Try Anything Once
(1993)
Nach der Trennung von Eric Woolfson und Alan Parsons arbeitete Parsons weiterhin im Studio und scharte seine alten Weggefährten um sich, die auch schon zu Project-Zeiten an Bord gewesen waren. Aus dem "Alan Parsons Project" wurde schlicht "Alan Parsons", der sich auch in der neuen Inkarnation seiner Studioarbeit hauptsächlich damit begnügte, die Alben zu produzieren und diverse Gastmusiker einzusetzen. Nur hier und da ist Parsons auch kompositorisch tätig. Das Gros der Songs stammt diesmal von den bekannten Projektmitgliedern Ian Bairnson, Andrew Powell, Stewart Elliott und David Pack. David Pack war einst als Gastmusiker der Band Ambrosia auf dem Debut "Tales of Mystery..." vertreten gewesen und agiert hier erstmals wieder für Parsons.
Ein weiterer Gastmusiker auf dem Album ist Chris Thompson, der u.a. für Manfred Mann's Earthband tätig gewesen war, und der hier einige Gesangsparts übernimmt. Auch Eric Stewart von 10CC ist nach "Freudiana" wieder als Sänger vertreten.
"Try anything once" gibt sich geradliniger und schnörkelloser als die üblichen Project-Alben zuvor. Der Weggang von Komponist und Hauptideengeber Woolfson macht sich doch bemerkbar, auch wenn Bairnson und Parsons hier und da ein paar alte Stilelemente einsetzen, was vor allen bei den Instrumentals deutlich wird, wo man z.B. an einer Stelle Anleihen bei "I Robot" nimmt.
Das Album bietet ansonsten sehr gepflegte und ordentliche Rockmusik mit ein wenig progressivem Einschlag hier und da. Besonders auffällig sind "The three of me", mit interessanten musikalischen Wendungen, das schöne und ruhige "Mr. Time", bei dem - selten genug bei Parsons - mit Jacqui Copland auch mal eine Frau singen darf und das abschließende melancholische "Oh life".
Die anderen Songs sind aber ebenfalls rundum gut gelungen, wenn auch nicht unbedingt immer sehr aufregend. Wer gepflegte AOR-Musik mag wird bei "Try Anything Once" aber auf jeden Fall gut bedient. "Try Anything Once", das keinerlei roten Faden aufweist, ist damit ganz gewiß um einiges besser als die doch recht mißglückten Werke aus den mittleren 80ern.
Fans des Alan Parsons Project müssen jedoch auch mit einer gewissen Stilwende leben. Die lieblichen und gefälligen Melodien von Woolfson machen etwas erdigeren und rockigeren Tönen Platz. Dabei liefern Alan Parsons und seine Band aber ein grundgutes Album ab, das zwar alte APP-Nostalgiker nur bedingt bedient, aber dennoch lohnenswert ist.
Mit "Try Anything Once" begab sich Alan Parsons auch das erste Mal auf eine größere Tournee, wo natürlich auch ältere Klassiker dargeboten wurden - letztlich konnten die Livedarbietungen aber nicht an die Studioversionen immer heranreichen, da diese eigentlich nie für eine Livedarbietung konzipiert worden waren. So oder so bot die Tour die Chance, das erste Mal Alan Parsons live auf einer Bühne stehen zu sehen.