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Tumult und Grazie: Über Georg Friedrich Händel
 
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Tumult und Grazie: Über Georg Friedrich Händel [Gebundene Ausgabe]

Karl-Heinz Ott
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 317 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (November 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455500919
  • ISBN-13: 978-3455500912
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 167.676 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Karl-Heinz Ott
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Zum 250. Todesjahr von Georg Friedrich Händel: ein großer erzählerischer Essay von Karl-Heinz Ott Die Oper, London, Kastraten und Diven prägen Händels Welt, aber auch Philosophen, die über der Frage, ob man die Theater verbieten solle, zu Erzfeinden werden. Dieses so kluge wie unterhaltsame Buch über den bedeutenden Komponisten rückt die Musik des 18. Jahrhunderts in den Blick und handelt dabei auch von unserer Gegenwart. Der Schriftsteller Karl-Heinz Ott hat lange als Operndramaturg gearbeitet und zahlreiche Essays über Musik veröffentlicht. Mit seinem Händel-Buch eröffnet er auch dem Laien eine Welt, die über das rein Musikalische weit hinausweist. Er führt nicht nur vor, wie eng musikalische Ausdrucksmittel, geschichtliche Entwicklungen und philosophische Grundsatzfragen miteinander zusammenhängen, sondern beweist vor allem, dass sich profundes Wissen auch mitreißend vermitteln lässt. Wer das 18. Jahrhundert Georg Friedrich Händels erkunden will, sieht sich unversehens mit dem Heute konfrontiert. Und sei es nur, dass man sich fragt, warum Barockmusik seit einiger Zeit nicht mehr so langweilig wie noch vor fünfzig Jahren klingt und was das mit unserer Vorstellung von Musik zu tun hat.

Über den Autor

Karl-Heinz Ott wurde 1957 in Ehingen an der Donau geboren und studierte Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Dramaturg an den Theatern in Freiburg, Basel und Zürich. 1998 erschien sein Romandebüt Ins Offene, das mit dem Friedrich-Hölderlin-Förderpreis sowie dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichnet wurde. Für seinen zweiten Roman Endlich Stille, der 2005 bei Hoffmann und Campe herauskam, erhielt er den Alemannischen Literaturpreis, den Candide-Preis sowie den Preis der LiteraTour Nord. 2007 erschien von ihm Heimatkunde. Baden. Karl-Heinz Ott lebt in Freiburg.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kreisen um Händel 2. Januar 2010
Von Thomas
Format:Gebundene Ausgabe
Ich habe das Buch zu Weihnachten bekommen und mit Vergnügen gelesen. Über Händel ist nicht allzu viel bekannt. Der Autor leuchtet deshalb umso stärker das Umfeld aus. Genau das macht das Buch unterhaltsam und lesenswert. Der Leser wird in einen quirligen barock-musikalischen Kosmos mit hineingenommen. Viele Namen, viele "Spielorte", etliche knappe Werkdeutungen lassen sich finden. Trotz mancher Redundanz hat das Buch Tempo und Witz. Die verschiedenen (kirchlichen) Motive, über Konfessions- und Landesgrenzen hinweg biblische Stoffe im Theater zu verbieten oder zumindest mit Vorbehalten zu betrachten, habe ich noch nirgendwo sonst so dargestellt und hintergründig gedeutet gelesen. Deutlich stellt der Autor heraus, wie weit gespannt der barocke Himmel ist und wie Gegensätzliches unter ihm Platz findet.

Dennoch:
Ich hätte mir gewünscht, der Autor wäre exemplarisch etwas tiefer in ein oder zwei Opern und eins, zwei Oratorien eingetaucht und hätte deren geselllschaftlichen und religiös-philosophischen Hintergrund beleuchtet und davon ausgehend andere Werkdeutungen vorgenommen. Das hätte dem Buch eine etwas festere Struktur und einen nachvollziehbareren Faden verleihen können.

Händel selbst wird - und das hat bereits eine lange Tradition - als Pan(en)theist gedeutet, der allem Christlichen eher indifferent gegenüberstehe. Ich vermute, aus heutiger Sicht sehen wir da manches viel zu eng. Das Barock war die bisher letzte Epoche, in der sich "Weltliches" und "Geistliches" ziemlich unbekümmert durchdringen konnten. Viele Kirchenleute sind ja selbst schlagende Beispiele für diese Durchdringung - übrigens keineswegs nur auf römisch-katholischer Seite. Händel selbst hat vielleicht viel christlicher gedacht als uns das heute erscheinen mag. Immerhin wissen wir, dass er regelmäßig die Gottesdienste in seiner Gemeindekirche besuchte, was für die Bevölkerung Londons um 1730 herum keineswegs mehr selbstverständlich war.
Die Deutung des Luthertums als welt- und sinnenfeindlich trifft so pauschal wie sie der Autor vornimmt, ganz und gar nicht zu, bei Luther selber schon nicht und noch viel weniger im größten Teil der lutherischen Tradition. Schließlich holte der lutherische Protestantismus alle Stilmittel der italienischen Oper in die Kirche. Es ist schon ein lustiges Wechselspiel, dass Händels Messias aus dem Theater in die Kirche wanderte und Bachs Passionen (heute) zuweilen im Theater aufgeführt werden.

Irritierend finde ich den Umgang des Autors mit Händels "Messias". Der Autor spricht sinngemäß von einem recht willkürlichen Sammelsurium von Bibeltexten, das Jennens zusammengestellt habe. Nichts liegt dem Librettisten ferner als das! Händel und Jennens vertonten zentrale Lesungstexte des Kirchenjahres. Dass der "Messias" sehr stark durch das Prisma des "alten Testaments" gesehen wird, ist das hohe theologische und philosophische Programm dieses Oratoriums: die alten Verheißungen erfüllen sich. Es gibt den Gott der Geschichte. Das ist eine klare Position gegen den Deismus! Aber das ist ein weites Feld.

Insgesamt ist Karl-Heinz Ott ein lesenswertes und unterhaltsames Buch gelungen. Es regt zum Weiterdenken an. Manche Positionen und Deutungen halte ich für falsch. Ich lese sie als Ermunterung zur produktiven Auseinandersetzung.
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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von MG
Format:Gebundene Ausgabe
Dass dieses Buch das bisher lesenswerteste der Neuerscheinungen zum Händeljahr ist, spricht weniger für dieses Buch als gegen die Qualität der übrigen Bücher, die mehr oder weniger die üblichen biographischen Klischees aufwärmen.

Schon der Titel löst bei mir Befremden aus. Grazie bringe ich mit Händel eigentlich nicht in Verbindung. Auch seine Zeitgenossen nicht, denen Händels Musik im Vergleich zu denen Bononcinis und Hasses immer als gewichtig und schwerfällig galt.

Auch das ganze Gerede von Händels Popularität, das nicht nur in diesem Buch, sondern auch in anderen Büchern und Artikeln zum Jubiläum immer wieder aufgetischt wird, ist ein seltsames Missverständnis. Nicht nur war die italienische Oper eine vollkommen elitäre Angelegenheit, die weitgehend adeligen und wohlhabenden Subskribenten vorbehalten war und Händel galt als der anspruchsvollste unter den Opernkomponisten. Ich kann auch überhaupt nicht nachvollziehen wie man Werke wie "Orlando", "Semele" oder "Alexander Balus" als populär bezeichnen kann. Mozarts "Entführung" und "Zauberflöte" oder selbst Beethovens "Fidelio" sind in ihrem Bestreben nach Allgemeinverständlichkeit ungleich viel "populärer" angelegt als die Opern und Oratorien Händels.

Und auch der Mythos, dass Händels Oratorien eine breitere Öffentlichkeit ansprechen wollten, ist eigentlich nicht haltbar. Das Publikum der Oratorien, die in denselben Theatern wie zuvor die Opern aufgeführt wurden, war weitgehend dasselbe wie in den Opern. Und die Tatsache, dass Händel die Preise mit Einführung der Oratorien stark erhöht hat, spricht nicht gerade für eine Öffnung für ein breiteres Publikum.

Otts Behauptung, Händel habe sich mit den Oratorien von der Konzentration auf die Sänger und der da capo Arie abgewandt, ist schlicht sachlich nicht haltbar. Die Oratorien sind ebenso auf die Sänger zugeschnitten wie vorher die Opern. Die Strada oder Francesina, die vorher in "Alcina" oder "Serse" die Stars waren, wirkten auch in den Hauptrollen der Oratorien mit. Und die da capo Arie dominiert auch in allen Oratorien (die einzige echte Ausnahme ist "Israel in Egypt").

Trotz allem macht es durchaus Spass, dieses Buch zu lesen, reißt es doch eine ganze Menge interessanter Aspekte an und kann mit einer beachtlichen Fülle an Zitaten und ästhetischen Apercus punkten. Allerdings ist das wenigste davon wirklich "verdaut". Vieles bleibt irgendwie in der Luft hängen oder wird etwas allzu bedenkenlos in Beziehung gesetzt. Für einige vergnügt angeregte Lesestunden ist es jedoch allemal zu empfehlen.

Obwohl Ott Händels Werk offensichtlich gut kennt, erscheint sein Bild von ihm trotz allem etwas oberflächlich. Und den größten Vorwurf, den man ihm machen muss, ist der, dass er trotz allen zeitgeschichtlichen und ästhetischen Überlegungen, die er anstellt, an die Musik mit einem subjektiv heutigen Blick rangeht. Statt ständig das oberflächliche Starsystem und das Mechanistische der da capo Arie zu geißeln, sollte er vielleicht auch mal überlegen, warum sich von den Hörern damals niemand über die da capo Arie beschwerte und ob die Begeisterung, die namentlich die Kastratenstars wie Senesino oder Cusanino auslösten wirklich so oberflächlich war, wie sich Ott das offensichlich vorstellt.

Allen, die gerade so gönnerhaft über die Oberflächlichkeit der Musik Händels schreiben, sollte zu denken geben, warum ausgerechnet Beethoven, dem alles oberflächliche ein Gräuel war und dem sogar Mozarts "Cosi fan tutte" zu frivol war, Händel (und nicht etwa Bach) für den größten Komponisten aller Zeiten hielt.

Goehte sagte, dass eigentlich nur der, der selbst bedeutend ist, eine bedeutende künstlerische Persönlichkeit wirklich würdigen könne. Im Fall Händel erscheint es so, als seien alle, die sich bisher mit Händel beschäftigt haben, einfach ein paar Nummern zu klein, um die Bedeutung Händels wirklich erkennen zu können.
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49 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Määnder 27. Dezember 2008
Format:Gebundene Ausgabe
Wie schreibt man über einen Menschen, von dem man sehr wenig weiss und dies auch zugibt ? Wie kommen da dreihundert Seiten zusammen ?

Indem der Autor über alles Mögliche schreibt,über die historische Interpretationsweise ,über andere Komponisten, deren Entwicklung,Werke und Schaffensweise und immer wieder auch ein wenig über Händel, über den es aber nichts zu berichten gibt.

Was hat er in Italien gemacht, die Werke kennen wir, seine Lebensweise nicht;was hat er in Hamburg gemacht, aha, das Duell mit Mattheson, dass dann ausgewalzt wird, weiteres ist nicht bekannt; hatte er was mit Frauen oder gar mit Männern, das wissen wir nicht, aber wenigstens, dass er gefuttert hat für drei.

Das Buch liefert eine Fülle von Informationen, aber keinen roten Faden. Nach vierzig -fünfzig Seiten fragt man sich, was schrieb der Autor eigentlich ? Es sind so viele disparate Informationen untergebracht worden, das alles eine Chance hat, vergessen zu werden.

Ich finde, dadurch liest sich das Werk schwer und eines stimmt sicher nicht: es ist kein Buch über Georg Friedrich Händel, sondern eine Ansammlung von Fakten und Meinungen, die in einem mehr oder weniger dichten Zusammenhang mit diesem Komponisten stehen.

Zudem füllt Ott die Seiten mit langen Zitaten aus der der Litatur zu Händel und zu anderen Menschen und Themen.

Wer sich zu tausendundeins Aspekten barocker Musik informieren will, ist mit diesem Buch gut bedient, denn der Autor breitet vieles aus, wer über Händel etwas lesen will, muss wohl zu anderen Werken greifen.
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