Bandchef Sid Griffin verkauft die Musik seiner quirligen Virtuosenband gern als Alternative Bluegrass. Das gilt aber allenfalls für eine gewisse gesangliche Schnodderigkeit. Das quicklebendige Akustikgeschrammel und -gefiedel der Coal Porters hingegen würde selbst in der tiefsten Appalachenprovinz zu volksfestartigen Aufläufen führen. Dabei hat der Mann aus Kentucky lauter Londoner in der Band! Griffin spielte früher bei den Long Ryders, er gilt als Fachmann für die Countrylegende Gram Parsons sowie für Bob Dylan, und sein mitreißender Furor beim Musizieren zwischen Tradition und Moderne überzeugte gar den Byrds-Veteranen Chris Hillman, für die Woody-Hommage "Mr. Guthrie" zur Mandoline zu greifen. Auch Gene Clark ehrt Griffin mit der wehmütigen Widmung "Silver Raven"; der Mann zeigt eben stolz die Schultern her, auf denen er steht. Ein echtes Partyalbum - sofern es sich um eine bier- und stetsonselige Grillparty am Fuß der Blue Ridge Mountains handelt. In London hingegen dürfte das alles zu eher steifen Oberlippen führen. (mw)
Kurzbeschreibung
THE COAL PORTERS, die vielleicht einzige "alternative Bluegrass" Band und im Vereinigten Königreich ein anerkannter "acoustic roots music act", bringen mit "Turn The Water On, Boy!" ihr erstes Album nach fast dreijähriger Pause heraus.
Gegründet wurden THE COAL PORTERS von Sid Griffin, vielen schon von seiner Band THE LONG RYDERS und als Gram Parsons Experte bekannt und geschätzt. Das neue Album wartet mit gleich zwei renommierten Gastmusikern auf: zum einen der ehemalige BYRDS Musiker und in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommene Chris Hillman, der einst Sid Griffins Mandolinen-Lehrer war, zum anderen das Dobro Ass Rick Townend, eine echte Legende der britischen Bluegrass Szene. Mit Fiddle, akustischer Gitarre, Mandoline, Banjo und Doghouse Bass spielen diese großartigen Musiker sowohl neue Songs als auch sorgfältig ausgewähltes älteres Material. The Coal Porters tun genau das für Bluegrass, was einst The Pogues für die irische und Los Lobos für die mexikanische Musik erreicht haben: nämlich das Genre derart zu modernisieren und von musikalischen Clichés zu befreien, ohne die ursprüngliche Power, das Tempo und die Dichte eines Bluegrass Ensembles zu zerstören. "Turn The Water On, Boy!" präsentiert Songs von drei COAL PORTERS Mitgliedern und vier Songs von Mastermind Sid Griffin, der gerade parallel zu Clubdates mit den COAL PORTERS mit seinem neuen Buch "Million Dollar Bash: Bob Dylan, The Band & the Basement Tapes" (Jawbone Press) auf Lesetour ist. Einer seiner Songs ist eine schöne Dixieversion des alten LONG RYDERS Klassikers Final Wild Son (Track 1). Zusätzlich zu Sid Griffins würdigem Tribut für Woody Guthrie (Track 2, Mr. Guthrie), bei dem Chris Hillman mitspielt, gibt es auch einen Tribut für Gene Clark (Silver Raven, Track 6), hier von der Band als gefühlvolle Ballade mit einem vierstimmingen Refrain vorgetragen.
"Erneut eine erfrischende Mischung aus Bluegrass, Alt.Country & Americana - gradlinig, erdig, mitreißend, schmutzig, ehrlich - zudem melodiös & handwerklich perfekt dargeboten." Countryjukebox.de
"Sehr schöne Harmonies bei vielen Tracks. Absoluter & wunderwunderschöner Höhepunkt der CD: Gene Clarks "Silver Raven", alleine schon fast den Kauf wert. Gutes Songwriting! Sehr zu empfehlen, klar! Detlef von Duhn, Glitterhouse