Rembrandts berühmte "Nachtwache" wechselte Anfang des 17. Jahrhunderts für 1.600 Gulden den Besitzer. Das Jahreseinkommen eines Kaufmanns, der im Handel mit Gewürzen und Seide aus Asien tätig war, konnte bis zu 5.000 Gulden betragen. Ein gelernter Handwerker brachte es immerhin auf ein Einkommen von 160 Gulden im Jahr. Und in diesem Umfeld, in einem Europa, in dem das Inferno des Dreissigjährigen Krieges tobte, wurde 1637 für eine einzige Tulpenzwiebel die Summe von 6.000 Gulden bezahlt.
Mike Dash schildert farbig, kenntnis- und detailreich den Weg der Tulpe vom den Bergen Nepals über das Reich der Osmanen bis sie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Holland ankam, wo ihr unglaublicher Siegeszug begann. Hier erst entstanden die Farbvariationen, die immer begehrter wurden und immer höhere Preise erzielten. Und - damals wie heute - stiegen kurz bevor die Hausse ihren absoluten Höhepunkt erreichte, immer mehr Menschen in den Tulpenhandel ein ohne viel davon zu verstehen, getrieben von der Hoffnung auf das schnelle, große Geld.
Gleichzeitig entstehen Instrumente, von denen man gemeinhin glaubt, sie wären erst in den Ideenküchen der Investmentbanken unserer Tage enstanden; da gab es Optionsscheine, Besitzzertifikate, Termingeschäfte und Leerverkäufe, die auch von denen eingesetzt werden, die sie weder verstehen, noch ihren Verpflichtungen nachkommen können, als dann plötzlich innerhalb weniger Tage der Markt vollkommen zusammanbricht.
Das klingt ganz nach den Schlagzeilen aus unseren Tagen. Und ist doch fast 400 Jahre her. Geschichte wiederholt sich doch!
Ein Buch, das nicht nur jedem Banker zu empfehlen ist, sondern auch viel zu erzählen hat von der menschlichen Natur; und ganz nebenbei noch einen Einblick gibt in die Kulturgeschichte des Gartenbaus. Sehr empfehlenswert.