Handlung:
1835 - Euphemia Ashby und Georgia Virginia Lawshe Woods sind gute Freundinnen. Doch eines Tages werden die Kinder getrennt - Euphemia zieht zu Ihrer Schwester Sarah McClure nach Texas. Während in den folgenden Jahren Lawshe, deren Familie vor den Nachbarn ein dunkles Geheimnis hütet, im Laufe der Zeit immer tiefere Abscheu vor dem in Georgia grassierenden Rassenhass empfindet, erlebt Euphemia den texanischen Befreiungskrieg gegen Mexiko und die Vernichtungskriege gegen Comanchen und Apachen hautnah.
Eines Tages - die beiden sind inzwischen verheiratet und haben schon längst keinen Kontakt mehr - siedelt Lawshe mit ihrer Halbschwester und ihren Sklaven ebenfalls nach Texas um. Doch kaum haben sich die beiden wieder getroffen bricht der Sezessionskrieg aus.
Kaum ist dieser überstanden setzen sich die Freundinnen für das Frauenwahlrecht ein. Für eine von ihnen der letzte Kampf, denn der Tod sitzt schon in ihrem Körper.
In Nebenhandlungssträngen werden auch die Schicksale diverser (freigelassener) Sklaven, eines indianisch-schwarzen Pärchens und des Comanchenführers Tarantula, mit dem Sarah eine seltsame Zuneigung verbindet, erzählt.
State (allgemein):
Der fast 3stündige Film zeigt - ohne dabei jemals langweilig zu werden - am Beispiel der Schicksale dreier Frauen schonungslos das harte Leben der damaligen Zeit, schlägt dabei einen Bogen durch knapp 50 Jahre amerikanischer, vor allem aber texanischer Geschichte. Trotz der harten Beschreibung vielfältiger Schicksalsschläge driftet der Film dabei vor allem Dank der nüchtern bodenständigen Darstellung der Sarah McClure zu keinem Zeitpunkt ins Kitschige ab, dennoch mag die eine oder andere Träne beim Anschauen vergossen werden. Und wenn auch die Männer hier mehr oder weniger schmückendes Beiwerk sind - dieser Film ist definitiv für beide Geschlechter sehenswert.
State (historisch):
Selten habe ich einen Western gesehen, der sich so weitgehend korrekt an den realen historischen Ereignissen orientiert. Zudem zeigt er die Ereignisse allein aus der Sicht der Frauen, ein - abgesehen von "Buffalo Girls" - seltener Blickwinkel im Genre.
Da gibt es z. B. die tausendmal verfilmte Geschichte der Schlacht von Alamo und der darauf folgenden Ereignisse. Das aber die Frauen der unter dem Nationalhelden Sam Houston kämpfenden Männer durch ein nicht ganz freiwilliges Ablenkungsmanöver an seinem Erfolg zumindest beteiligt waren, wird darin nie thematisiert. Gerade dieser nahezu selbstmörderische "Treck der Frauen", der tatsächlich viele Leben kostete, wird hier sehr gut dargestellt.
Aber auch ein anderer (Todes)Treck, nämlich die erzwungene Umsiedelung der friedliebenden und weißenfreundlichen Cree von der Ostküste in den mittleren Westen wird thematisiert. Hierbei interessant: Das Bild, dass Lawshe lebenslang begleitet, zeigt eine Cree, die im Real Life eine weiße Siedlung vor dem Untergang rettete. Die Nachfahren dieser Siedler vernichteten zum Dank das Volk ebenjener Indianerin.
Alle weiteren Themenbereiche - Sklavenhaltung und dessen Ende, Schicksal der von Comanchen entführten Frauen und Kinder, Texas Ranger, Sezessionskrieg, Verwaltung der Südstaaten durch die siegreichen Nordstaatler, Kampf ums Frauenwahlrecht, Krankheit und ärztliche Versorgung, Indianerpolitik, Texas Wandel von mexikanischen Gebiet bis zum amerikanischen Bundesstaat, etc., etc. - basieren ebenfalls auf historischen Fakten, bzw. sind stimmig dargestellt - hier wurde nichts übertrieben oder beschönigt.
Der Film strotzt nur so vor nebenbei vermittelten historischen Informationen, sollte eigentlich Pflicht für den leider all zu oft so trockenen Geschichtsunterricht unserer Tage werden.
Einziges Manko - wie fast immer üblich wird der Wilde Westen ein wenig auf Hochglanz getrimmt. Wie es optisch und von den Lebensverhältnissen her tatsächlich aussah zeigt die überaus gelungene, gerade auf DVD erschienene HBO Produktion "Deadwood", die durchaus mit den meisten Kinowestern mithalten kann, bzw. diese sogar - insbesondere auch in historischer Hinsicht - toppt. Übrigens wird auch hier den Frauen des WW unüblich viel Platz eingeräumt.
Weitere Filme zu bekannten amerikanischen Personen/Ereignissen dieser Zeit:
"American Outlaws", "Long Riders" und "The James Gang" (James/Younger Bande), "The Broken Chain" (Irokesen), "Geronimo" (Apachen), "Gettysburg" und "Glory" (Bürgerkrieg), "Heaven's Gate" (Johnson-County-Weidekriege), "Hidalgo" (Frank Hopkins), "Ich, Tom Horn" (seine letzten Jahre), "Tombstone" (OK-Corral), "Wyatt Earp" (sein Leben), "Buffalo Girls" (Calamity Jane), "Wild Bill" (Hickoks Leben)
Leider nehmen es einige dieser Filme mit der historischen Wahrheit nicht so genau.
Drei der o. g. Streifen sind auch gemeinsam als "Western-Collection" erschienen.
Cast:
Alle Rollen wurden optimal mit hervorragend zu den jeweiligen Rollen passenden Darsteller(innen) besetzt. Dabei m. E. Filmpreiswürdig - Dana Delany (Tombstone, Amy und die Wildgänse) in der Rolle der Sarah McClure. Ansonsten spielen:
Euphemia Ashby - Tina Majorino und Annabeth Gish (jung/erwachsen)
Lawshe Woods - Rachael Leigh Cook und Angelina Jolie (jung/erwachsen)
Martha - Salli Richardson
Tildy - Khadijah Karriem
Außerdem dabei: Julie Carmen, Anne Tremko, Oriana Huron, Tony Todd, Michael York, Michael Greyeyes, Powers Booth, Charles S. Dutton und viele andere bekannte Gesichter.
Die DVD:
Code 2, DVD Typ 9, Amaray Case, Hauptfilm etwa 172 Min., uncut
Das 4:3 (Voll)Bild ist leider etwas farbarm und nicht gerade als gestochen scharf zu bezeichnen - trotzdem noch im grünen Bereich.
Akzeptable Tonspuren finden sich in Deutsch DD5.1 und Englisch DD2.0
Keine Untertitel
8 Kapitel - deutlich zu wenig
Achtung: Es gibt vermutlich auch eine andere DVD-Ausgabe - angeblich mit deutschen UT und englischen DD5.1 Ton.
Fazit: Film - 5 Sterne, Cast - 5 Sterne, DVD - 2 Sterne
Ein Film, den ich guten Gewissens - abgesehen von Horror- und ActionOnly-Liebhabern - allen Cineasten empfehlen kann.
PS: Persönlich werde ich mir umgehend das Buch von Janice Woods Windle, auf dem der Film basiert, besorgen.