Es gibt ja auch Bands, die muss man nicht mögen. An Oasis scheiden sich ja z.B. trotz, einiger sicherlich hervorragender Platten, in Sachen Sympathie gerne mal die Geister. Bei Rocky Votolato passiert das nicht, den mag jeder. Selbst wenn man ihn nicht kennt, ihn noch nie gesehen, noch nie von ihm gehört hat, sobald er nach einem kurzen Geigenintro auf "Lucky Clover Coin" fast flüsternd beginnt einzuzählen mag man ihn. Es setzen die ersten Töne der Akustikgitarre ein die einen über die nächsten 10 Songs hinweg begleiten werden, er fängt an zu singen und man ist als Rezensent dazu geneigt all die pathetisch-kitschigen Phrasen auszupacken, die man sonst überhaupt nicht leiden kann: dass man mit so einem Album nie allein ist, dass diese Platte zu einem guten Freund geworden ist, dass sich ein Hördurchlauf wie Urlaub anfühlt. Ein Lied wie "Sparkles" klingt nicht wie Urlaub, "Sparkels" ist Urlaub. 3 Minuten in der U-Bahn, in denen das tägliche Gedränge nicht stört, 3 Minuten in der Fußgängerzone in denen man nicht in Eile ist, weil einem gerade der Meereswind um die Ohren bläst, weil man gerade Muscheln sammelt, weil einem die Sonne in die Augen scheint und man dabei das zufriedene Grinsen einfach nicht aus dem Gesicht bekommt.
Egal ob man bei schnelleren Songs wie "Red River" mit dem Fuß wippt oder bei reduzierten wie "Instrument" Gänsehaut bekommt, man fühlt sich hier wohl und dass wahrscheinlich vor allem deshalb, weil hier nichts beliebig ist, weil da kein Lied ist das man überspringen würde, weil eben alles richtig klingt so wie es ist.
Der charakteristischste Moment auf "True Devotion" liegt vielleicht in "Fragments": das Lied baut sich auf, die Melodie bleibt tagelang im Ohr und in der letzten Strophe bricht vor Intensität einmal kurz die Stimme von Votolato und man kann sich nicht ganz entscheiden ob man schon wieder Gänsehaut bekommen oder wieder das debile Grinsen aufsetzen soll. Es ist lange her dass ein Singer/Songwriter Album seinen Namen so sehr verdient hat wie dieses. Wahre Hingabe.