(Original Kinoversion uncut)
Tucker (Alan Tudyk, "Todeszug nach Yuma") und Dale (Tyler Labine, "Invasion") wollen in ihre frisch erstandene Sommerhütte in West Virginia, um dort ein paar gepflegte Bierchen zu trinken, abzuhängen und angeln zu gehen. Die Beiden sind seit Kindertagen befreundet und verstehen sich nahezu blind. Beide sind nicht die hellsten Kerzen im Leuchter, wobei Tucker nicht ganz so einfältig ist wie der schüchterne Dale. Herzige Kerlchen sind sie aber beide, keine Frage. Zeitgleich mit ihnen fährt auch eine Gruppe junger Leute in den Wald, in dem die Hütte von unseren beiden Knuddelchen steht. Alpha Dog Chad (Jesse Moss, "Final Destination 3") führt die neunköpfige College-Clique aus Blondinen und Hosendenkern an und macht sich, nachdem die Zelte aufgebaut sind, natürlich sofort daran, seiner Gefolgschaft eine zünftige Gruselgeschichte aufzutischen, die sich vor über 20 Jahren in ebendieser Gegend zugetragen hat...bu-hu. Beim nächtlichen Bad im See verletzt sich Final Girl Allison (Katrina Bowden, "30 Rock") und plumpst in den Tümpel. Glücklicherweise sind Tucker und Dale mit ihrem Boot grade in der Nähe (beim gemütlichen Nachtangeln) und retten Allison vor dem Tod durch Ertrinken. Ihre Freunde sehen allerdings nur, wie die Beiden Allison in ihr Boot zerren und We got your friend" brüllen. Und genau dann beginnt eine insgesamt 89minütige Tour de Force aus Missverständnissen, Missgeschicken und leider auch Todesfällen, so dass Tucker & Dale bald knietief im Blut waten, obwohl sie absolut nichts getan haben. Sie werden nun von den College-Kids gejagt, erpresst und verletzt und müssen hilflos mit ansehen, wie die hohle Meute sich fröhlich selbst dezimiert...versehentlich.
"Tucker & Dale vs. Evil" ist Fun-Splatter mit hohem Witzgehalt und Bodycount. Die Idee, den Spieß mal umzudrehen und die, die normalerweise für das Gemetzel verantwortlich sind, zu den zu Unrecht Verdächtigten zu machen, während eine aufgestachelte Twen-Horde versucht, Lynchjustiz zu betreiben, ist famos. Sämtliche Backwood-Slasher-Klischees werden aufs Herrlichste konterkariert und man fiebert ausnahmsweise mal mit den nur vermeintlich tumben Einsiedlern mit.
Eli Craig entfacht ein wahres Blitzgewitter an tödlichen Unfällen, witzigen One-Linern und cleveren Twists und zieht dabei die Daumenschrauben kontinuierlich an. Ein Twen nach dem anderen segnet das Zeitliche und Tucker und Dale kommen mit dem Zählen der Leichen gar nicht so schnell hinterher, wie sie vor Schreck neues Bier kaltstellen können. Die Missverständnisse potenzieren sich zu einer wahren Schlachtplatte, gut gewürzt mit grandioser Mimik und coolen Sprüchen. Nach jedem Versuch, die Situation zu entschärfen oder einfach mal ein klärendes Gespräch zu führen, ist ein neues Opfer zu beklagen, wobei hier so variantenreich wie brüllkomisch gemetzelt wird. Ein herausragender Ast, ein Häcksler oder auch brennbare Flüssigkeiten kommen hier zu ihrem wohlverdienten Einsatz. Gekrönt wird das Ganze mit so grandiosen Sprüchen wie "You are half Hillbilly" und "They must be suicide kids intending to kill themselves right in front of us" und Dales Talent, in besonders kniffligen Situationen mit ungeahntem Fachwissen aufwarten zu können.
Natürlich fehlen auch hier die gängigen Klischees nicht, das fängt bei den stereotypen College-Charakteren an und hört bei dem leicht konstruierten Finale auf. Ausnahmsweise macht das aber mal überhaupt nichts, denn der Film ist so witzig, spannend und kurzweilig, die Unfälle nahezu alle handgemacht und somit fernab von der mittlerweile allgegenwärtigen CGI, dass "Tucker & Dale vs. Evil" einfach nur eins macht: Spaß. Von der muffigen Ferienhütte bis zum idyllischen See strahlen auch die Locations einheitliche Authentizität aus und runden, zusammen mit einem schnittigen Score, dieses blutige Fun-Horrorkabinett wunderbar ab. "Tucker & Dale vs. Evil" ist Spaß-Gore at its best und hat sich seinen Platz als einer der witzigsten und blutigsten Horror-Movies der letzten Jahre redlich verdient. Wer sich diesen wirklich brüllkomischen Erstling entgehen lässt, ist...doof, ehrlich. Volle fünf von fünf bizarren Unfällen, die Tucker und Dale mal wieder ein ungläubiges "Oh" entlocken.