Ich muss ehrlich zugeben: Crowded house war nie mein Fall! Weniger noch: Ich hasse die sogenannte Folkmusik von Singer-Songwriter mit dem ewig gleichem Gefiedel ala irischer Minnesänger. Gerne von Gruppen wie the Corrs, Simple Minds, Big Country und wie sie alle heissen "verpoppt". Immer obligatorisch mit Geige und/oder Flöte bis zum unerträglichen ausgeleiert. Und selbst nur bei Anflügen solcher Tendenzen wie bei Midnight Oil (um den australischen Part abzuarbeiten) oder den frühen U2 sträuben sich mir die Nackenhaare. Und damit auch wirklich Alles stimmt wird in den Texten auch noch unermüdlich das Elend der Welt angeprangert...
Nachdem ich mich nun, nicht ganz ernsthaft, über meine musikalischen Feindbilder ausgelassen habe die entscheidente Frage: Wie kommt es dann zu einer Soloscheibe eines ehemaligen Kopfes solcher Formation?
Kurz gefasst: "Sinner"! Dieses entspannte, jazz-vermixte Stück fesselte mich gleich. Fast an so manchen Faith-no-more Song erinnernd war ich sofort hin und weg. Und als ich dann Mr. Finn in dem dazugehörigen Video ganz Dandy in schwarzem Anzug schwimmen sehen habe, waren meine Bedenken wegen CH weggewischt.
Zugegeben, mit gleich dem ersten Stück "Last one standing" kommen schon eindeutige Parralellen zu Crowded House auf. Aber mit den folgenden "Souvenier" und "King Tide" (Anspieltipp) verschiebt sich diese gekonnt eher in Richtung der beiden Gallagher Brüder. Schwere Drums, leicht übersteuerte Gitarrenriffs und ein von dezenten, kaum wahrnehmbaren Sythiesequenzen unterstützer Groove sind klasse! Die Stücke werden etwas "dreckiger", obwohl Streicher einsetzten.
Und dann folgt eben das erwähnte "Sinner", direkt als Mittelpunkt und Halbzeitpfiff. Denn danach geht es fast schon Sythiepop mit "Twisty bass" weiter, einem eingängingen, langsamen Song, der mit "Loose Tongue" bei gleichem Takt eine Weiterführung erfährt. So gekonnt, dass man genau aus das Display des Players sieht wann ein neues Stück begonnen hat.
"Faster than light" und zum Schluss "addicted" sind richtige Auskling-balladen diese tollen Albums.
Das Anfangsstück hakt das Thema Folk schon ab, ansonsten bietet es eine tolle Mischung. Unerwartet rockig, teilweise "Beatle-restque" vom Sound, und trotzdem sehr modern. Hätte ich nicht erwartet!
Toll gemacht Neill Finn!