Aus der Amazon.de-Redaktion
Spielfilm oder Doku-Drama? Falls Ihnen alle Fernsehbilder zum Thema zu schnell waren: Eine der Akteurinnen von einst hat jetzt ihre Erlebnisse aus dem Jahr 1962 aufgeschrieben. Kunstlos, authentisch. Ein spannendes Buch, gut geeignet, um zum Beispiel eine lange Bahnfahrt wie im Flug vergehen zu lassen.
Vor 40 Jahren hatte sich Ellen Sesta auf ein fantastisches, lebensgefährliches Projekt eingelassen: Einen Fluchttunnel graben. Ihr italienischer Freund und dessen Kumpel hatten die Idee gehabt: Vom Westen Berlins aus bis in einen verschwiegenen Keller auf der Ostseite. Einsturz, Wasser, Luftmangel, Spitzel lauteten die Gefahren. Die Elemente bekam man in den Griff, die Spitzelgefahr nur halb.
Westberlin war damals eine von Russland umgebene Zweimillionenstadt, der die östliche Siegermacht alle paar Monate ihren persönlichen Besuch androhte. Der Krieg schien in diesen Straßen noch immer nur halb vorbei, während im Bundesgebiet längst ein anderes Stück auf dem Spielplan stand. Bei Ellen Sesta lässt sich das noch einmal nachlesen.
Die Atmosphäre der bedrohten Grenzstadt zog junge Leute aus aller Welt an. Der Freund der Autorin und sein Kumpel waren eigens aus Italien gekommen, Ellen Sesta flog aus dem braven Düsseldorf in die aufregende Stadt. Das große Wort "Freiheit", hier hatte es Klang und Inhalt: Das Gegenteil auf der anderen Mauerseite war so penetrant gegenwärtig.
Der Rezensent kann sich noch an jenen Morgen in der Kindheit erinnern, als auf dem Weg zur Schule in der U-Bahn Riesenüberschriften schrieen: "Studenten gruben Fluchttunnel!" Die Fotos mit dem Blick in den Schacht, die aufgerissenen Augen der Geretteten, in Ellen Sestas Buch habe ich sie wiedergesehen. --Michael Winteroll
Kurzbeschreibung
Rechtzeitig zur Ausstrahlung von einem Spielfilm und zwei Dokumentationen erscheint dieser Tatsachenbericht aus erster Hand über ein atemberaubendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte.
Als am 14. September 1962 durch einen Tunnel von Ost- nach West-Berlin 29 Menschen ihre spektakuläre Flucht gelang, wurde die Bernauer Straße zum Begriff für Freiheitsliebe in der ganzen Welt. Dieses Buch, spannender als ein Roman, berichtet vierzig Jahre danach, wie es wirklich war, was damals geschah. Aufgezeichnet von der Kurierin, mit dem Wortlaut der Tunnelbauer, vermittelt dieses Buch Zeitgeschichte, wie sie sich bewegender nicht denken lässt.