Ich kann dieses Buch allen nur empfehlen, die eine Psychotherapie machen, und die sich intensiv mit dem therapeutischen Prozess auseinandersetzen wollen. Hauptthema ist die sog. "Therapeutische Beziehung", d.h. die Voraussetzungen, die Interaktionen und die Abläufe, die sich abspielen, bzw. sich abspielen müssen, damit eine Therapie einen wirklich weiterbringt.
Es ist aber auch ein sehr selbstkritisches Buch! Siegel zeigt auch die Grenzen auf, an die Therapeuten stossen können und wie man diese erkennen kann. Vor allem plädiert er nachhaltig dafür, dass kaum jemals der Patient "schuld" ist, wenn eine Therapie "scheitert", und er erklärt dies sehr gut und verständlich!
Gleichzeitig sagt Siegel aber auch, dass man von einer Psychotherapie nur profitieren kann, wenn man selber aktiv wird, d.h. es funktioniert nicht, wenn der Patient/die Patientin passiv bleibt, sich in einer reinen, überdauernden Opferrolle sieht und darin auch verharren will und das "Heil" nun vom Therapeuten erwartet.
Es ist nicht nur ein sachlich überzeugendes Buch, sondern ein sehr warmherzig und einfühlsam geschriebenes, das ich nur empfehlen kann!