstverständlichkeit.