Schon nach 5 Minuten Blättern verging mir die Lust am Lesen dieses Buches. Eigentlich bin ich genau die "Zielgruppe" für dieses Buch, aber ich habe nicht das Gefühl, allzu viel daraus lernen zu können. Wenn Fragen mit Gegenfragen "beantwortet" werden, kann man das kaum eine Antwort nennen... aber das ist wohl das sensationelle Konzept dieses Buches. Sorry, von einem Autor dieses Kalibers hätte ich dann doch mehr erwartet!
Leider kommt noch ein miserabler Satz und ein noch schlechteres Lektorat hinzu. Da laut Impressum der Satz vom Campus-Verlag selbst übernommen wurde, drängt sich mir der Eindruck auf, dass ein und derselbe Lektor den Satz und die Sprachkorrektur vorgenommen hat. Entweder war es kein guter Lektor, oder er stand unter extremem Zeitdruck (was branchenüblich ist; ich habe selbst viele Jahre als Fachbuchlektor gearbeitet). Für diese schlampige Arbeit fehlt mir angesichts des hohen Preises (für ein einfach gestaltetes Taschenbuch!) jedoch das Verständnis.
Als Beispiel für die geschilderten Kritikpunkte möchte ich die Seiten 55 und 56 nennen: Ich erhalte eine private Einladung von einem Mitarbeiter.
In der Aufzählung der Fragen, die man sich stellen sollte, ist der Punkt 5 völliger Blödsinn, und der Punkt 6 ist eigentlich Punkt 5. Bei Punkt 4 hat der Lektor/Setzer einen Zeilenumbruch einfügen müssen und bemerkte nicht, dass die zweite Zeile eine neue Nummer bekam (typisches Verhalten von Word in Verbindung mit Unaufmerksamkeit des Nutzers - wer kennt das nicht?). Ja, wurde das Manuskript denn in Word "gesetzt"? Dann sollte man etwas aufmerksamer und umsichtiger arbeiten.
Punkt 2 ist inhaltslos. Die Frage lautet: Welcher Anlass wurde Ihnen für die Einladung genannt? Die "Antwort" dazu lautet: Wenn es sich um eine Einladung in einem größeren Rahmen handelt, dann können Sie durchaus genießen, dass man Sie eingeladen hat. Meine Frage dazu: Empfiehlt der Autor nun, die Einladung anzunehmen, oder sie abzulehnen? Welchen Schluss soll ich geneigter Leser nun aus dem Begriff "genießen" ziehen? Mal davon abgesehen, dass es grammatisch richtig heißen muss: Wenn es sich um eine Einladung zu einer Feier/Veranstaltung (!) größeren Rahmens/in größerem Rahmen handelt... Ach, in Punkt 3 wird die Frage dann kurioserweise doch noch positiv beantwortet, durch das kleine Wort "ebenfalls". Dort heisst es: In einem Unternehmen, in dem private Einladung gang und gäbe sind, können Sie die Einladung ebenfalls gerne annehmen. Aha, ich muss also die nächste Antwort lesen, um den vorherigen Punkt auch beantwortet zu bekommen.
Haben Sie es gemerkt? Schon wieder ein Fehler. In der Antwort zu Punkt 3 steht das Wort "Einladung", dabei müsste es im Plural ("Einladungen") verwendet werden. Nun ja, das schlechte Lektorat/Korrektorat merkte ich ja bereits an.
Die Antwort zu Punkt 3 ist noch aus einem weiteren Grund "richtig hilfreich" (man verzeihe mir den Sarkasmus). In einem Unternehmen, in dem private Einladung(en) gang und gäbe sind... heißt es da, wie schon erwähnt. In der Vorrede zu diesem Kapitel steht allerdings: Da Sie noch nicht lange im Unternehmen sind, wissen Sie nicht, ob diese Einladung zur Unternehmenskultur gehört... Tja, wenn das die Ausgangssituation ist, dann ist Antwort 3 wohl irgendwie "hohl", denn ich weiss ja schließlich nicht, wie die Unternehmenskultur ist und sollte mich vielleicht zunächst darüber informieren..., womit ich mich gerade in einer "Endlosschleife" verfange (die Frage 3 heißt nämlich: Sind solche privaten Kontakte im Unternehmen üblich?). Naja, wahrscheinlich nehme ich es hier einfach zu genau...
Sehr hilfreich ist auch die "Antwort" zur Frage 6 (Verzeihung, das ist ja in Wahrheit Frage 5). Zunächst die Frage: Wie würde der Mitarbeiter reagieren, wenn Sie die Einladung ablehnen? Antwort: Sprechen Sie eine eventuelle Ablehnung der Einladung auf jeden Fall taktvoll aus. Benutzen Sie keine "billigen" Ausreden, sondern antworten Sie offen und ehrlich. Zum Beispiel: "Wir werden uns nach Abschluss des Projekts alle treffen, um dann den Erfolg gemeinsam feiern zu können." Oh, dieser "Tip" ist wahrhaft hilfreich... dazu brauche ich ein Projekt, welches auch in näherer Zukunft abgeschlossen sein wird. Und was bitte hat eine Projektfeier mit der privaten Feier des Mitarbeiters zu tun? Das sind zwei Paar Stiefel und kaum ein brauchbarer Ablehnungsgrund. In meinen Augen genau die "billige" Ausrede. Und dass ich als Chef taktvoll reagieren soll, dürfte ja wohl jedem klar sein. Wer sagt denn schon: nein, zu dir komme ich nicht, weil ich dich nicht leiden kann? Wenn das meine Umgangsformen wären, wäre ich wohl kaum Chef geworden... obwohl, heutzutage, wenn ich mich so umschaue... vielleicht muss man manchen Chefs wirklich ein Buch auf diesem Niveau präsentieren.
Das war nur ein kleines Kapitel im Buch, welches schon vor inhaltlichen, sprachlichen und formalen Schwächen strotzt. Bei einem preiswerten Taschenbuch von einem weniger renommierten Verlag und einem weniger renommierten Autor wäre ich sicher auch weniger kritsch...
Fazit: das mag ein netter kleiner "Führer" sein, welche Probleme auf mich als Chef zukommen können. Antworten finde ich darin allerdings kaum. Die Denkarbeit muss ich doch (fast) ganz allein leisten. Natürlich habe ich nicht erwartet, einen Ratgeber für alle Lebenslagen bekommen zu können, denn jeder Mitarbeiter ist anders und jeder Chef auch und damit auch jede Situation, aber ein bisschen sehr flach präsentiert sich der Inhalt dieses Büchleins in meinen Augen dann doch.