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Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land
 
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Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land [Hörbuch-Download]

von Uwe Tellkamp (Autor), Sylvester Groth (Erzähler)
3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (166 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Hörbuch-Download
  • Spieldauer: 9 Stunden und 44 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Gekürzte Ausgabe
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Audible.de Erscheinungsdatum: 27. Juli 2009
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B002TVQ57U
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (166 Kundenrezensionen)

Produktbeschreibungen

Resigniert, aber humorvoll kommentiert man in Dresden zwischen 1982 und 1989 den Niedergang des Gesellschaftssystems der DDR. Anne und Richard Hoffmann, sie Krankenschwester, er Chirurg, stehen im Konflikt zwischen Anpassung und Aufbegehren. Christian, ihr ältester Sohn, bekommt die Härte des Systems in der NVA zu spüren. Und Onkel Meno Rohde, mit Zugang zur Nomenklatura, steht zwischen den Welten. In epischer Sprache, in eingehend liebevollen wie dramatischen Szenen entwirft Uwe Tellkamp ein monumentales Panorama der untergehenden DDR, in der Angehörige dreier Generationen auf den Mahlstrom der Revolution von 1989 zutreiben.
(c) + (p) 2008 Der Hörverlag

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
313 von 353 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ich war auf diesen Roman gespannt - nicht nur, weil ich in der Nähe von Dresden aufgewachsen bin und den sozialen Rahmen der Handlung zumindest oberflächlich kenne. Dazu war ich in der beschriebenen Zeit so alt wie Christian, eine der Hauptfiguren, und habe so viele seiner Stationen zeitlich parallel erlebt: EOS, Abitur, dreijährige Armeezeit, Ende der DDR. Nach einer anstrengenden bis quälenden Lektüre bin ich mit Uwe Tellkamps "Der Turm" eher unzufrieden. Dieses Buch ist nicht der erwartete Gesellschaftsroman sondern leider nur eine starre, schrullige und gelegentlich größenwahnsinnige Beschreibung eines bestimmen Dresdener Kleinbürgermilieus. Mir kommt es vor wie eine Art gigantisches Selbstgespräch, mit dem der Autor seine Jugendjahre reproduziert.

Dieser "Turm" ist trotz seiner Detailverliebtheit abweisend; er erzählt keine große Geschichte, an deren Handlung und Figuren man Anteil nimmt. Das liegt vor allem an den drei Hauptfiguren des Romans: neben Christian (offensichtlich Tellkamps alter ego) sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Jeder hat auf seine Weise bestimmte Konventionen extrem verinnerlicht, erscheint borniert und unbeweglich. Man kann als Leser zu ihnen kein Verhältnis aufbauen; sie bleiben während der gesamten Handlung stets distanzierte Fremde. Speziell die Figur des Christian wirkt so blass, verklemmt und unverständlich. Sie erzeugt keine Neugier und kann einen nicht durch den Roman führen. Ähnlich ergeht es mir mit Meno, diesem zwanghaften Nischen-Intellektuellen, der seine Unfähigkeit zu leidenschaftlichen Gefühlen im Buch immer wieder mit seitenlangem Gesülze kompensieren muss. (Durch die Kursivschrift kann man jeweils leicht weiterblättern).

Andere Mängel des Romans wiegen bei dieser unglücklichen Struktur der Hauptfiguren fast weniger schwer: die hölzernen Dialoge, die durchweg seltsam erscheinenden Frauenfiguren, der Mangel an Sexualität in und zwischen den Figuren, schließlich die langweilende und häufig funktionslose Detailversessenheit. Natürlich gibt es auch Szenen und Episoden, die ich gelungen fand: die Darstellung der Dichtermilieus etwa, des Hauses Arbogast oder des Beginns von Christians Armeezeit. Aber das bleibt für mich zu wenig, um den "Turm" als großen, nachhaltig wirkenden Roman zu bewerten.

Bleibt die Frage, ob das Buch zumindest als wahrhaftige Chronik der späten DDR taugt. Auf jeden Fall zeichnet Tellkamp die kleine Welt seines Romans sehr treffend und realistisch. Ein breites Gesellschaftspanorama sollte man allerdings nicht erwarten. Sicher konnte man in Dresden und anderswo auf den materiellen Mangel und die staatliche Repression so reagieren und sein Leben so gestalten wie die Figuren im Turm". Man musste es aber nicht, ohne dadurch gleich ein Anhänger des Systems gewesen zu sein. Vielleicht wäre aus diesem Buch ein großartiger Roman geworden, hätte Uwe Tellkamp vorher seinen "Turm" tatsächlich verlassen...
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68 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Uwe Tellkamp. Der Turm

Trotz des enormen Umfangs habe ich das Buch ganz (mit ein paar Ausnahmen, wo die mir zu anspruchsvolle Syntax mich vor die Wahl stellte, eine Passage dreimal zu lesen oder zu überspringen) und meist auch gerne gelesen, teile aber dennoch die Meinung einiger Kritiker, dass einige Kürzungen gutgetan hätten. Tellkamp ist gelegentlich der Versuchung erlegen, zu viele Anekdoten und Ereignisse, die ihm für sein Thema relevant erschienen (es für sich genommen auch sind) in seinen Roman einzubauen, ohne sie jedoch handlungsmäßig integrieren zu können. Ich denke z.B. an den Verteidigungsminister und sein urologisches Problem, an die Wiedereröffnung der Semperoper, an die Episoden mit Arbogast und seinem Institut oder auch an die Besuche Menos bei Schriftstellern und Mitgliedern der Nomenklatur, wo der Lesegenuss wohl doch eher auf Insider beschränkt ist, die die realen Vorbilder kennen und hier ihre Freude an der manchmal satirisch zugespitzten Darstellung haben.
Insgesamt gewinne ich den Eindruck, dass Tellkamps Talent nicht wirklich das eines genuinen Romanschriftstellers ist. Konstitutive Elemente eines Romans wie Figurendarstellung und Handlungsentwicklung sind oft erstaunlich schwach. Die an Christian interessierte Reina hat plötzlich eine Affäre mit dessen Vater? Christians Mutter schläft mit Rechtsanwalt Sperber, damit dieser sich Christians Sache annimmt? Wie unmotiviert! Zu viele der eingeführten Figuren bleiben ganz blass; selbst Meno, nach Christian die andere Zentralfigur im Roman, ein Mann, dessen in auch Tagebucheinträgen und Gedankenfragmenten vermittelte Sicht der Dinge wir doch offensichtlich teilen sollen, wird insgesamt nicht plausibel entwickelt. What makes him tick? Über das Scheitern seiner Ehe (ein totes Motiv) oder über die Entwicklung seiner (und der seiner Schwester) Abwendung vom Kommunismus hätte ich mehr erfahren wollen.
Ein letzter Kritikpunkt: Die Sprache in den die Handlung vorantreibenden Dialogen erscheint mir oft platt, banal, hölzern. Ganz im Gegensatz dazu stehen dann aber die Beschreibungen, in denen die Sprache treffend und vielschichtig, außerordentlich assoziations- und bilderreich, gelegentlich freilich auch etwas mythisch raunend und gewollt schwierig daherkommt, z.B. in den Passagen, in denen eine quasi halluzinatorische Phantasie das Fließen des Flusses und der Zeit mit Bedeutsamkeit aufladen und auf eine höhere Ebene transportieren will.
Was mich für diese Schwächen entschädigt hat, war die überaus konkrete, durch Detailkenntnisse beglaubigte, absolut authentische wirkende Schilderung einer Epoche, die gewiss zukünftigen Historikern als Fundgrube dienen wird. Viele Schwächen im Leben der DDR waren mir zwar bewusst, in dieser Krassheit haben sie mich aber doch überrascht. Die allgegenwärtige Zerstörung der Umwelt, der durchgängige Verfall der Dinge, der Institutionen, aber auch der moralischen Beziehungen waren wohl viel weiter fortgeschritten, als es den meisten im Westen klar war. Obwohl ich z.B. von der desolaten Situation im Bitterfelder Chemiegebiet gehört und gelesen hatte, kam für mich die Beschreibung der Zustände in der Karbidfabrik als Schock. Allen, die in den 60er Jahren im Westen aufgewachsen sind, waren die Widersprüche des Kapitalismus nur zu offensichtlich; dass die (ganz anders gearteten) Widersprüche des Kommunismus so viel stärker waren, haben wir nicht gewusst. Wer den Turm gelesen hat, versteht, warum die DDR so (scheinbar) schnell und für uns unerwartet nicht nur untergehen konnte, sondern untergehen musste. Wo gäbe es ein ähnlich aufschlussreiches Werk über die NS ' Zeit?

Jochen Menge, 17.8.2009
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Turm - eine vertane Chance 29. Dezember 2010
Von That's me
Format:Taschenbuch
Um es vorweg zu sagen: das ist er nicht, DER Wenderoman. Und einem Vergleich mit den Buddenbrooks, obwohl naheliegend und von manchen Rezensenten so gesehen, kann er auch nicht standhalten. Aber zunächst kurz zum Inhalt. Der fast tausendseitige Roman beginnt Anfang der 1980er Jahre in Dresden und endet mit dem 9. November 1989. Die handelnden Personen sind in erster Linie Bewohner eines Dresdner Villenviertels welches, von Christian, der Hauptperson, der "Turm" genannt wird. Zu Beginn des Romans steht Christian kurz vor dem Abitur, am Ende steht er nach 5 Jahren Militärdienst- und Haftzeit just am Beginn einer neuen Zeitrechnung. Dazwischen erleben wir wie Christian bereits als pubertierender Abiturient in seiner Schulzeit Schwierigkeiten mit dem herrschenden System bekommt. Das Wunschstudium der Medizin ist gefährdet. Später als Panzerkommandant bei der NVA erlebt er den tragischen Tod eines Kameraden bei einer Militärübung in der Elbe. Das läßt ihn aufbegehren gegen seine Vorgesetzten und bringt ihm eine Haftstrafe in einschlägigen DDR-Gefängnissen und Arbeitsanstalten ein. Aber Christian ist kein aktiver Widerständler gegen das politische System sondern sein Protest ist eher der spontane Ausbruch eines lang angestauten Unmuts und Mißtrauens gegenüber staatlicher Deckelung und Unterdrückung. Das macht die Handlung vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse im Herbst 1989 glaubwürdig und Christian sympathisch. Am Ende dieser fünf für Christian verlorenen Jahre ist auch das Ende der DDR gekommen und man fragt sich, wozu das Ganze? Das verleiht dem Roman eine tragische Komponente.
Neben Christian sind weitere Personen, an denen der Leser Anteil hat, vor allem sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Richard, ein Arzt, der sich im familiären Kreis durchaus gegen das System äußert, hat ein Verhältnis mit einer Angestellten seines Krankenhauses und wird daraufhin von der Stasi erpresst. Das ist gut nachvollziehbar und verleiht dieser Figur Fleisch und Blut. Die Gestalt des Onkel Meno dagegen, ein Lektor in einem Verlag mit Kontakten zu einflußreichen Repräsentanten des Systems, wirkt eher hölzern. Seltsam unwirklich und blutarm wirken auch die Vertreter des sogenannten "Ostrom", einem politischen Sperrbezirk zu dem Meno mit besonderen Passagierscheinen Zugang hat. Mit Meno und diesen Vertretern aus der politischen und künstlerischen Mittelschicht der DDR verbinden sich für mich die langweiligsten Passagen des Romans, die leider nicht gerade kurz geraten sind. Glücklicherweise lassen sich gerade die schöngeistigen Auslassungen Menos anhand des Kursivdrucks schnell ausfindig machen und sind leicht zu überfliegen.

Warum es sich bei "Der Turm" nun nicht um ein rund um gelungenes Werk handelt, liegt meines Erachtens in den doch ernormen Längen, die der Roman aufweist. Gerade die Tagebucheintragungen des Onkel Meno gehören für mich zum Langweiligsten, was Literatur zu bieten hat. Auch die große Detailverliebtheit des Autors sowie Abschweifungen in diverse Nebenhandlungen ohne Zusammenhang zur Haupthandlung sind sehr störend. Und leider sind nicht alle wichtigen Personen so genau gezeichnet wie Christian oder sein Vater. Kein Vergleich auch mit den Buddenbrooks an deren Ende der Leser doch mitfühlt. Im "Turm" ist das nur ansatzweise in Gestalt Christians gelungen. Schade, ein interessanter Stoff wurde hier etwas verschenkt. Auf DEN Wenderoman, geschweige denn DEN DDR-Roman müssen wir noch warten.
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