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Die Vier haben sich 1998 auf dem College in New York getroffen. Schon das erste Demo hat das schottische Kultlabel Chemikal Underground (Arab Strap, The Delgados) entdeckt. Nach einer weitere EP und einer Aufsehen erregenden John-Peel-Session in England erscheint das Debüt beim US-Indie Matador, "unserem Lieblingslabel", so Sänger Paul Banks gegenüber Amazon.de. Dass die Band mehr an englischen Vorbildern orientiert ist und sich auch entsprechend kleidet, führt Banks unter anderem darauf zurück, dass man mit dem gegenwärtigen US-Rock überhaupt nichts anfangen könne. Weder der Mainstream, noch Funpunk im Stile von Blink 182 oder Nu-Metal von Linkin Park und Papa Roach sagen den Musikern zu. Ihm fehle die "emotional moodiness".
Auf ihrem Debütalbum gibt es diese emotionale Seite. Eher düster als hell, driftet das Werk dennoch nicht in plumpen dunklen Dark-Wave ab, wie er hier zu Lande von Gothic-Acts zelebriert wird. Irgendwo zwischen Pop und experimentelleren Klängen sind Tracks wie "Untitled", das wunderschöne "Stella Was A Diver And She Was Always Down" oder das mit einem Smiths-Gitarrenriff daherkommende "Say Hello To The Angels" angesiedelt. Wert legen Interpol darauf, dass ihr Song "NYC" längst vor dem allgemeinen, gegenwärtigen New-York-Hype, schon im Dezember 2000 geschrieben worden sei. --Thomas Bohnet
Ganz anders Turn On The Bright Lights! Zum ersten mal kann ich JD-Vergleiche nachvollziehen, obwohl sie die ganze Sache eher mit übersteigerten, oder besser: fehlgeleiteten Erwartungen belasten. Ist Antics irgendwie zu glatt produziert, steigt einem beim Titeltrack schon verlorene Gitarrensounds entgegen, die eine Stimmung erzeugen, die schwer zu beschreiben ist. JD oder Bauhausvergleiche treffen hier nicht auf Instrumentierung oder Songstruktur zu, sondern auf die merkwürdig kalte, monotone und doch nicht ganz dunkle Stimmung zu.
Wirklich bemerkenswert ist vor allem Paul Banks Stimme, ein dicker Bariton, der sonor durch die Stücke dringt und doch nie zu sehr auf einen Stil beharren will. Auf den Bandfotos mag man kaum glauben, wie ein solch jung aussehender Mann so eine Stimme haben kann!
Insgesamt hat das Album einen frischen und experimentierfreudigen Charakter, und es ist schade, dass dieser Charakter bei dem Nachfolger irgendwie verloren gegangen ist. Einen Retrosound zu wagen, der trotzdem eigenständig und originell wirkt, ist eine respektable Leistung. Diese CD besitzt vor allem das Element, das ich an Musik an meisten schätze: Sie wird mit jedem Durchhören besser, und das Detailreichtum ist umwerfend und es wird hier bei allen Vorbildern ein Facettenreichtum gepflegt, so daß bei Abzug der Einflüsse noch eine Menge Interpol-eigenes übrig bleibt.
Interpol sind nicht die neuen Joy Division. Interpol sind Interpol, und ich denke, mit solchen Vergleichen sollte man sich lieber zurückhalten.
Immer ein wenig anders klingender, Gesang zwischen Poesie und Rebellion, verträumt plingende Gitarren, hier und da glitzert sogar ein U2-Riff durch. Alles sehr abwechslungsreich und gut produziert. Getragene Stücke wechseln sich mit leicht angepunkten, schönes Gitarrengeschrammel mit Bulldozer-Bass und traurigschönen Weisen.
Das überraschend Gute daran: Obwohl Interpol an die alten Meister erinnern, gelingt es ihnen scheinbar mühelos, deren Niveau in Melodie, Gesang und Instrumentensound zu erreichen. In jedem Stück! Was für eine Hammer-Qualität. Ich kaufe viele CDs, aber so eine Super-Scheibe habe ich lange nicht mehr gehört. Erstaunlich, zumal Interpol aus den USA und nicht aus England kommen. Die fragende Stimmung, die so schön ungläubig aus vielen Liedern der 80er sprach, grüßt sensationell aus meinem absoluten Lieblingsstück: "Leif Erikson". Kopfhörer auf und abtauchen. Wer die alten Meister mag, wird Interpol lieben.
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