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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Reportagen aus der Welt der Finsternis, 2. November 2004
Jennifer ist Reporterin. Angeregt durch Gerüchte über sog. „Maulwurfsmenschen", die in den U-Bahntunneln von New York leben sollen, beginnt sie zu recherchieren. Da anfangs sowohl durch Behörden und Polizei als auch durch die offiziellen Hilfsorganisationen für Obdachlose die Existenz von wohnungslosen Menschen im Untergrund geleugnet wird, begibt sie sich selbst nach unten. In der Los Angeles Times erscheinen bald darauf ihre ersten Reportagen über das Leben unter New Yorks Straßen. Sie räumt darin auf mit der offiziellen Leugnung dieses sozialen Phänomens, aber auch mit verschiedenen Horrorstorys, die über „Maulwurfsmenschen" kursieren. Sie schildert detailliert ihre eigenen Ausflüge in die Welt der Tunnel, läßt aber auch die „Tunnelmenschen" selbst zu Wort kommen; schildert ihre Biographien, wie sie in diese Lage gerieten. Ihre Artikel erregen Aufsehen, rufen Anfeindungen hervor. Nachdem sie mehrfach Morddrohungen erhalten hat, verläßt sie New York. Das Ergebnis ihrer Recherchen und mehrmonatigen Nachdenkens ist ein Buch, in dem sie ihre Erlebnisse niederschreibt, offensichtlich auch, um mit dem Alptraum „Tunnelwelt" fertig werden zu können. Ihre Recherchen sind zweifellos beeinträchtigt durch ihre Situation ZWISCHEN den Tunneln und der Oberwelt. Denn in den Tunneln GELEBT hat sie nie. Wie tief sie auch immer bei ihren Recherchen in die Welt unter New Yorks Straßen eindrang, sie wußte stets, daß Oben eine Wohnung und ein Bett auf sie wartete. Für die meisten, die Unten hausten, gab es jedoch nie einen Weg zurück. Ohne Jennifers Wanderungen zwischen Oberwelt und Tunneln hätte dieses Buch jedoch nie in dieser Form entstehen können. Wie viele Menschen in New York's Untergrund leben, ist umstritten. Die Behörden neigen generell dazu, ihre Zahl zu bagatellisieren. Doch auch Schätzungen von Sozialarbeitern oder den Tunnelbewohnern selber sind stark subjektiv geprägt, zumal viele Wohnungslose als sog. „Pendler" tagsüber Oben leben und nur zum Schlafen in die Tunnel kommen. Die Zahlen schwanken zwischen 5 000 und 25 000. Den Anfang bildeten die U-Bahnhöfe. Zahlreiche Obdachlose nutzten schon in den 60er Jahren die Bahnsteige zur Übernachtung. Um den Schikanen und Vertreibungen durch Polizei und Transportbehörden zu entgehen, fanden einige einen besseren Schlafplatz in den Raum unterhalb des Bahnsteiges, zwischen Gleis und Tunnelwand. War dieser irgendwann vollständig belegt, wanderten die ersten, dem Gleisbett folgend, in die Tiefe der Tunnel hinein. In den 90er Jahren war dann der größte Teil des 7 Etagen tiefen unterirdischen Labyrinthes bewohnt. Gruppen von Wohnungslosen haben stillgelegte Eisenbahnabschnitte besetzt, nicht mehr genutzte U-Bahnstationen, bis hinunter zu einem natürlichen Höhlensystem, das sich durch das Schiefergrundgestein Manhattans zieht. Die Mehrzahl der Tunnelbewohner lebt nicht allein, sondern in mehr oder weniger fest organisierten Gemeinden, der oft auch eigene „Bürgermeister" vorstehen. Hier, wo keinerlei staatliche Autorität greifen kann, ist die Gemeinde oft der einzige Schutz vor Räubern, Mördern, Vergewaltigern. Die Sterberate in den Tunneln ist hoch, zumal die hygienischen Zustände jeder Beschreibung spotten, viele Bewohner krank, AIDS-infiziert, alkohol-und/oder drogensüchtig sind. Die Transit Police führt in dem zugänglichen Teil der Unterwelt regelmäßig Streifengänge durch - um Tote zu bergen und Lebende durch „sanften" Druck zu bewegen, wieder nach Oben zu kommen. Oft sind solche Polizeieinsätze mit der Zerstörung der Behausungen der Tunnelbewohner und dem Raub des geringen Habes der Tunnelbewohner verbunden. Allein im Jahre 1990 wurden so 7000 Menschen aus den Tunneln wieder nach Oben gebracht und in staatlichen Obdachlosenunterkünften einquartiert. Kaum jemand kommt freiwillig dorthin - diese Heime sind wegen zahlreicher Morde und Vergewaltigungen verrufen. Auch ist dort Drogenkonsum nicht gestattet. Die meisten Heimbewohner landen irgendwann wieder Unten - in der Welt der Tunnel. Es gibt Tunnelgemeinden, wo sich unter Führung eines energischen „Bürgermeisters" soziale Beziehungen herausgebildet haben, die den Leute ein erträgliches Dasein ermöglichen. Der Konsum harter Drogen ist verpönt. Es wird eine regelmäßige Versorgung organisiert - hauptsächlich aus Lebensmittelspenden der Obdachlosenfürsorge. Kranke werden betreut, kriminelle Vergehen mit Ausschluß aus der Gemeinde geahndet. Es gibt sogar Tunnelbewohner, die in Familienzusammenhängen leben, Kinder zur Welt bringen und aufziehen. Einzelne schaffen es - meist mit Unterstützung der Gemeinde -, aus dem Tunneldasein auszusteigen und in der Oberwelt wieder ein „normales" Leben zu beginnen. Doch das sind Ausnahmen. Es gibt jedoch auch andere Gemeinden, die sich kaum um ihre schwächsten Mitglieder kümmern, Gemeinden, die sich komplett von der Außenwelt abschotten. Und es gibt einzelne und Gruppen von Tunnelbewohnern, mit denen der Kontakt lebensgefährlich ist. Jennifer Toth hat bei ihren Ausflügen zahlreiche Menschen kennen-, viele auch schätzengelernt. Sie schildert drastisch sowohl die Zustände, die viele Leute in das Nischendasein unterhalb der Straßen treibt, aber auch die Hoffnungsfunken an Freundschaft und Fürsorge, die diese finstere Welt erhellen. gb.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
New York Underground, 8. April 1999
Von Ein Kunde
Jennifer Toth, 1967 in London geboren, beendete 1990 ihr Journalistikstudium an der Columbia University, New York mit einem Magisterabschluß und arbeitet seither als Reporterin für die Los Angeles Times. Im Rahmen ihrer Tätigkeit stieß sie durch Zufall in New York auf eine Welt, die so surreal wirkt, daß man ihren Bericht „Tunnel-Menschen" nahezu nicht glauben möchte. Jennifer Toth berichtet von New Yorkern, die wortwörtlich in den Untergrund gegangen sind: Sie leben in den U-Bahntunneln, die eine Gesamtlänge von 1176 Kilometern haben, in den zahllosen Gängen für die Strom- und Wasserversorgung des Molochs New York, in stillgelegten Tunneln, die seit vielen Jahren keine Funktion mehr haben; in einem unergründlichen Netz von Hohlräumen unter der Weltstadt, die teilweise in 25 Etagen untereinander mehr als 100 Meter in die Erde reichen. 1991 schätzte das New Yorker Gesundheitsamt, daß dort etwa 6000 Menschen leben. „Tunnel-Menschen" erzählt von Schicksalen, mal tragisch, alptraumhaft, mal bizarr, obskur. Von Menschen, die tagsüber ihren Jobs nachgehen und nur vorübergehend in den Tunneln eine Bleibe gefunden haben und solchen, die schon seit Jahrzehnten kein Tageslicht mehr gesehen haben; von Individuen, die sich an der Oberfläche ihren Lebensunterhalt erbetteln und solchen, die sich von 'Tunnelhasen' (=Ratten) ernähren; von Einzelgängern und solchen, die in straff organisierten Gemeinden zusammenleben; von Verrückten, Lebenskünstlern, Kriminellen, Junkies, schwangeren Frauen und Kindern. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sind Obdachlose, die den Weg in den Untergrund gesucht haben, um den Gefahren auf der Straße zu entgehen. Dabei haben sie sich den Gefahren einer Welt ausgeliefert, die sie selbst geschaffen haben und die meisten von ihnen werden dieser Schattenwelt nie mehr entkommen. Kurz - ein unheimlich fesselndes Buch, das von einer Welt berichtet, die man in unserer modernen Wohlstandsgesellschaft nicht für möglich gehalten hätte.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Maulwurfmenschen im Untergrund von New York, 10. Juli 1999
Von Ein Kunde
Es existiert, so behauptet Jennifer Toth, eine ganze Stadt unterhalb den Straßen von New York City: eine fantastische Unterwelt aus Menschen, Frauen und Kindern, die in der Dunkelheit unter den Straßen geboren sind und ihr Leben dort verbringen. In den frühen neunziger Jahren verbrachte die Autorin ein ganzes Jahr damit, diese Welt zu erforschen. Diese Erlebnisse wurden zur Grundlage für diesen spannenden Report. Zuerst hörte Toth von den "Maulwurfmenschen" von einem Kind, das behauptete, das ihre Klassenkameradin in einer unterirdischen Welt leben würde. Die weitere Nachforschung brachte sie in Kontakt mit einem New Yorker Cop, der sie einem der Maulwurfmenschen, einem gewissen "J.C.", vorstellt. Die Autorin verwendet fast ausschließlich Pseudonymnamen. J. C. ist der selbsterklärte Sprecher einer der Untergrund-Gemeinden, die mit ca. 200 Menschen zwar nicht besonders groß ist, aber nur eine von zahlreichen Untergrund-Gemeinden darstellt. Insgesamt sollen fast 5000 Menschen dort unter der Erde in den Gas-, Abwasser-, und Eisenbahntunneln leben. Zuerst hat auch Toth Angst davor, sich in dieses System hineinzugeben, wo es von Ratten und abgedrehten Menschen nur so wimmelt. Dann verliert sie jedoch allmählich ihre Angst. Sie besucht Lager, deren Bewohner über Wochen am gleichen Platz leben, sie spricht mit Graffiti-Künstlern, Frauen und Teenagern. Daneben untersucht sie die Geschichte des Untergrundlebens in der Literatur, von den ägyptischen Minenarbeitern bis zu Ralph Ellisons "unsichtbarem Mann". Schließlich muß Toth dem Untergrund entfliehen, da sie von einem Maulwurfmenschen bedroht wird, der glaubt, sie sei eine Spionin der Polizei. Die Lebenserwartung der Maulwurfmenschen liegt -aufgrund des Drogenkonsums und den verschleppten Krankheiten- bei unter fünf Jahren ! Toths ungewöhnliche soziologische Abenteuergeschichte ist ebenso bedrückend wie mitreißend. Ein spannendes Buch ! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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