Aus der Amazon.de-Redaktion
Pärchen verpisst Euch, keiner vermisst Euch. Pärchen stinken, Pärchen lügen, Pärchen fahren im Sommer nach Rügen textete Funny van Dannen einst für die Lassie Singers, deren Mitbegründer er war, um sie kurze Zeit später auch schon wieder zu verlassen. Bereits damals leistete sich Funny van Dannen die Freiheit schöpferischer Unabhängigkeit und eines messerscharfen Blicks auf die Gesellschaft. Gemäß dieser Grundsätze ist er sich bis heute treu geblieben, zu hören auf seinem zehnten Album
Trotzdem Danke.
Zehn Soloalben wären durchaus würdiger Anlass zum Feiern. Im Falle Funny van Dannens eher in Form eines Dienstjubiläums anstatt einer Gala, denn Promigehabe ist ihm zutiefst zuwider. Ebenso der gern auf ihn gemünzte Begriff Liedermacher und die damit verbundenen Vorstellung von Betroffenheitslyrik. Dienstjubiläum anstatt Gala auch deshalb, weil sein Wirken niemals von oben herab kommt, und zwar gleich in doppelter Hinsicht nicht. Erstens ist sein Auftreten bei aller Bissigkeit bar jeder Arroganz, und zweitens kokettiert er trotz stetig zunehmenden Erfolgs niemals mit der Rolle der Rampensau in luftiger Höhe umjubelter Großbühnen; -ich da oben, ihr da unten. Vielmehr sind seine intimen Auftritte Arbeit an der Basis und finden stets auf Augenhöhe mit dem Publikum statt. Wer bereits das Glück hatte, Funny van Dannen einmal live zu erleben, weiß um dessen Fähigkeit ein Publikum zu unterhalten, und zwar nicht etwa mit den einfachsten, sondern den kompliziertesten und aufwändigsten Mitteln die es gibt; nämlich Geist und Witz, sowie eine gehörige Portion Chuzpe. Sein neues Album Trotzdem Danke bildet darin keinerlei Ausnahme, mit seinen 24 Songs in schlichter Gitarrenbegleitung, die sich um die Skurrilitäten des stinknormalen Alltags drehen. Sie sind nicht nur einfach hörenswert, sondern zuhörenswert, eine Eigenschaft, die sie mit den besten Stücken von Max Goldt, Andreas Dorau und wohl auch Peter Licht vergleichbar macht. Noch etwas teilt Funny van Dannen mit besagten Herren: die Abscheu vor Gutmenschen und die Liebe zu Ironie und Wortwitz. Das hat ihm oft und irrtümlich die Einordnung in die Blödelecke von Kleinkunst und Kabarett eingetragen. In Wahrheit erweckt Funny van Dannen auf Trotzdem Danke das längst tot geglaubte Genre des Protestsongs zu neuem Leben. Seine Stücke sind ein Aufbegehren gegen gesellschaftliche Phänomene, wie das Verhalten von Müttern (Mütter ändern sich nie, sie sind das beste Mittel gegen Utopie) oder Liebende und ihre blutleeren Vernunftentscheidungen, die in ihrem haushälterischen Kalkül jeden Ansatz unvorhergesehener Leidenschaft im Keim ersticken. (Das ist moderne Liebe, sie setzt das Glück nicht aufs Spiel, das ist moderne Liebe, sie will nie zu viel). Eine Art Uferbegradigung, die dem breiten Lebensfluss seine Stromschnellen nimmt und ihn stattdessen zu einem träge fließenden aber dafür umso bequemer zu befahrenden Gewässer verwandelt. Für all den täglichen Wahnsinn sagt Funny van Dannen Trotzdem Danke und verfasst stattdessen ein brillantes Plädoyer für mehr Mut, sich an das Leben zu verschwenden und gegen allgemein fortschreitende Verblödung vorzugehen. Andreas Schultz
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