Ähnlich wie z.B im Sommernachtstraum dreht sich alles um eine Art Verwechslung. Viola und Sebastian, ein Zwillingspärchen, sind Opfer eines Schiffbruchs und und halten sich gegenseitig für tot. Viola, als Frau in einer ihr fremden Umgebung, schlüpft in die Rolle eines Mannes und tritt in den Dienst des Herzogs Orino. Der heuert Viola, die sich nun Cesario nennt, direkt an, um für ihn bei seiner Herzensdame Olivia zu werben. Diese wiederrum hat vielmehr Gefallen an dem vermeintlichen Jüngling Cesario, als an dem Herzog. An dem ist allerdings Viola/Cesario sehr interessiert. Man ahnt schon was als Leser und obwohl man ja die Wahrheit kennt ist es alles andere als uninteressant weiterzulesen.
Zusätzlich hat Shakespeare noch ein Nebenhandlung eingeflochten, die 1. dazu beiträgt sämtliche Fäden in dieser Komödie noch enger miteinander zu verwirren und 2. auch noch für einige Lacher zuständig ist, während die Haupthandlung eher die dramatischen Aspekte zeigt.
Als Beispiel für die Komik möchte ich die 5. Szene im 2. Akt nennen, in der mit dem recht arroganten Haushofmeister Malvolio ein kleiner Streich gespielt werden soll. Er findet einen gefälschten Brief, der ihn annehmen lässt, dass sein Herrin Olivia in ihn verliebt sei. Die 3 Übeltäter Tobias von Rülp, Christiph von Bleichenwang und Fabian sitzen derweil im Gebüsch und belauschen Malvolio, um zu sehen, ob er auch tatsächlich darauf hineinfällt. Allerdings hören sie somit auch Malvolios Lästereien die drei betreffend, was sie dazu bringt vor Wut kaum noch in Ihrem Gebüsch sitzen bleiben zu können. Das ist wirklich sehr amüsant.
Dramatisch wiederrum wird es, wenn zum Beispiel Violas/Cesarios Verkleidung aufzufliegen droht, weil Christoph von Bleichenwang sie/ihn zum Duell fordert.
Es ist also rundherum eine tolles Drama, was alles beeinhaltet, um den Leser auch heute noch zu erfreuen.
Zusätzlich möchte ich aber auch noch ein paar Worte zu dieser Ausgabe im Speziellen schreiben: Für alle Skeptiker, die den Übersetzungen nicht so recht trauen wollen, ist diese Ausgabe durch ihre Zweisprachigkeit natürlich perfekt geeignet. Ist man dem Altenglisch nicht mächtig, so findet man im Anhang noch hilfreiche Erklärungen, was denn im Original wie gemeint war oder zumindest gemeint sein könnte usw. Das Nachwort des Übersetzers weisst auch nochmal etwas ausführlicher auf diese Problematik hin und durchleuchtet "Was ihr wollt" nochmal etwas genauer, in dem er beispielsweise darauf hinweist, dass zu Shakespeares Zeiten dieses Stück noch verwirrender auf den Zuschauer wirkte, da damals alle Frauenrollen sowieso von Männern gespielt wurden. Somit hatte man einen Mann (Schauspieler), der eine Frau (Viola) spielt, die sich wiederrum als Mann (Cesario) verkleidet. Interressanter Gedanke! Abschließend folgt dann noch ein überaus interessanter Essay der auch wieder sehr ins Detail geht und erst den Titel des Stückes erklärt, dann die Bedeutung der Namen der Figuren unter die Lupe nimmt, danach dann über den Ort des Geschehens (Illyrien) referiert und dann, für mich als Theatergänger sehr interesant, Bühnebilder, Kostüme, Alter der Figuren u.ä. am Beispiel einiger Inszenierungen erklärt. Man sieht somit, inwiefern Shakespeare den Regiesseuren Freiraum lässt oder was man wie interpretieren kann.
Sehr gutes Drama in gelungener Ausgabe, daher 5 Sterne!