Ja was soll man zu dieser Aufführung des "Eugen Onegin" aus der New Yorker Met sagen?? Nur so viel: Tschaikowsky muss dieses Ensemble im Kopf gehabt haben, als er die Oper komponierte.
Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass es im Moment eine idealere Besetzung des Onegin gibt als Dmitri Hvorostovsky. Er verkörpert diesen arroganten, gedankenlosen, eleganten Aristokraten in Perfektion. Wobei ihm sein attraktives Äußeres sicher nicht im Wege steht. Seine Darstellung dieses kühlen Mannes, der in der Schlußszene ungeahnte Emotionen zeigt, und was für eine Schlußszene (!!!)da zu sehen ist, läßt wohl niemanden unberührt. Sein warmer kultivierter Bariton tut ein übriges.
Renée Fleming ist ihm eine kongeniale Tatjana. Wie sie den Wandel vom unschuldigen Mädchen zur Grande Dame meistert und ihr makelloser Sopran sind einer der Höhepunkte dieser herausragenden Produktion. Hvorostovsky und Fleming dürften im Moment wohl das Nonplusultra als Onegin und Tatjana auf den Opernbühnen der Welt sein.
Ramon Vargas in der Partie des Lenski überzeugt ebenso. Das gilt übrigens für das ganze Ensemble. Auch die kleinsten Rollen sind mit Weltklassesängern besetzt.
Das Metropolitan Orchestra unter der Leitung des wunderbaren Valery Gergiev spielt grandios. Tschaikowskys Musik klang selten schöner und intensiver.
Die Inszenierung von Robert Carsen beläßt die Handlung im Russland des 19. Jahrhunderts. Er hat es auch nicht nötig, wie so oft gesehen, auf Teufel komm raus die Oper zu verfremden um sie "moderner" erscheinen zu lassen. Alles ist stimmig, überzeugend und in keinster Weise "verstaubt". Auch so kann man eine Oper auf die Bühne bringen. Man braucht keine unnötigen Mätzchen und ärgerlichen Verfremdungen. Mein braucht nur einen klugen Regisseur, wie Robert Carsen. Das reicht....
Das Bühnenbild von Michael Levine kommt mit einfachen Symbolen aus und überzeugt gerade deswegen so sehr. Ein leerer Raum dessen Boden mit Herbstlaub bedeckt ist, läßt das Gut der Larina vor dem inneren Auge entstehen. Stühle symbolisieren den Ballsaal. Die Schattenspiele beim Duell Lenski/Onegin sind wunderbar und zeigen deutlich, dass mit sparsamsten Mitteln oft mehr erreicht wird, als mit oft gesehener Überfrachtung der Bühne. Auch die Kostüme ebenfalls von Michael Levine sind vom Feinsten.
Mein Fazit: diese DVD ist ein absolutes Muß für jeden Opernfreund. Dass das Publikum der Met am Ende diesem konkurrenzlosen Ensemble Standing Ovations brachte, war die einzig richtige Reaktion auf diese hinreissende Opernaufführung. Wer einen einzigartigen Opernabend miterleben möchte, sollte diese DVD besser heute als morgen kaufen. 5 Sterne sind für diesen "Eugen Onegin" viel zu wenig. Begeisternd.