Kurzbeschreibung
Autorenportrait
Auszug
Vor vielen Jahren, als ich jung war und meine Beine mich tagelang über Sand und Gestein hinweg zu tragen vermochten, ohne Müdigkeit zu verspüren, erfuhr ich irgendwann, mein jüngerer Bruder sei krank geworden. Obwohl drei Tagesmärsche seine khaima von meiner trennten, war die Liebe stärker als die Trägheit. Ohne Furcht machte ich mich auf den Weg, denn wie gesagt: ich war jung und stark, und ich ließ mich durch nichts entmutigen.
Am zweiten Tag erreichte ich in der Abenddämmerung ein Gebiet mit sehr hohen Dünen, eine halbe Tagesreise vom Grab des Heiligen Omar Ibrahim entfernt. Ich erkletterte eine der Dünen mit der Absicht, nach menschlichen Behausungen Ausschau zu halten und dort um Gastfreundschaft zu bitten. Da ich jedoch nichts entdeckte, beschloß ich, die Nacht im Windschatten der Düne zu verbringen.
Der Mond hätte schon hoch am Himmel stehen müssen - hätte es Allah nicht gefallen, ihn in jener Nacht zu verbergen -, als ich von einem so unmenschlichen Schrei geweckt wurde, daß ich fast den Verstand verlor und mich, von panischer Angst gepackt, zusammenkauerte. So verharrte ich, und der gräßliche Schrei ertönte ein zweites Mal, gefolgt von so zahlreichen Klagelauten, daß ich unwillkürlich an die Seele eines Verdammten denken mußte, die mit ihrem Geheul die Erde zu durchdringen vermochte.
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