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Wieder geht es um einen Mann, der es eigentlich geschafft hat: Jerry Battle hat zwei wohl geratene erwachsene Kinder, war erfolgreicher Unternehmer, jobbt auf seine alten Tage im Reisebüro, wenn er nicht gerade mit dem eigenen Sportflugzeug über Long Island fliegt. Nur mit den Frauen läuft nicht alles glatt und sein Vater könnte bald zum Pflegefall werden. Dann wird bei seiner schwangeren Tochter Theresa Krebs diagnostiziert und Sohn Jack droht den Familienbetrieb an die Wand zu fahren.
In einem endlosen Gedankenstrom mit sporadischen Dialog-Inseln breitet Jerry sein "vollklimatisiertes Leben" vor uns aus, immer ein wenig reserviert, als schwebe er über den Dingen, als wolle er einigermaßen vernarbte Wunden der Vergangenheit nicht wieder aufreißen. Darin ähnelt der Bilderbuch-Amerikaner Jerry dem Immigranten Doc Hata aus Lees letztem Roman. Für das multikulturell-asiatische Element sorgen dieses Mal Jerrys verstorbene Frau Daisy und der Schriftsteller-Schwiegersohn in spe, Paul.
"Denn nichts ist so zutiefst erschütternd wie der Untergang einer Familie im Wandel der Zeiten." Der Beweis für diese Behauptung gelingt dem Autor nur ansatzweise, am ehesten gegen Ende des lang geratenen Buches. Da können die Szenen aus dem Milieu der Mehr-als-genug-Verdienenden noch so glaubwürdig sein -- über alle Bilder legt sich Jerrys Erzählerstimme und die klingt öfter als nach einem hemdsärmligen Mittelständler nach einem schreibenden Literatur-Professor ("stetig breiter werdender Sensenschwung des Lebens").
Wo etwa Franzens Figuren die Herzen im Sturm erobern, stellt sich hier nur ganz allmählich vage Sympathie ein. Und für einen echten Familienroman folgt das Ganze zu sehr der Devise "Jerry Battle und wie er die Welt sah". Aber wer wissen will, wie der weiße Durchschnittsamerikaner tickt -- hier kann man es nachlesen. --Patrick Fischer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
36 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Hier meldet sich die Übersetzerin,
Von
Rezension bezieht sich auf: Turbulenzen (Gebundene Ausgabe)
Eine Kritik schreiben kann ich als Übersetzerin von Chang-rae Lees Roman "Turbulenzen" natürlich nicht, da müßte man mich wegen Befangenheit ablehnen, aber der/dem Leser/in aus Freiburg, die/der da so fröhlich gegen meine Arbeit vom Leder gezogen hat, möchte ich doch die Frage stellen, ob sie/er etwa im Ernst glaubt, als Übersetzer dürfe man so skandalös eigenmächtig in den Charakter des Originals eingreifen, daß man dessen Stil und sprachliche Eigenheiten nach Gutdünken verändert. Oder halten Sie uns literarische Übersetzer von vornherein für gewissenlose, pflichtvergessene Gesellen? Chang-rae Lees Hauptfigur in diesem Roman, Jerry Battle, ist ein Mann von fast 60 Jahren, der sicher nie ein Mädchenpensionat von innen gesehen hat (die Übersetzerin übrigens auch nicht), dessen Sprache aber die eines einfachen Durchschnittsamerikaners ist, recht lässig, absolut nicht hochgestochen, manchmal fast ein bißchen schnoddrig, obwohl der Mann durchaus belesen und gebildet ist, aber dennoch alles andere als ein Intellektueller. Und dieser Mann hat (genau wie die Übersetzerin, die derselben Generation angehört) einen Schatz an Alltagssprache, in dem idiomatische Wendungen aus den neunzehnhundertfünfziger Jahren ganz gleichberechtigt neben solchen aus den Neunzehnachtzigern oder den Zweitausendnullern stehen. Nicht zuletzt dieser Reichtum an sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, mit dem Chang-rae Lee seine Figur im Original ausstattet, macht das Buch so interessant, denn hier wird, und das ist hohe Kunst des Autors, anhand der verschiedenen Schichten von Umgangssprache, die unterschiedelichen Zeitperioden zuzuordnen sind, sehr schön, sehr sinnlich und begreifbar die Geschichte eines konfliktreichen Menschenlebens abgebildet. Für mich als Übersetzerin wäre es wesentlich einfacher gewesen, diese stilistische Besonderheit des Romans in meiner Übersetzung nicht nachzubilden, sondern einfach ein langweiliges Allerweltsdeutsch mit lauter kurzen Sätzen zu schreiben. (Das wär auch schneller gegangen, da hätte ich mein Geld weniger mühsam verdient.) Wenn die/der verehrte Leser/in aus Freiburg, sich die Mühe gemacht hätte, mehr als nur ein paar Seiten zu lesen, wenn sie/er womöglich sogar einen Blick ins Original geworfen hätte, äre ihr/ihm vielleicht aufgefallen, daß der Autor hier eine ganz wunderbar präzise und komplex zusammengesetzte, mit großer Virtuosität durchgestaltete Kunstsprache geschaffen hat, die von der Übersetzerin präzise (in einer Kritik in der Berliner Zeitung stand sogar "perfekt" wiedergegeben wurde. Aber hier ging es wohl jemandem mehr um die eigene Profilierung als darum, sich ernsthaft mit einem Kunstwerk auseinanderzusetzen. Schade bloß, daß solche unqualifizierten Äußerungen womöglich andere Leute vom Lesen abhalten, die mit den "Turbulenzen" wirklich etwas anfangen könnten. Das finde ich traurig und ärgerlich, und darum schien es mir notwendig, mich als Übersetzerin ausnahmsweise einmal hier zu Wort zu melden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Turbulenzen im Leben,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Turbulenzen (Gebundene Ausgabe)
Ich gestehe, dass ich mit einer gehörigen Portion Skepsis begonnen habe, dieses Buch zu lesen - wie immer, wenn der Klappentext davon kündet, dass ich es hier mit einem der großen zeitgenössischen Autoren zu tun habe werde, der auch noch diverse Preise bekommen hat, und wenn mich dann die ersten Seiten des Romans nicht wirklich überzeugen, weil auf ihnen nach meinem Geschmack, schnoddrige Sprache in Textform mit literarischer Qualität gleichgesetzt werden soll. In diesem Fall muss ich allerdings mein „Vor" - Urteil gründlich revidieren. Ich hatte mit „Turbulenzen" von Chang-rae Lee ein vergnügliches und nachdenkliches Lese - Wochenende mit einer Geschichte rund um eine amerikanisch sozialisierte, koreanisch-italienische Familie und ihr Leben. Lee ist es gelungen, von den Turbulenzen im Leben des Ich-Erzählers Jerome Battle vielschichtig, komplex und intelligent zu erzählen, ohne dabei pseudo - intellektuell und tiefschürfend Langeweile zu verbreiten. Jerry Battle, verwitweter, von seiner langjährigen Lebensgefährtin Rita frisch verlassener End-Fünfziger, sitzt am liebsten in seinem kleinen Flugzeug und beguckt sich „ein Leben" von oben. Eigentlich kann er sich das Flugzeug gar nicht leisten, denn so üppig ist es um seine Finanzen nicht bestellt. Aber Fliegen war schon immer ein Traum, den er sich nun erfüllt hat - vielleicht deshalb, weil sein Leben „auf Erden" zur Zeit eher gerade zerfällt. Hinter den Fassaden „bröckelt" es, was man als Leser/in nach und nach erfährt. Einen kurzen Einblick in die Handlung gibt der Klappentext: „Dabei hatte er geglaubt, sich alles vom Leibe halten zu können. Doch sein Vater Hank, der italienischstämmige Patriarch, will nicht im Altersheim bleiben, die intellektuelle Tochter Theresa kehrt schwer krank und schwanger mit ihrem koreanischen Mann nach Hause zurück, das Familienunternehmen, eine Landschaftsgärtnerei, geht unter Jerrys Sohn pleite. Der Schatten vom tragischen Tod Daisys, seiner koreanischen Frau, lässt sich nicht vertreiben. Und außerdem hat ihn Rita, seine schöne puertoricanische Freundin wegen seiner Gleichgültigkeit verlassen." Wie all diese Handlungsstränge lesenswert - und sehr viel heiterer als man vermuten mag - miteinander verknüpft werden, ist eine Familiengeschichte im besten Sinne, die auch anspruchsvollere Leser/innen überzeugen wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Lebensbild aus Amerika,
Rezension bezieht sich auf: Turbulenzen (Gebundene Ausgabe)
Chang-rae Lee Turbulenzen Kiepenheuer&Witsch ISBN 3 462 03406 5Es handelt sich bei diesem Roman um einen der Mittelstandsromane, wie sie aus Amerika in den letzten Jahren häufiger zu uns kamen. Der Autor Chang-rae Lee ist schon als Dreijähriger aus Korea nach Amerika gekommen. Seinem Roman ist keinerlei Fremdheit mit den amerikanischen Verhältnissen anzumerken. Als Leser fühlt man sich gleich hineingezogen in die Lebenswelt der Beteiligten, und in die unentwegt in der Ichform dahinfließende Erzählung von Jerry. Das Buch ist unterhaltsam, teilweise ein wenig langatmig. Mithalten mit den großen Autoren der vergangenen Jahre wie Eugenides oder Franzen, wie gelegentlich zu lesen ist, das kann der Autor m.M. nach nicht. Es fehlte mir die kritische Distanz und der selbstironische Witz, den ich bei vielen der anderen genannten Autoren finde. Dennoch erfährt man ein kurzweiliges Lesevergnügen. Cl.B. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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