David Moody dürfte vielen Horror-Fans durch seine beiden Zyklen "Autumn" (dt.: "Herbst") sowie "Hater" (dt.: "Im Wahn) bekannt sein. Das hier vorliegende TRUST ist eines seiner Frühwerke, die nach dem Erfolg der genannten Romane in neuer Auflage erschienen sind.
2012 entschied sich der Autor, TRUST komplett neu überarbeitet auf den Markt zu bringen - die hier vorliegende Version ist somit nicht das Original, sondern eine komplett neu bearbeitete Fassung, welche zwar die gleichen Protagonisten und den exakt gleichen Plot hat, in vielen Details die Grundidee aber ausbaut und auch modifiziert. Die neue Version von TRUST ist also nicht bloss um einige Kapitel erweitert, sondern stellt in vielem eine Neufassung dar.. offenkundigstes Beispiel ist, dass die Geschichte nicht mehr aus der ersten Person geschildert wird, auch wenn der Protagonist Tom Winter noch im Fokus der Handlung steht.
Wer also das Original bereits kennt und schätzt wird mit der neuen Version von TRUST also durchaus ein "neues" Buch bekommen.
Auch bei TRUST handelt es sich um eine reichlcih apokalyptische Geschichte. Anders als bei anderen Moody-Werken wie "Autumn", "Hater" oder auch "Straight to you" ist diese aber eher im SF-Genre angesiedelt: Außerirdische besuchen die Erde der Gegenwart, um angeblich friedlichen Kontakt aufzubauen. Die Menschheit ist begeistert und kooperiert gerne mit den anscheinend sehr freundlichen Aliens. Der Protagonist (wie üblich bei Moody ein ziemlicher Durchschnittskerl, der definitiv nicht glorifiziert oder überlebensgroß dargestellt wird) kann dem Frieden aber einfach nicht trauen - daher auch der Name des Romans. Natürlich geht es hier nicht so direkt und brutal zur Sache wie zum Beispiel bei "Hater", TRUST ist in vielem subtil und direkt subversiv.
Den Rest der Story möchte ich hier nicht vorwegnehmen - nur soviel: TRUST stellt viele Paradigmen der klassischen "Alien Invasion" Story völlig auf den Kopf. TRUST ist in vielem ein Gegenentwurf zur altbekannten und tausendmal in der SF gebrachten Geschichte der Außerirdischen, die anscheinend in Frieden kommen... ohne den Plot vorwegzunehmen agieren die Aliens anders als man es erwarten sollte, der Protagonist reagiert völlig anders auf sie als man es gemeinhin kennt, der Schauplatz ist ein völlig anderer und die Geschichte entwickelt sich schlichtweg sehr eigen... und sehr finster.
Neben der Tatsache, dass viele Axiome klassischer "Alien Invasion" Stories ignoriert werden ist TRUST auch eine mitunter sehr treffsichere Mediensatire. Wie der Name es andeutet spielt die Geschichte bewusst mit der Frage, inwieweit man der Realität und der Berichterstattung trauen darf, welche Möglichkeiten des Hinterfragen es gibt - und welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, sich dem ganzen Irrsinn zu entziehen. Gleichzeitig parodiert TRUST in der Neufassung viele SF-Standarts, es finden sich freundliche Seitenhiebe und Anspielungen auf Klassiker wie "War Of The Worlds", "Independence Day", "Star Trek, "The Hitchhiker's Guide To The Galaxy" und so weiter. Moody zeigt, obwohl seinem gewohnt schonungslosen Stil treu bleibt, in dieser Neufassung durchaus, dass er auch eine Menge Humor hat und natürlich, dass er klassische SF heiss und innig liebt.
Als ich TRUST das erste Mal 2006 las (damals natürlich noch in der klassischen Version) fand ich die Geschichte schlichtweg "gut" - ich bewertete sie damals bei Amazon mit verdienten 4 Sternen. Ich merkte über all die Jahre aber, das TRUST so eine der Geschichten ist, die einen immer wieder in den Kopf kommen... die Story wächst mit der Zeit ganz enorm. In der Neufassung machen mir die verdienten 5 Sterne daher keine Probleme.
Alles in allem: wer das Original kennt darf sich auf eine mehr als gelungene Neufassung freuen - und wer TRUST bis jetzt noch nicht gelesen hat sollte sich diesen Roman unbedingt vormerken, es ist eine Geschichte, welche mich lange beschäftigt hat.