Was für eine Aufnahme! Einmal mehr erweist sich Maria Callas als die "assoluta" des Jahrhunderts. Trotz (hörbarer) stimmlicher Probleme ist ihre Darstellung der eisumgürteten Prinzessin einmalig und intensiv wie keine zweite. Sie formt aus dem kalten Wesen einen menschlichen Charakter, stolz, abweisend und doch von tiefer Sehnsucht nach Liebe und Begehren durchglüht. Keine Interpretin der LP-Ära reicht in dieser Beziehung an sie heran - weder Birgit Nilsson, die aus Turandot eine statische Walküre macht, noch Joan Sutherland, die zwar vokal reich und kompetent singt, aber langweilig wie so oft bleibt, und auch nicht Inge Borkh, die dem Ideal zwar nahkommt, es aber doch an psychologischen Feinheiten vermissen lässt.
Leider hat diese Prinzessin aller Prinzessinnen einen etwas langweiligen Verehrer an ihrer Seite - Eugenio Fernandi ist zwar nicht wirklich schlecht, aber viel weniger beeindruckend als Mario del Monaco, der in der Aufnahme unter Erede einmal wirklich zu überzeugen vermag, oder Pavarotti, der trotz begrenztem Stimmvolumen Calaf zu einem (Belcanto-)Ereignis macht.
Elisabeth Schwarzkopf in der Rolle der Liù ist ein wenig gewöhnungsbedürftig - sie singt wie immer berauschend schön, aber leider auch etwas teutonisch und manieriert. Ihr fehlt die "italianità", die Renata Tebaldi, Leontyne Price oder Montserrat Caballé mitbringen.
Hervorragend sind die Nebenrollen (Ping, Pang, Pong, Altuom, Timur) besetzt, erstklassig nuanciert und dynamisch spielt das Orchester der Mailänder Scala unter Italiens größtem Operndirigenten - Tullio Serafin.
Eine absolute Referenz, deren einziger Mangel der (allerdings wunderbar ausbalancierte und transparente) Monoklang bleibt.